Ein Stinkkäfer aus China wird zur Plage

Die Marmorierte Baumwanze ist äusserst fressfreudig – und bis heute fehlt eine wirksame Bekämpfungsstrategie.

Erwachsene Baumwanzen sind bräunlich oder gräulich marmoriert, 12 bis 17 Millimeter lang und weisen auf beiden Seiten des Hinterleibs eine schwarz-weisse Musterung auf.

Erwachsene Baumwanzen sind bräunlich oder gräulich marmoriert, 12 bis 17 Millimeter lang und weisen auf beiden Seiten des Hinterleibs eine schwarz-weisse Musterung auf. Bild: PD

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Birnen mit tiefen, verhärteten Dellen, die sich gerade noch zum Vermosten eignen. Pepe­roni mit schwammigem Ge­webe: Die Fresslust der Marmorierten Baum­wanze hat für die Landwirtschaft je länger, desto gravie­ren­dere Folgen.

Denn in den vergangenen zwei Jahren haben die aus China zugewanderten, im Volksmund Stinkkäfer genannten Tiere­ hierzulande ideale Bedingungen für ihre ohne­hin schon ausgeprägte Fortpflanzungs­freude vorgefunden.

Wanzen sind Klimagewinner

Weshalb, erklärt der Bio­loge Tim Haye vom Cabi (Centre for Agriculture and Biosciences Inter­na­tio­nal) in Delsberg: «Wir hatten jeweils ein ungewöhnlich warmes Frühjahr, gefolgt von einem sehr warmen Sommer. Dadurch war es den Wanzen möglich, zwei statt wie üblich eine Generation pro Jahr hervorzubringen.» So ist die Population rasch gewach­sen. Ein einzelnes Weibchen kann nämlich bis zu 450 Eier legen.

Im Freien sind die fresslustigen Tiere alles andere als wählerisch. Sie befallen Obst­bäume, Bee­ren, Weinreben aber auch Ge­müse­arten, Mais und Soja. «Obwohl die Marmorierte Baum­wanze über ein sehr grosses Spektrum an Wirtspflanzen verfügt, sind die grössten Schäden im Obstbau bisher an Birnen gefun­den worden», heisst es in einer Mitteilung der Fach­stelle Obst des Strickhofs in Winterthur.

Die Insekten stechen die Früchte an und saugen vom Pflan­zen­saft. Dabei werden die Zellen des Fruchtfleisches bei der Einstichstelle geschädigt. Das führt zu Verhärtungen und De­for­ma­tionen. Diese Früchte eignen sich bestenfalls noch als Most­obst. Birnen waren im Jahr 2015 die ersten Opfer, doch mittlerweile wurden auch Schäden an Äpfeln und Gemüse festgestellt.

Das Problem: Bis heute gibt es keine optimalen Bekämpfungsmethoden. Biologe Haye: «Viele chemische Mittel sind nur bedingt­ oder gar nicht wirksam. Kleine Obstbäume kann man durch Netze schützen, sofern man diese rechtzeitig im Frühjahr anbringt.» Zurzeit würden Netze getestet, die ein Kontaktgift enthalten und mit einem Wanzenlockstoff versehen werden.

In China wirken Miniwespen

Man hat auch versucht, die Ha­lyo­morpha halys – so der wissenschaftliche Name – mittels einheimischer Wespen zu bekämpfen. Diese Methode hat sich in China als sehr effektiv erwiesen. Dort setzt man die nur 2 Milli­meter grossen Schlupfwespen zur Reduktion der Wanzen­eier ein. «Hier erzielen einheimische Schlupfwespen leider bisher nicht den gewünschten Erfolg», sagt Haye.

Der Forscher verfolgt die Ausbreitung der Tiere seit vielen Jahren und macht diese im Internet öffentlich. Für Personen, die eine Halyomorpha halys im Garten, auf dem Balkon oder in der Wohnung entdecken, hat Haye eine «Melde­stelle»: «Ich bin noch immer sehr an Fundmeldungen inter­essiert.» Am besten mit Foto, ­damit er sichergehen kann, dass es sich tatsächlich um den gesuchten Plagegeist handelt.

Weitere Informationen über die Marmorierte Baumwanze: www.halyomorphahalys.com. Dort findet man auch das Formular, mit dem man Funde melden kann.

Erstellt: 19.10.2018, 21:20 Uhr

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Durch Saugen schädigt die Wanze ihre Wirtspflanzen. (Bild: PD)

Der Weg in die Schweiz

Die Marmorierte Baum­wanze stammt ursprünglich aus Ostasien. Als Tor zur Schweiz diente ihr wahrscheinlich der Zürcher Chinagarten. Biologe Haye vermutet, dass die Plagegeister als blinde Passagiere in Holzkisten aus China anreisten. In diesen Kisten wurden 1998 die Ersatzziegel für den Garten am Zürichhorn transportiert. Den ersten Ziegeln hatten die kalten Schwei­zer Winter zu sehr zugesetzt. Die «Feinverteilung» übernehmen anschliessend Last­wagen oder Züge. Inzwischen ist die Halyomorpha halys beidseits der Alpen verbreitet.

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