Schlaflose überrennen Schlafzentrum am Zürichsee

Im Kanton Zürich leiden überdurchschnittlich viele Menschen unter Schlafproblemen. Seit einem Jahr bekommen sie in Kilchberg Hilfe.

Bild: Michael Trost

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Nächtelang keinen Schlaf finden, hat schwerwiegende Folgen für die Gesundheit. Wer weniger als sechs bis sieben Stunden pro Nacht schlafe, sei anfälliger für Diabetes, für Herz-Kreislauf-Probleme oder Krebs, aber auch für psychische Erkrankungen wie Depressionen, sagt Annkathrin Pöpel, Schlafmedizinerin am Sanatorium Kilchberg.

Mit Medikamenten ist Schlafmangel langfristig nicht beizukommen. Laut Pöpel gilt es deshalb, das zugrunde liegende Problem zu eruieren und die Schlafgewohnheiten unter die Lupe zu nehmen. Genau dies ist seit gut einem Jahr im Schlaflabor des Schlafzentrums Zürichsee möglich – und seither haben bereits über 100 Menschen dieses Angebot genutzt. Tendenz steigend, wie die «Zürichsee-Zeitung» am Dienstag schreibt.

Schlafwandler, Apnoe und Insomnien

Das Schlafzentrum Zürichsee wird vom See-Spital und dem Sanatorium Kilchberg betrieben und verfügt über drei Zimmer, die parallel an zwei Nächten pro Woche genutzt werden können. Alexander Turk hat es gemeinsam mit Pöpel vor zwei Jahren initiiert. Der gebürtige Thalwiler ist Chefarzt Innere Medizin am See-Spital und leitete davor unter anderem das Schlafzentrum am Zürcher Rehazentrum Wald.

Seit März 2018 behandelt und untersucht ein interdisziplinäres Team bestehend aus Pneumologen, Neurologen, Ohren-Nasen-Hals- Ärzten, Psychiatern und Psychologen im neuen Zentrum die verschiedenen Arten von Schlafstörungen. Dazu gehören Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien) aber auch Parasomnien wie Schlafwandeln.


Video: So schlafen Sie schneller ein

Schlafforscherin Esther Werth des Zürcher Unispitals gibt im Video Tipps für einen besseren Schlaf. (Video: Lea Blum)


Das häufigste körperlich bedingte Schlafproblem sei aber das Schlafapnoe-Syndrom, schreibt die «Zürichsee-Zeitung» weiter. Dabei verschliesst sich ein Teil der oberen Atemwege, was zu Atemaussetzern und einer Weckreaktion führt. Bis fünf Aussetzer pro Stunde gelten als normal, ab 15 ist eine Behandlung nötig.

Ein Drittel der Schweizer leidet unter Schlafmangel

Dass dieses neue Angebot viel Zulauf hat, erstaunt angesichts der Zahlen einer Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) kaum. Demnach litt 2017 ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer an einer Schlafstörung. Im Kanton Zürich war der Anteil mit 34,2 Prozent leicht überdurchschnittlich.

Laut Pöpel ist insbesondere der Tiefschlaf wichtig, weil dann Wachstumshormone ausgeschüttet und das Immunsystem gestärkt wird. Und aus psychiatrischer Sicht sei Schlaf entscheidend für die Resilienz, also die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen.

(tif)

Erstellt: 21.05.2019, 10:32 Uhr

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