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Linke Parteien profitieren von Zuzügern

Warum GLP und Grüne auf Kosten von SVP und FDP die Zürcher Wahlen gewonnen haben, ist verblüffend einfach zu erklären.

Die Städte sind Hochburgen der Linken: Wahlplakate in Zürich. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Die Städte sind Hochburgen der Linken: Wahlplakate in Zürich. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die GLP hat am vergangenen Sonntag 5,3 Prozent Wähleranteile gewonnen, die Grünen haben 4,7 Prozent vorwärtsgemacht. Woher kamen die zusätzlichen Stimmen? Politanalyst Peter Moser vom Statistischen Amt des Kantons Zürich hat seine Daten befragt und erste Erklärungen gefunden. Die GLP erhielt viele Stimmen von früheren FDP- und BDP-Wählern. «Die Grünliberalen haben dort stark zugelegt, wo die FDP stark verloren hat», stellt er fest. Das war zum Beispiel in den freisinnigen Hochburgen an der Goldküste und am Zürichberg der Fall. Oder auch in Gemeinden wie Uitikon oder Stallikon. Die GLP hat gepunktet, wo einkommensstarke Personen wohnen.

Zwei Effekte für die Grünen

Die Grünen profitierten von zwei Effekten: Einerseits erhielten sie wieder mehr Stimmen von Personen, welche regelmässig zwischen SP und Grünen wechseln. Gemäss Moser funktionieren die Linksparteien wie «kommunizierende Röhren». Ihre enge Beziehung zueinander ist auch in den Panaschierstatistiken zu beobachten. Dass die SP trotzdem kaum verlor, hat denselben Grund wie der zweite Effekt zugunsten der Grünen: In jenen Gebieten, in denen die Linke stark ist, stieg die Wahlbeteiligung überdurchschnittlich. Das war in fast allen Stadtzürcher Kreisen der Fall ausser den eher bürgerlichen Kreisen 9, 11 und 12.

Gleichzeitig wuchs die Zürcher Bevölkerung. In die Stadt zogen viele gut ausgebildete Schweizerinnen und Schweizer, welche politisch links stehen und gerne wählen gehen. Ähnliches lässt sich für Winterthur sagen. Kurz: Die Linke profitierte von der starken Nettozuwanderung in die Zentren.

SVP-Erklärung ist falsch

Dieses Phänomen erklärt auch den 5,6-Prozent-Verlust der SVP. «Wenn eine Gruppe grösser wird und andere Parteien wählt als die SVP, bleibt für diese weniger übrig», rechnet Peter Moser vor. Die Lieblingserklärung der mangelnden Mobilisierung, die mancher SVP-Exponent anführt, relativiert er. Das lasse sich nicht mit Daten belegen. Denn dort, wo die SVP am meisten verlor, war die Wahlbeteiligung nicht systematisch geringer als 2015.

Zudem hat die SVP am stärksten in der Agglomeration verloren, etwa im Limmattal und in Zürich-Nord. Dort ist Analoges festzustellen wie in den Grossstädten: Es ziehen gut ausgebildete, eher links denkende Personen zu – vielleicht auch, weil sie sich keine Wohnung im Zürcher Kreis 6 leisten können. Sie lassen sich in den neuen Siedlungen im Opfiker Glattpark oder im Dietiker Limmatfeld nieder. Just dort hat die SVP grosse Wählerverluste erlitten. «Die Agglo wird urbaner, das nützt den Grünliberalen und Grünen und schadet der SVP», kommentiert Moser.

Er hat die Daten der Regierungsratswahlen noch nicht analysiert. So viel lässt sich aber sagen: Die Zunahme der absoluten Anzahl Menschen, die links denken und tatsächlich wählen gehen, nützte wohl dem Grünen Martin Neukom, der überraschend gewählt wurde, sowie SP-Magistratin Jacqueline Fehr, welche Platz 2 hinter SP-Gipfelstürmer Mario Fehr eroberte.

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