Englisch neu erst ab der 3. Klasse

Bildungsdirektorin Silvia Steiner hat den Zürcher Lehrplan 21 präsentiert. Unter anderem wird der Französisch-Unterricht gestärkt. Der Lehrplan startet bereits 2018. Das sorgt für Kritik.

Der Französischunterricht wird aufgestockt: mehr Lektionen am Anfang.

Der Französischunterricht wird aufgestockt: mehr Lektionen am Anfang. Bild: Urs Jaudas

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Der Bildungsrat hat den Zürcher Lehrplan 21 erlassen: Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP) spricht von einer «breit akzeptierten Lösung». Nach den Anpassungen, die aufgrund der Vernehmlassung vorgenommen wurden, zeichnet sich nun eine breite Unterstützung für den Lehrplan 21 ab. So steht etwa der Verband Zürcher Schulpräsidien (VZS) hinter dem Grossprojekt. Dieses bringe «einen Mehrwert für die Volksschule».

Der Verband der Schulleiter des Kantons Zürich (VSLZH) freut sich, dass «alle beteiligten Player ihre Interessen einbringen konnten und sich im Anschluss daran sehr einheitliche Ergebnisse präsentierten». Für die Gewerkschaft VPOD wurden der Inhalt des Lehrplans und die Lektionentafel «zur vollen Zufriedenheit» angepasst.

Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) ist mit dem Resultat ebenfalls «insgesamt zufrieden», wie er mitteilt. Es handle sich um ein akzeptables Gesamtpaket, das die Vorgaben des Lehrplans 21 berücksichtige und gleichzeitig Rück- sicht auf Zürcher Eigenheiten wie die Wahlfächer in der dritten Sekundarstufe nehme.

Damit sei das Ziel erreicht worden, wird Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) in einer Medienmitteilung von heute Freitag zitiert. «Wir wollten einen Lehrplan, der breit abgestützt ist.» Nun liege eine Lösung vor, hinter der auch die Berufsverbände stünden.

Mehr Englisch- und Französisch-Stunden beim Start

Der Lehrplan 21 sieht vor, dass Englisch erst in der 3. Klasse beginnt und nicht mehr bereits in der 2. Bei den Fremdsprachen werden zudem am Anfang mehr Lektionen zur Verfügung stehen.

Der MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) wird durch je zwei Lektionen Medien und Informatik auf der Primar- und der Sekundarstufe sowie durch eine zusätzliche Lektion Natur und Technik auf der Sekundarstufe gestärkt. Die Zahl der Wochenlektionen nimmt mit dem Alter der Schüler kontinuierlich zu. Zudem gibt es keinen Abbau der Lektionen, die in Halbklassen oder im Teamteaching unterrichtet werden. Dies waren zentrale Forderungen, die von den Lehrerverbänden in der Vernehmlassung gestellt wurden.

Irritation über Zeitplan

Laut der Bildungsdirektion tritt der neue Lehrplan auf das Schuljahr 2018/2019 im Kindergarten und in der Primarschule bis 5. Klasse in Kraft. Ein Jahr darauf gilt er auch für die 6. Primarklasse und die Sekundarstufe.

Auch wenn sie grundsätzlich hinter dem Lehrplan stehen, zeigen sich verschiedene Verbände über diesen Zeitplan irritiert. Das Platzangebot einiger Weiterbildungsangebote sei beschränkt, hält etwa der Schulleiterverband VSLZH fest. «Dies beobachten wir mit Unbehagen und erachten diese Bedingungen als suboptimal.»

Und die Gewerkschaft VPOD kritisiert, dass dem Kanton die finanziellen Mittel für das Grossprojekt fehlen würden. Im Sommer 2018 seien weder genügend Lehrpersonen ausgebildet noch stünden die notwendigen Lehrmittel bereit. «Die Verschiebung der Einführung des Lehrplanes ist unabdingbar.»

Zwei Volksabstimmungen hängig

Das Stimmvolk wird sich bald zu zwei Vorlagen äussern können, welche den Lehrplan 21 betreffen. Am 21. Mai kommt die Fremdspracheninitiative an die Urne, welche eine statt zwei Fremdsprachen in der Primarschule fordert. Die zweite soll in der Oberstufe gestartet werden. Die Initiative wird unter anderen vom ZLV befürwortet. Bildungsdirektorin Steiner hat bereits gesagt, bei einem Ja würde dies eher Französisch sein als Englisch.

Voraussichtlich ebenfalls dieses Jahr wird noch die Initiative vors Volk kommen, welche die Macht über den Lehrplan dem Kantonsrat und damit indirekt dem Volk geben will. Heute ist der Bildungsrat zuständig für den Zürcher Lehrplan. (pu/sda)

Erstellt: 17.03.2017, 09:20 Uhr

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