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«Es besteht eine Notsituation»

Die Zürcher Behörden greifen wegen der Trockenheit zu einer aussergewöhnlichen Massnahme: Bauern dürfen Wasser aus Flüssen und Seen pumpen. Der Experte erklärt, was das heisst.

Im Hitzesommer 2006 gab es das auch schon: Ein Bauer am Rhein bewässert das Feld mit Flusswasser. Bild: TA
Im Hitzesommer 2006 gab es das auch schon: Ein Bauer am Rhein bewässert das Feld mit Flusswasser. Bild: TA

Wegen der anhaltenden Trockenperiode haben immer mehr Zürcher Bauern bei den kantonalen Behörden Gesuche für die Bewässerung ihrer Felder gestellt. Deshalb hat das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) den Gemeinden jetzt die Kompetenz übertragen, selbst über Wasserentnahmen aus Gewässern zu entscheiden.

Die Gemeinden dürfen diese aber nur bei bestimmten, leistungsfähigen Gewässer bewilligen. Dazu zählen Zürich-, Greifen- und Pfäffikersee sowie die Flüsse Rhein, Thur, Limmat, Sihl, Reuss und Glatt. Für die übrigen Gewässer bleibt der Kanton zuständig. Christoph Noll, Leiter der Sektion Gewässernutzung beim Awel, erklärt die Massnahme im Interview:

Wann musste diese Massnahme das letzte Mal eingesetzt werden? Das kam schon 2015 vor und 2006, in den beiden Hitzesommern. Als Faustregel gilt, dass solche Trockenperioden alle 10 Jahre vorkommen. Es ist ein ausserordentlicher Fall. Es besteht eine Notsituation für Landwirte und die Baudirektion des Kantons Zürich schafft mit der Freigabe Abhilfe.

Haben die Seen und Flüsse überhaupt noch genug Wasser? Im Moment haben wir immer noch Zuflüsse zu den Seen. Auch kleinere Bäche sind noch nicht versiegt. Es gibt einzelne Stellen an der Töss, wo bereits kein Wasser mehr fliesst. Das sind aber Stellen, die regelmässig trocken fallen. Alle Bäche mit grösserem Einzugsgebiet führen noch Wasser.

Auf der Liste der Gewässer, aus denen man Wasser entnehmen darf, steht auch die Sihl – obwohl dieser Fluss nicht mehr viel Wasser zu transportieren scheint. Die Sihl ist ein Spezialfall. Sie wird mit sogenanntem Dotierwasser vom Sihlsee gespiesen. Es handelt sich um vorgeschriebene Restwassermengen. Die Sihl muss an der Kantonsgrenze 3 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Kanton Zürich fliessen lassen. Dort gibt es eine Messstelle. Das fehlende Wasser muss also vom Etzelwerk abgegeben werden.

Ist das Wasser beschränkt, das die Landwirte aus Seen und Flüssen entnehmen würden? Landwirte, die Wasser abzapfen wollen, müssen bei der Bewilligung angeben, wieviel ihre Pumpe pro Minute leistet. Die Menge wird aber nicht kontrolliert und es bestehen keine zeitlichen Einschränkungen.

Sind diese Bewilligungen befristet? Ja, sobald die Trockenheit nachlässt, wird die Massnahme vom Awel widerrufen.

«Wenn eine Jahrhundert-Trockenheit eintreffen sollte, können wir nicht voraussagen, was passieren wird.»

Wie lange könnte diese Bewässerungsmethode weitergeführt werden, bis kein Wasser mehr vorhanden ist? Wenn eine extreme Jahrhundert-Trockenheit eintreffen sollte, können wir nicht voraussagen, was passieren wird. Wir stützen uns auf die Erfahrungen der letzten 100 Jahre. Wir gehen aber nicht davon aus, dass unsere Gewässer wegen der nun zugelassenen Entnahmen in einen problematischeren Zustand kommen würden.

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