Dieser Autohändler legte sich mit den falschen Bäumen an

Ein Occasionshändler liess in Schlieren eine Baumreihe fällen. Zu seinem Pech gehören die Platanen aber ins optische Konzept der Limmattalbahn.

Der markante Autoturm von Auto Züri West steht ganz in der Nähe der Zürcher Stadtgrenze auf Schlieremer Boden. Foto: Thomas Egli

Der markante Autoturm von Auto Züri West steht ganz in der Nähe der Zürcher Stadtgrenze auf Schlieremer Boden. Foto: Thomas Egli

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Die Rache des Autohändlers an den geschäftsschädigenden Bäumen war gründlich. Er beliess es nicht dabei, sie abzuholzen, sondern versiegelte zudem noch den Boden, auf dem sie gestanden hatten. Auf dass dort nie Ersatz gepflanzt werde. Diese Aktion hat ihn nun ins Zentrum eines kleinen Skandals katapultiert, über den die «Limmattaler Zeitung» berichtet hat.

Remo Baleri ist Geschäftsführer des Occasionshändlers Auto Züri West, bekannt dank dem markanten Autoturm, der ein paar Hundert Meter jenseits der Zürcher Stadtgrenze auf Schlieremer Boden steht. Vor diesem Turm befindet sich ein Platz, der immer zugestellt ist mit rund zweihundert Wagen, die auf Käufer warten. Und an der Grenze zwischen Platz und Hauptstrasse standen bis vor zwei Jahren acht Platanen.

Weisse Flecken im Lack

Aus diesen Bäumen prasselte ein destruktiver Regen auf die darunterstehenden Autos nieder – so rechtfertigt Baleri seinen Befreiungsschlag mit der Kettensäge. In der «Limmattaler Zeitung» erklärte er, herabfallende Äste hätten Schäden von rund 35'000 Franken pro Jahr verursacht. Auf Nachfrage präzisiert er nun, die Bäume seien von Schädlingen befallen gewesen, die ein ätzendes Sekret abgesondert hätten. Dieses habe weisse Flecken in den Lack gefressen.

In dieser Aufnahme aus dem August 2014 stehen die Bäume noch. Foto: Google Street View

Die Angelegenheit zieht nun mit Verzögerung unerwartete Kreise. Denn der Auto Züri West gehört nur ein Drittel des Areals. Der Rest, auf dem sechs der acht Bäume standen, ist im Besitz einer Immobilienfirma – und diese war offenbar nicht in­formiert über die Abrechnung ihres Mieters mit den Platanen. Sie wunderte sich, wo diese geblieben waren, wandte sich im Ärger aber nicht an Baleri, sondern an den Stadtrat von Schlieren. Der Verdacht: Die Bäume könnten widerrechtlich dem Bau der Limmattalbahn geopfert worden sein.

Das hätte ins Bild gepasst, das viele von dieser Bahn haben. Die Empörung über die Vielzahl an Bäumen, die entlang des Trassees gefällt und neu gepflanzt werden, begleitet das Bahnprojekt seit geraumer Zeit. Und die Ende August eröffnete erste Etappe zieht sich genau vor dem Parkplatz von Auto Züri West durch. Zudem waren die Platanen von der gleichen Firma gefällt worden, die auch im Auftrag der Limmattalbahn solche Arbeiten erledigte.

Ungelöstes Rätsel

Rasch zeigte sich jedoch, dass der Stadtrat ähnlich irritiert war wie die Grundeigentümer. Das Stadtentwicklungskonzept sieht vor, dass Schlierens Hauptachsen von Bäumen gesäumt sein sollen, und gemäss dem Gestaltungskonzept für die Limmattalbahn soll eine begleitende Baumallee sogar primäres Identitätsmerkmal der neuen Linie sein. Anders gesagt: Es klafft da eine Lücke, die keinem ins Konzept passt. Keinem – ausser Baleri.

Herabfallende Äste hätten Schäden von rund 35'000 Franken pro Jahr verursacht, sagt Autohändler Baleri von Auto Züri West. Foto: Thomas Egli

Dieser sagt, er habe lediglich die zwei Bäume auf dem eigenen Grundstück auf eigene Faust fällen lassen. Für drei weitere auf dem zugemieteten Land habe er bei der zuständigen Liegenschaftenverwaltung, der Livit, um Bewilligung gefragt. Diese habe er erhalten, da die Bäume krank gewesen seien. Weshalb am Ende alle acht gefällt worden seien, könne er sich selbst nicht erklären. Am Rätseln ist auch die ­Livit, die diese Darstellung bestätigt. Unklar bleibt auch, warum der Grundeigentümer nichts von der Sache wusste. Die Livit betont, sie treffe keine Entscheidungen in Eigenregie.

Wie dem auch sei: Ein Grossteil der Bäume dürfte bald ersetzt werden. Schlierens Bauvorstand Stefano Kunz sagt, dass man sich mit dem Grundeigentümer im Wesentlichen darüber einig sei. Die Livit ergänzt, dass die neuen Bäume «an einer optimaleren Stelle» gepflanzt werden sollen. Autohändler Baleri hat zwar versucht, Tatsachen zu schaffen, indem er die ehemaligen Stand­orte der Platanen mit Schotter überdecken liess. Er sieht aber ein, dass er die Wiederbepflanzung nur auf seinem eigenen Arealteil verhindern kann.


Das Problem vor Baden

Bisher endet die Limmattalbahn auf allen Plänen in Killwangen-Spreitenbach – doch nun konkretisiert sich die Idee, sie bis Baden zu ziehen. Die Aargauer Regierung, die vor einem Jahr eine solche dritte Etappe lancierte, hat eine Linienführung in den Richtplan gezeichnet. Ab heute findet eine öffentliche Anhörung dazu statt.

Ausgeklammert ist der Knackpunkt, die fast hundert­jährige Hochbrücke, die in Baden die Limmat überspannt. Wird die Bahn über diese Brücke geführt, bleibt daneben nur noch Platz für Fussgänger und Velos, nicht aber für Autos. Das kommt laut der Regierung nur infrage, wenn es als Ersatz für den motorisierten Individualverkehr eine neue Verbindung gibt. Die erste Etappe der Limmattalbahn ist seit Ende August in Betrieb, die zweite nach Killwangen soll 2022 folgen. Eine dritte gäbe es nicht vor 2032. (hub)

Erstellt: 18.10.2019, 09:10 Uhr

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