Zürcher Ständeratsrennen: Vieles spricht für die alten Männer

Die Klima- und Frauenwahl schlägt im Zürcher Ständeratswahlkampf nicht durch: Jositsch glänzt und Noser hat beste Chancen.

Mit einem Glanzresultat gewählt: SP-Ständerat Daniel Jositsch. <nobr>Foto: Michele Limina</nobr>

Mit einem Glanzresultat gewählt: SP-Ständerat Daniel Jositsch. Foto: Michele Limina

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Der eine der beiden «Stones» rollt durch. Die Zürcherinnen und Zürcher haben Daniel Jositsch (SP) im ersten Wahlgang wieder zum Ständerat gewählt, mit über 216'000 Stimmen. Jositsch übertrift damit in absoluten Zahlen das Rekordergebnis von LdU-Politikerin Monika Weber, die 1991 exakt 195'688 Stimmen geholt hatte.

Ruedi Noser (FDP), die zweite Hälfte des selbstbetitelten «Rolling Stones»-Ständerat-Duos, muss in den zweiten Wahlgang.

Wie das kam? Es ist selten, dass in der Schweiz eine politische Figur eine derart breite Anziehungskraft entwickelt wie der Rechtsprofessor aus Stäfa. Bürgerliche Law-And-Order-Freunde sehen den bissigen Strafrechtler. Linke und Grüne sehen das SP-Parteibuch. Das Bildungsmilieu sieht den Professor, den Schulpfleger, den KV-Schweiz-Präsidenten. Und alle sehen einen Chrampfer: Kein Jositsch-Porträt kommt ohne Hinweis aus, dass der 54-Jährige ein geradezu unrealistisches Arbeitspensum abspule. Fazit in der Bevölkerung: Der «büezt» für uns.

Köppels Wahlkampf zündete nicht

Eine derartigen Sog hat der 58-jährige Noser nie erzielen können, obwohl auch er zum Schweizer Polit-Inventar gehört. Mit rund 141'000 Stimmen befindet der FDP-Mann sich aber in einer guten Position, um im zweiten Wahlgang am 17. November nachzuziehen.

Daniel Jositsch (SP): «Die Wähler haben meine kompromissfähige Politik honoriert». Video: Tamedia

Roger Köppels Ich-gegen-alle-Wahlkampf-Tournee dagegen zündete nicht. Das Resultat des SVP-Nationalrats, rund 107'000 Stimmen, ist in absoluten Zahlen deutlich schlechter als jenes von Hans-Ueli Vogt vor vier Jahren. Mehr noch: Die Grüne Marionna Schlatter kommt ihm mit über 95'000 ziemlich nahe.

Schlatter ist ohnehin die erste ständerätliche Überraschung des Wahlgangs. Knapp 15'000 Stimmen Vorsprung holt sie auf Tiana Angelina Moser heraus, die national weitaus bekanntere Fraktionschefin der Grünliberalen. Dass Moser sich nicht stärker von der «Klimawahl» und dem Sieg ihrer Partei mitziehen lassen konnte, ist die zweite Überraschung.

Die Frage ist nun, welche Schlüsse Moser und Schlatter aus ihren Resultaten ziehen. Die Grünliberale wird sich tendenziell zurückziehen, und sei es nur um Schlatter zusätzlichen Schub zu verleihen. Schlatter ihrerseits wird es mit ihrem pointiert linken Profil schwer haben, Stimmen in der Mitte zu holen. (Zu den Szenarien für den zweiten Wahlkampf.)

Kommt dazu, dass Marionna Schlatter ein Anti-Köppel-Effekt schaden könnte. Wer sich unter linken Wählern umhört, erhält heute oft die Erklärung: «Ich wollte Köppel verhindern – und schrieb Jositsch/Noser auf den Wahlzettel.» Diese Überlegung dürfte sich in vier Wochen wiederholen, weil Köppel mit grosser Wahrscheinlichkeit nochmals antritt. Also werden sich manche linke Wählerinnen und Wähler überlegen, wer der stärkste Gegner, die stärkste Gegnerin von Roger Köppel ist. Und dann «Ruedi Noser» auf den Wahlzettel schreiben.

Was die Chancen erhöht, dass die «Rolling Stones» am 17. November 2019 wieder komplett sind.

Alle Resultate und Reaktionen zum ersten Wahlgang finden Sie im Live-Ticker.

Erstellt: 20.10.2019, 16:25 Uhr

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