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Eine Seilbahn fürs Gemüt

Mit ihrem Seilbahnprojekt ist der Zürcher Kantonalbank ein PR-Coup gelungen. Wie auch immer die Idee bei der Bevölkerung ankommt, die ZKB steht in jedem Fall gut da.

Die Zürcher Kantonalbank will für die Zürcher eine Seilbahn über den See bauen – so, wie es bereits 1939 und 1959 eine gegeben hat. Auch wenn noch offen ist, ob aus der Vision jemals Realität wird, steht fest: Die ZKB gewinnt sowieso. Seilbahnen sind im Alpenland Schweiz mit positiven Emotionen besetzt. Sie verbinden Feriengefühl mit Stolz über die einheimische Ingenieurskunst. Spielt dann noch die romantisch-verklärte Erinnerung an die Landi 39 hinein, wird die Euphorie noch üppiger.

Das bedeutet für die ZKB als Urheberin der Euphorie: Ihr ist ein PR-Coup gelungen. Wird die Bahn realisiert, erntet sie die Lorbeeren für ein ebenso lustvolles wie innovatives Mobilitätsprojekt. Scheitert die Bahn, kann sich die Bank als Opfer miesepetriger Verhinderer darstellen. Eine Win-win-Situation.

Muss man folglich damit rechnen, dass Grosskonzerne und -instituionen mit entsprechenden Mitteln dem Beispiel folgen werden? Wird neben der ZKB-Seilbahn bald eine von der Migros initiierte orange Car-Sharing-Flotte in Zürich verkehren? Oder baut Lindt & Sprüngli für Zürich eine U-Bahn-Verbindung – mit schokoladebraunen Kompositionen?

Debatte über neue Mobilitätsformen

Man muss die Frage anders stellen: Wäre das so schlimm? Nein, wäre es nicht: Schon immer – und in der Schweiz mit ihrem vergleichsweise schwachen Staat sowieso – waren nicht- oder halbstaatliche Akteure wichtige Innovationsmotoren. Wenn nun die ZKB (welche im übrigen – als Kantonalbank mit Staatsgarantie – eine ziemlich staatsnahe Institution ist) mit einem urbanen Seilbahnprojekt die Debatte über neue Mobilitätsformen anstösst und eigenhändig vorantreibt, dann ist das zu begrüssen.

Die Herausforderungen der Zukunft sind gross, gerade auch im Bereich der Mobilität. Dass sich die ZKB in diese Debatte einbringt, lässt sich als Zeichen deuten, dass die Bank um die gesellschaftliche Verantwortung weiss, die sie im Kanton hat. Gewiss kann man nun einwenden: Eine Verbindung zwischen Landiwiese und Zürichhorn ist nicht Zürichs dringendste Verkehrspriorität. Stimmt. Es ist eine Seilbahn fürs Gemüt. Aber ist das so schlimm?

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