Eisvogel-Rekord an der Thur

Der Hitzesommer 2018 stresste die meisten Tiere enorm. Manche fühlten sich aber gerade deswegen vögeliwohl.

Erfolg: An der Thur brüten so viele Eisvögel wie noch nie seit Beginn der Zählung.

Erfolg: An der Thur brüten so viele Eisvögel wie noch nie seit Beginn der Zählung. Bild: PD (Matthias Griesser)

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Endlich einmal eine gute Nachricht in Sachen Artenschutz: An der Thur brüteten letztes Jahr so viele Eisvögel wie noch nie seit Beginn der Zählung im Jahr 1989. Zehn Paare waren es zwischen Gütighausen und dem Thurspitz – sieben davon in den geschützten Thurauen. Dazu kommen drei weitere Paare bei Altikon.

Und auch dieses Jahr sieht es gut aus, wie Matthias Griesser sagt. Griesser ist Präsident des Naturschutzvereins Andelfingen und dokumentiert den Bestand des Eisvogels an der Thur seit 25 Jahren im Auftrag des Kantons. «Der Rekord des letzten Jahres wurde nochmals leicht übertroffen.» So haben sich zwischen Gütighausen und dem Thurspitz dieses Jahr sogar elf Brutpaare angesiedelt, im Auenschutz-Perimeter acht.

Hochwasser gefährden Bruten

Allerdings zerstörte das Hochwasser vom 21. Mai fast alle, nämlich zehn Bruten. Acht Paare haben jedoch Ersatzbruten in Angriff genommen. Deshalb sagt Griesser: «Der Bruterfolg kann für dieses Jahr noch nicht abschliessend beurteilt werden, da die Ersatz- und Zweitbruten zum Teil noch im Gang sind.»

Die letzten Jungen werden wohl erst Ende August oder Anfang September ausgeflogen sein. «Der Spätsommer isteine gute Zeit, um Eisvögel zu beobachten», sagt Sonja Falkner, stellvertretende Leiterin des Naturzentrums Thurauen. Das Naturzentrum, das von der Stiftung PanEco betreiben wird, bietet spezielle Eisvogel-Führungen durch die Thurauen an.

An einigen Orten Dichtestress

Im rund sechs Flusskilometer langen Thurabschnitt unterhalb von Andelfingen erlebten die Eisvögel im letzten Sommer womöglich gar einen Dichtestress, was für einen Vogel, der auf der Roten Liste steht, bemerkenswert ist.

Griesser schreibt im Ornithologischen Inventar des Kantons Zürich, dass er in dem Bereich immer wieder «Eindringliche» beobachtete, welche von Artgenossen unter heftigem Warnen und Drohen aus dem Revier vertrieben wurden.

Keine Hochwasser 2018

Der rekordhohe Bestand im letzten Jahr lässt sich laut Griesser nicht allein durch die steten Fördermassnahmen in dem Gebiet erklären. Diese seien 2018 im üblichen Rahmen durchgeführt worden. So wurden neue Steilwände geschaffen oder bestehende instand gestellt. Steilwände brauchen die blau schillernden Vögel für ihre Bruthöhlen.

Profitiert haben die Vögel zusätzlich vom Hitzesommer, insbesondere von der Trockenheit, die vielen anderen Arten zu schaffen machte. Dadurch blieben nämlich für den Eisvogel verheerende Hochwasser wie diesen Mai aus.

Vier Brutausfälle

Dafür brachte der anhaltende und heisse Sommer andere Gefahren: Das meist gute Badewetter lockte Tausende Erholungssuchende an die Thur. Viele von ihnen kamen mit Gummibooten und brachten viel Betrieb. Auch in Abschnitten, in denen Eisvögel lebten.

Bitte nicht stören – Eisvogelland. (Bild: Urs Jaudas)

Eisvögel verlassen Orte, wenn sie dort regelmässig gestört werden. Selbst dann, wenn sie bereits angefangen haben zu brüten. Laut Griesser kam es durch solche Störungen vermutlich zu vier Brutausfällen.

Noch nicht über den Berg

Der Bestand der Eisvögel nimmt in den letzten Jahren auch an anderen Orten zu. Er ist aber nach wie vor so klein, dass etwa der Zürcher Vogelfinder aus Schutzgründen darauf verzichtet, auf einer Karte anzugeben, wo genau im Kanton Zürich Eisvögel zu beobachten sind.

Pauschal gesehen: Neben der Thur sind auch gewisse Abschnitte am Rhein Eisvogelland. Und im Neeracherried sind die schönen Vögel zwischendurch auch zu entdecken.

Die Verlierer

Einige wenige Arten profitierten vom Hitzesommer mit seiner Rekordtrockenheit. Neben dem Eisvogel etwa auch einige Insektenarten. Viele jedoch litten darunter. Wie dem Magazin «Zürcher Umweltpraxis» zu entnehmen ist, sind jene besonders betroffen, die in flachen Gewässern leben. So etwa die seltene Zwerglibelle, deren Larven sich in sehr flachem Wasser in Riedgebieten entwickeln.

Zwerglibelle: Landesweit gibt es nur noch zwei Populationen. Bild: PD

In der ganzen Schweiz sind nur noch zwei Populationen bekannt. Eine davon lebt im Kanton Zürich, im Robenhuserriet, wo der Wasserhaushalt nur beschränkt gesteuert werden kann. Es wird sich erst im Laufe der nächsten Monate zeigen, ob die Zwerglibelle das Austrocknen ihrer Larvengewässer überlebt hat.

Bachmuschel und Kreuzkröte

Auch die Bachmuschel stand kurz vor einer Katastrophe. Sie kommt im Kanton Zürich nur noch an drei Standorten vor, darunter im Furtbach, der fast austrocknete. Dank des Wehrs am Katzensee konnte im letzten Moment die Wassermenge erhöht werden.

Ebenfalls nur dank künstlicher Wasserzufuhr in ausgewählten Gewässern konnte die Kreuzkröte im letzten Jahr Nachwuchs zeugen. Sie legt ihre Eier in seichte Gewässer, oft sogar in Regenwassertümpel. Die Larven entwickeln sich zwar sehr schnell. Doch nicht schnell genug für einen Hitze- und Trockensommer, wie 2018 einer war.

Erstellt: 06.08.2019, 11:02 Uhr

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