Englisch an der Goldküste, Albanisch im Limmattal

Jede fünfte Person im Kanton Zürich äussert sich bevorzugt in einer Fremdsprache. Zwischen den Regionen gibt es aber grosse Unterschiede.

Fremdsprachen nach Regionen im Kanton Zürich, 2014–2016: Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil Personen ab 15 Jahren, der die jeweilige Sprache als seine Hauptsprache bezeichnet.


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Wer im Tram unterwegs ist, schulpflichtige Kinder hat, in einer internationalen Firma arbeitet oder in einem Fussballclub spielt, weiss, dass in Zürich längst nicht nur Schweizerdeutsch gesprochen wird. Fast jede fünfte Person äussert sich sogar bevorzugt in einer Fremdsprache, beherrscht diese nach eigener Aussage also gleich gut oder besser als Deutsch. 2016 wurden im Kanton Zürich mehr als 80 verschiedene gesprochene Sprachen erfasst.

Schweizerdeutsch oder Hochdeutsch ist zwar weiterhin die mit Abstand am häufigsten genannte Hauptsprache, also die Sprache, in der man denkt und die man am besten beherrscht. Aber Deutsch längst nicht mehr so dominierend wie einst. Die Sprachlandschaft in Zürich ist durch die Zuwanderung aus dem Ausland vielfältiger geworden, die Mehrsprachigkeit der Bevölkerung nimmt zu. In der jährlichen Strukturerhebung des Bundesamts für Statistik können die Befragten denn auch mehrere Hauptsprachen nennen, die sie gleich gut beherrschen.

Die zweithäufigste Sprache im Kanton ist demnach Englisch, das von über 8 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher fliessend gesprochen wird. Dahinter folgen Italienisch, Albanisch und erst an vierter Stelle die Landessprache Französisch, vor Serbokroatisch, Spanisch, Portugiesisch und Türkisch. Alle anderen Sprachen werden von weniger als 1 Prozent der Bevölkerung benutzt.

Unterschiedliche regionale Verteilung der Fremdsprachen

Unabhängig von der Sprache wählt der grösste Teil der Zuwanderer aus dem Ausland die Stadt Zürich oder umliegende Gemeinden als Wohnort. In der Stadt und im Limmattal bezeichnet fast jeder Vierte eine Fremdsprache als seine Hauptsprache. Im Knonauer Amt und im Weinland hingegen ist die Wahrscheinlichkeit, auf eine Person zu treffen, die eine andere Sprache besser spricht als Deutsch, kleiner als 10 Prozent.

Schaut man sich die verschiedenen Fremdsprachen einzeln an, gibt es aber grosse Unterschiede bei deren Verteilung (siehe Hauptgrafik ganz oben). Eine Auswertung des Statistischen Amtes des Kantons Zürich zeigt, dass Englisch sprechende Personen überdurchschnittlich häufig in den Seegemeinden und in der Stadt wohnen: Auf dem Pfannenstiel geben über 11 Prozent an, fliessend Englisch zu sprechen, in der Stadt Zürich und am Zimmerberg sind es fast gleich viele.

Sehr ähnlich ist die Verteilung der Französisch sprechenden Bevölkerung. Bei den anderen Sprachen aber spielen die Seegemeinden keine entscheidende Rolle mehr. Spanisch wird am häufigsten in der Stadt Zürich, im Glatt- und im Limmattal gesprochen. Beim Italienischen dominieren das Limmat- und das Furttal vor der Kantonshauptstadt. Portugiesisch, Serbokroatisch und vor allem Albanisch sind im Limmat-, Furt- und Glattal stärker vertreten als in der Stadt. Ähnliches gilt für die Türkisch sprechende Bevölkerung, die zudem häufig im Raum Winterthur wohnt.

Englischsprachige Zuzüger sind gebildeter

Die unterschiedliche Verteilung der Fremdsprachen im Kanton hat viel mit dem Zeitpunkt und den Umständen der Migration sowie dem Bildungsniveau der Zugezogenen zu tun. Viele, die Englisch oder Französisch als ihre Hauptsprache angeben, kamen im Zuge der Einführung der Personenfreizügigkeit 2002 nach Zürich.

Es handelt sich um hoch qualifizierte Arbeitskräfte: Rund drei von vier Englisch Sprechenden und zwei von drei Französisch Sprechenden haben einen Universitätsabschluss oder Ähnliches. Und weil das Bildungsniveau eng mit dem Einkommen zusammenhängt, wohnen Zugewanderte mit diesen Hauptsprachen häufig in den teuren Regionen des Kantons, der Stadt Zürich und den Seegemeinden.

Süd- und südosteuropäische Sprachen hingegen werden vermehrt von Zugezogenen gesprochen, die nur die obligatorische Schule oder eine Berufslehre absolviert haben. Oft wanderten diese Personen früher ein, als Flüchtlinge während der Balkankrise in den 1990er-Jahren oder zu einer Zeit, als sich vor allem der Landwirtschafts- und der Industriesektor im Ausland nach Arbeitskräften umschauten. Und weil sie mit tieferer Bildung tendenziell weniger verdienen, wohnen sie auch in vergleichsweise günstigen Regionen wie Limmat-, Furt- oder Glattal. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 15.05.2018, 17:26 Uhr)

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