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«Leute, die am ersten Tag alles besser wissen, sind mir suspekt»

SP-Nationalrätin Min Li Marti landet im Parlamentarier-Rating weit hinten. Wie sie sich das erklärt.

Mit Min Li Marti sprach Marisa Eggli
«Ich verzichte darauf, Mandate und Posten zu sammeln»: SP-Nationalrätin Min Li Marti. Foto: Dominique Meienberg
«Ich verzichte darauf, Mandate und Posten zu sammeln»: SP-Nationalrätin Min Li Marti. Foto: Dominique Meienberg

Ihr Mann, der grüne Nationalrat Balthasar Glättli, steht im Parlamentarier-Rating der «SonntagsZeitung» weit oben. Sie stehen weit unten. Gab es Streit?

Nein, wir haben hier keine Rivalität. Es ist klar, dass er als Fraktionschef weit oben und ich als Neuling weit unten platziert bin.

Sie sind eine bekannte Stadtzürcher Politikerin. Trotzdem sind Sie weit hinten platziert. Warum?

Das hat in erster Linie damit zu tun, dass ich in einer Kommission bin, die im Moment wenig Ratsgeschäfte hat und auch inhaltlich nicht so kontrovers ist. Themen wie Fortpflanzungsmedizin, digitale Bildung oder Innovationsförderung eignen sich nicht für mediale Schlagabtausche. Zudem bin ich neu. Meine Vorstösse wurden noch nicht behandelt im Rat. Und ich bin Mitglied einer grossen Fraktion – da hat man weniger Auftritte und weniger Redezeit als jemand aus einer kleinen Fraktion. Schliesslich verzichte ich als Milizpolitikerin darauf, Mandate und Posten zu sammeln.

Es heisst, in den grossen Fraktionen müssten neue Parlamentarier erst mal hintenanstehen.

Das liegt in der Natur der Sache: Grosse Fraktionen haben weniger zu verteilen und mehr profilierte Mitglieder, daher kommt man halt nicht sofort in die Wunschkommission. Ich finde das nicht schlecht: Leute, die am ersten Tag schon alles besser wissen, sind mir suspekt.

Macht es die SP ihren neuen Nationalräten zu schwierig?

Das glaube ich nicht. Beziehungsweise: Es ist nicht anders möglich. In grossen Fraktionen dauert es länger, bis man Einfluss hat, dafür hat man dann einen grösseren realen Einfluss.

«Der Einfluss korreliert nicht immer mit der medialen Präsenz.»

Wie werden Sie in der Fraktion der SP unterstützt?

Die Neuen wurden herzlich aufgenommen. Ich brauche auch keinen besonderen Stützunterricht. Andere Medien haben mich als eine der vielversprechendsten neuen Parlamentarierinnen taxiert. Manchmal gewinnt man bei diesen Geschichten, manchmal verliert man.

Wie erkennt man mächtige Parlamentarier?

Das ist verschieden. Manche präsidieren einen grossen und wichtigen Verband, andere haben Partei- oder Fraktions­ämter. Der Einfluss korreliert jedenfalls nicht immer mit der medialen Präsenz.

Waren Sie schon einmal frustriert, weil Sie mit einem Anliegen nicht durchgekommen sind?

Niemand gewinnt immer. Ich fand es enttäuschend, dass der Bundesrat mein Postulat zu Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz nicht entgegengenommen hat. Das ist ein riesiges Thema, das man jetzt angehen sollte. Ich hoffe, der Rat hat mehr Weitsicht.

Ihr bisher grösster Erfolg im Rat?

Ich war gleich mit meinem ersten Geschäft Kommissionssprecherin. Das ist eher ungewöhnlich. Mein Mann musste fünf Jahre darauf warten.

Brauchten Sie im Gemeinderat ähnlich lange, bis Sie Fuss fassten?

Ich bin überzeugt, dass ich bereits gut Fuss gefasst habe – ich war aber immer der Meinung, dass man als Parlamentarierin erst in der zweiten Legislatur echt erfolgreich ist: Da kennt man den Laden und die Geschäfte. Ich lese diese Ratings durchaus gerne, aber das Genre ist eher Unterhaltung als Politik. Für mich selbst kann es nun nur noch besser werden.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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