Ein Veloparkhaus ohne Gegner

Der Winterthurer Gemeinderat bewilligt den 3,8-Millionen-Kredit für das Veloparkhaus direkt am Bahnhof. Diskussionen über Gebühren und mehr Grün wurden vertagt.

Neues Angebot in Winterthur: Oberhalb des geplanten Logistikzentrums der SBB soll ein Veloparking entstehen. Visualisierung: PD

Neues Angebot in Winterthur: Oberhalb des geplanten Logistikzentrums der SBB soll ein Veloparking entstehen. Visualisierung: PD

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Winterthur bekommt 570 neue Veloparkplätze direkt am Bahnhof und schliesst mit einem kombinierten Fuss- und Veloweg zur Schaffhauserstrasse auch gleich eine wichtige Lücke im städtischen Netz. So entschied es der Grosse Gemeinderat in seiner Sitzung am Montag. Der 3,8-Millionen-Franken-Kredit für die Realisierung des Veloparkings auf dem früheren Areal der Jazzbar Esse wurde mit einer Enthaltung und ohne Gegenstimme bewilligt.

Das deutliche Ergebnis zeichnete sich bereits in der Diskussion ab. Die Fraktionsredner überboten sich gegenseitig mit Lob für den geplanten Bau. So sprach Felix Landolt (SP) von einem «sehr schönen Projekt», und Hans Rudolf Hofer (SVP), der das Projekt als Mitglied der Sachkommission Bau und Betriebe vorstellte, erklärte: «Das Projekt bietet einen grossen Mehrwert für einen relativ geringen Preis.» Es sei eine «mehrfache Win-win-Situation», erklärte Reto Diener (Grüne) und frohlockte: «Wir bekommen nicht einfach ein Hinterzimmer beim Bahnhof, sondern einen Salon.»

Kein Egoprojekt

Immer wieder war von optimalen Zeitfenstern und genutzten Gelegenheiten die Rede. Denn sowohl das Veloparking wie auch der Weg, der über die Wülflingerbrücke zur Schaffhauserstrasse führen soll, sind möglich, weil sowohl SBB als auch Siska eigene Bauprojekte am Laufen haben.

Dabei konnte die Stadt ihre Interessen einbringen. Während die SBB bei der Personenunterführung Nord ein neues Logistikzentrum bauen, liegt der private Gestaltungsplan der Siska noch nicht auf. Ermöglicht wurde das Projekt also sowohl durch Zufall wie auch durch eine enge Zusammenarbeit.

So bedankte sich André Zuraikat (CVP) bei den Planern der drei Partner und fand: «Es ist zu hoffen, dass sich wiederholt solche Kombiprojekte realisieren lassen.» Das sieht auch SP-Stadträtin und Bauvorsteherin Christa Meier so: «Es ist ein Glücksfall, dass wir uns bei den SBB anhängen und beim Gestaltungsplan der Siska einklinken konnten.» Obwohl niemand die Vorlage gefährden wollte, waren strittige Punkte durchaus vorhanden.

Vertagte Diskussionen

So kritisierte etwa Romana Heuberger (FDP), dass das neue Parkhaus kostenlos sein soll, und stellte die Gebührenfrage. Sie argumentierte: «60 Rappen kann sich jeder Velofahrer leisten.» Auch Hans Rudolf Hofer fragte: «Muss Veloparking immer gratis sein?» Später doppelte er nach: «Mit einem Franken pro Tag wäre das Parkhaus gar ein Renditeobjekt.»

«Eine Begrünung der Fassade ist auch ohne viel Erde möglich.»Michael Bänninger
EVP

Andere hätten sich hingegen mehr Grün gewünscht. Nicht nur auf dem Dach, sondern auch an der Fassade. Zu jenen, welche die kargen Betonwände kritisierten, gehörte Michael Bänninger (EVP): «Eine Begrünung der Fassade ist auch ohne viel Erde möglich», argumentierte er und hoffte weiter auf moderne LED-Beleuchtung mit verschiedenen Farbtönen. Markus Natter (GLP) kritisierte demgegenüber, dass der Veloweg auf der Brücke nur 3,5 Meter breit werde und die 570 neuen Veloparkplätze nicht reichen: «Künftig braucht es 3000 Parkplätze oder mehr.»

Stadträtin Meier versprach darauf, die Fassadenbegrünung und die Beleuchtung nochmals anzuschauen. Und die Gebührenfrage gelte es in einem anderen Rahmen zu diskutieren. Keinen Spielraum gebe es hingegen bei der Brücke: «Uns ist bewusst, dass 3,5 Meter knapp sind, doch es geht nicht anders. Wir müssten die Brücke neu bauen und wären dann in einer ganz anderen Preiskategorie als jetzt.» (Delia Bachmann)

Erstellt: 21.01.2020, 08:32 Uhr

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