Ein Südseekönig in Zürich

Der König Tupou VI von Tonga hat in Zürich ein Konsulat eröffnet und eignet sich Know-how an für das Zahlungssystem des Inselreiches. Danach gehts ans Schwing- und Älplerfest.

Tupou VI, anlässlich der 72. UNO-Generalversammlung in New York. Foto: Reuters

Tupou VI, anlässlich der 72. UNO-Generalversammlung in New York. Foto: Reuters

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Seine Majestät Aho'eitu Unuaki'otonga Tuku'aho Tupou VI, König des Inselreichs Tonga, hat heute Freitag die Stadt Zürich mit einem Besuch beehrt. Anlass war die Einsetzung eines Honorarkonsuls. Als solcher, quasi freier Botschaftsmitarbeiter unterstützt dieser Tongaer in der Schweiz, erhält für seine Dienste aber – anders, als es die Bezeichnung vermuten liesse – kein Honorar von der Botschaft. Die nächstgelegene befindet sich übrigens in London.

Honorarkonsul Luka Müller ist Anwalt und Ehemann von Fernsehmoderatorin Sandra Studer, hat tongaische Wurzeln und ist König Tupou VI freundschaftlich verbunden. Ihm gehört auch ein kleines Hotel in der Hauptstadt Nuku'alofa auf der Insel Tongatapu. Über eine Stiftung investiert er in Solarenergieprojekte, aber auch in landwirtschaftliche Projekte und Entwicklungsprojekte im Land.

Blockchain fürs Südseeparadies

In Zürich, das aus Tonga per Linienflug nicht unter 34 Stunden Reisezeit zu erreichen ist, hat sich König Tupou VI am Freitagmorgen über die Vorteile digitaler Technologien wie der Blockchain informiert, bei Spezialisten der Swisscom und weiteren Firmen. Tupou VI erhofft sich dadurch neue Erkenntnisse für die Digitalisierung des Zahlungssystems in Tonga, wo Breitband-Internet noch wenig verbreitet ist.

Tongatapu, die Hauptinsel des Königreiches. (Foto: Wikipedia)

«Ausbildung und Technologie sind wichtige Beiträge der Schweiz für ein Land wie Tonga. Beides wollen wir in Zukunft verstärkt unterstützen», sagte Konsul Müller gemäss Mitteilung anlässlich der Konsulats-Eröffnung an der Zollstrasse 62 am Freitagmorgen.

Fast alles wird importiert

Tonga, bewohnt von etwas über 100'000 Menschen, umfasst 176 Inseln, nur 36 davon sind bewohnt. Das Land macht wirtschaftlich schwierige Zeiten durch: Das Königreich exportiert tropische Früchte; ausländische Fischfangflotten und billige Agrarprodukte setzten aber der eigenen Wirtschaft zu.

Das meiste, was die Einwohner von Tonga fürs tägliche Leben brauchen, wird importiert. Der Tourismus ist erst schwach entwickelt. Das Land ist abhängig von Entwicklungshilfe und Geldern, die Tongaer im Ausland an ihre Verwandten überweisen.

Biedermann löst Protzer ab

Tupou VI möchte das ändern. Bereits als Premierminister leitete er in den Nullerjahren Reformen ein und widersetzte sich der Politik einer harten Hand seines Vaters. Tupou VI ist beim Volk beliebt, auch wenn er für tongaische Verhältnisse als bieder gilt: Er erreicht nicht die imposanten 210 Kilogramm Körpergewicht seines Vaters, König Topuo IV. Dieser trug den Titel des schwersten Königs der Welt mit Stolz – schliesslich gelten dicke Menschen auf Tonga als schön, was auch langjährige Gesundheits- und Ernährungsprogramme bisher nicht ändern konnten: In Tonga wird weiter gerne Fettes vom Schwein gegessen, Yamswurzel und Kokosöl. 90 Prozent der Einwohner sind übergewichtig.

Spanferkel, das traditionelle Festmahl auf Tonga, bereitgelegt anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten von König Tupou V. (Foto: Keystone)

Auch mit dem älteren Bruder Georg Tupou V, seinem Vorgänger an der Macht, kann es der aktuelle König punkto Exzentrik nicht aufnehmen. Georg war bekannt für farbige Fantasie-Uniformen, hatte eine Vorliebe für preussisch angehauchte Spitzhelme und britische Karossen. Oft trug er ein Monokel im Auge und sass bei seiner Krönung – 5000 Gäste waren geladen – auf einem 2,5 Meter hohen, goldenen Thron. Doch bereits er hatte auf Druck der Strasse wichtige Schritte zur Demokratisierung des Landes eingeleitet, die Macht ans Parlament abgegeben und als Nachfolger seines jüngeren Bruders im Amt den ersten gewählten Premierminister eingesetzt.

Ein König am Schwing- und Älplerfest

Aho'eitu Unuaki'otonga Tuku'aho Tupou VI ist nicht zum ersten Mal in der Schweiz. Er hat in England studiert und reist regelmässig nach St. Moritz zum Skifahren. Nach seinem Besuch in Zürich wird er aber nicht im Engadin erwartet, sondern zur Krönung eines Schweizer Königs, dem Schwingerkönig am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug.

Tupou VI wird am Eidgenössischen nicht der einzige Ehrengast adliger Abstammung sein. Auch Fürst Albert von Monaco ist als Ehrengast geladen. Ein Treffen mit Bundespräsident Ueli Maurer ist ebenfalls geplant.

Erstellt: 23.08.2019, 17:18 Uhr

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