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Eine Investition, die sich auszahlt

Die Debatte über die Frühförderung von fremdsprachigen Kindern ist keine pädagogische, sondern eine politische.

Der Zürcher Kantonsrat hat gestern einen ersten Grundsatzentscheid für die Frühförderung von fremdsprachigen Kindern gefällt. Schüler, die zu wenig gut Deutsch sprechen, sollen also bereits vor dem Schuleintritt spezielle Kurse besuchen müssen. Die Debatte ist in erster Linie keine pädagogische, sondern hochpolitisch: Wie stark ist der Staat für den Schulerfolg ­aller Kinder verantwortlich? Es ist kein Zufall, hat die SVP bereits Grundsatzopposition angekündigt. Politische Ideologien helfen aber angesichts der Realität in vielen Schulzimmern nicht weiter. Gemäss Pisa-Studie haben 40 Prozent der Zürcher Jugendlichen sechs Jahre nach der obligatorischen Schule ungenügende Lesekompetenzen. Im Kanton Luzern sind nach Angaben der Behörden rund 15 Prozent aller Schüler auf zusätzlichen Deutschunterricht angewiesen.

Die Rechnung folgt später

Überlässt man eine so grosse Anzahl Kinder ihrem eigenen Lernschicksal, folgt die Rechnung in ein paar Jahren: Schüler, die Mühe mit Deutsch haben, kommen spätestens auf der Sekundarstufe nicht mehr nach. Sie benötigen zum Beispiel Unterstützung in anderen Fremdsprachen. Achtklässler, die nicht imstande sind, in korrektem Deutsch einen Bewerbungsbrief zu verfassen, haben geringere Chancen auf eine Lehrstelle.

Arbeitslose Schulabgänger können dem Staat nicht egal sein; sie belasten zwar nicht mehr die Schul-, dafür die Sozialhilfebudgets. Der Kanton Zürich hat – wie alle anderen Kantone auch – ein grosses Interesse, seine Schüler möglichst früh zu fördern. Dass sich dies auszahlt, zeigen erste Erhebungen aus dem Pionierkanton Basel-Stadt. Dort haben Dreijährige, die an zwei Halbtagen pro Woche altersgerechte Sprachkurse besuchen müssen, nach einem Jahr ihr Deutsch klar verbessert.

Das Beispiel Basel-Stadt ist für Zürich auch punkto Finanzierung lehrreich. Der rot-grün dominierte Stadtkanton kommt vollumfänglich für die entstehenden Zusatzkosten auf. Die Frühförderung ist nämlich nicht als Kostentreiber der ohnehin immer teurer werdenden Schule zu verstehen. Sondern als frühestmögliche Investition in jene Kinder, die ihre Schullaufbahn mit einem Nachteil starten. Sie wird sich auszahlen.

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