«Ja, es wurde die Hälfte der letztjährigen Fragen gestellt»

An der Uni Zürich kam es zu einer Prüfungspanne. Das Dekanat nimmt Stellung – und verrät Erstaunliches.

Die Universität Zürich prüft rechtliche Schritte gegen die fehlbare Person.

Die Universität Zürich prüft rechtliche Schritte gegen die fehlbare Person. Bild: Urs Jaudas

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Knapp 900 Studierende haben am Donnerstag an der Universität Zürich die BWL-II-Prüfung absolviert. Dabei dürften die Aufgaben, die zu lösen waren, nicht wenigen Prüflingen bekannt vorgekommen sein – all jenen, die auf der Plattform «Uniboard» verkehren. Dort hatte jemand verbotenerweise die letztjährige BWL-II-Prüfung online gestellt – und diese war der diesjährigen sehr ähnlich.

Heute Freitagmorgen hat das Dekanat der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät die Studierenden darüber informiert, dass es bei der BWL-II-Prüfung zu Unregelmässigkeiten gekommen ist. Monika Egli, die Co-Geschäftsführerin des Dekanats, nimmt Stellung.

Sie haben sich inzwischen eine Übersicht über den Fall verschafft. Was genau ist vorgefallen?
Wir haben festgestellt, dass die letztjährige Prüfung BWL II vor zwei Wochen auf die Plattform «Uniboard» gestellt worden ist. Das ist ein Verstoss gegen die Regeln. Gestern wurden wir darüber informiert, dass es zu diesem Vorfall gekommen ist.

«Wir wissen nicht, wie die Prüfung entwendet wurde und wer das getan hat.»Monika Egli, Uni Zürich

Wie lauten die Regeln?
Die Studierenden, welche die Prüfung absolvieren, bekommen ein Instruktionsblatt, ein Blatt mit den Fragen und ein Blatt für die Lösungen. Es wird allen Teilnehmenden klar kommuniziert, dass diese Blätter den Raum nicht verlassen dürfen und nach der Prüfung abgegeben werden müssen. Wir kontrollieren, ob die Blätter abgegeben werden.

Trotzdem gelang es offenbar einem Studenten, die Prüfungsunterlagen herauszuschmuggeln. Wie ging das?
Wir wissen nicht, wie die Prüfung entwendet wurde und wer das getan hat. Wir werden dem nachgehen.

Dass die letztjährige Prüfung publik wurde, ist ja nur deshalb ein Problem, weil die diesjährige Prüfung und die letztjährige praktisch identisch waren.
Sie waren nicht praktisch identisch. Es trifft zu, dass die Hälfte der letztjährigen Fragen auch in diesem Jahr gestellt wurden. Die andere Hälfte war neu oder zumindest anders gestellt.

«Es ist üblich in der Akademie, dass sich die Prüfungen ähnlich sind.»Monika Egli, Uni Zürich

Ist das nicht arg billig, wenn die Prüfungen der verschiedenen Jahrgänge so ähnlich sind?
Nein, es ist üblich in der Akademie, dass sich die Prüfungen ähnlich sind. Überschneidungen sorgen dafür, dass wir das Anforderungsniveau über die Jahre stabil halten können.

Was unternehmen Sie nun?
Das entscheiden wir, sobald wir die Faktenlage analysiert haben. Wir prüfen rechtliche Schritte gegen die Person, welche die Prüfungsblätter entwendet und online gestellt hat.

Ist die Uniboard-Plattform eine offizielle Plattform der Universität?
Nein, das ist eine privat betriebene Plattform. Deshalb wäre es im Rahmen eines juristischen Verfahrens zu klären, ob wir die Daten erhalten würden, welche dann allenfalls Rückschlüsse auf die Person erlauben, welche die Prüfungen online gestellt hat.

Erstellt: 01.06.2018, 14:16 Uhr

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Monika Egli

Co-Geschäftsführerin Dekanat

Monika Egli ist Co-Geschäftsführerin des Dekanats der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich.

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