Zum Hauptinhalt springen

«Es wird Zeit für eine Autopartei!»

Seit die Zürcher Stimmbürger gestern die Förderung des ÖV, Fuss- und Veloverkehrs beschlossen haben, sagen autofreundliche Leser der Stadt den Kampf an. Doch die Befürworter der Initiative halten dagegen.

«Niemand muss unbedingt nach Zürich»: Nach der Abstimmung von gestern Sonntag drohen autofreundliche Leser mit einem Boykott der Stadt.
«Niemand muss unbedingt nach Zürich»: Nach der Abstimmung von gestern Sonntag drohen autofreundliche Leser mit einem Boykott der Stadt.
Keystone

Heute, so scheint es, ist der Graben zwischen Autofahrern und dem Rest der Stadtbevölkerung tiefer als je zuvor. Nach der Annahme der Städteinitiative gestern Sonntag zeigt sich dies in den Kommentarspalten der Berichterstattung zur Abstimmung. Anders als an der Urne sind dort die Kritiker allerdings leicht in der Überzahl.

«Ich werde nicht mehr nach Zürich gehen»

«Ich schäme mich, ein Zürcher zu sein», schreibt Christian Schatz, der den Entscheid offenbar als moralisch verwerflich erachtet. Martin Karrer sieht darin einen «Ausdruck höchster Arroganz». «Auch Ampeln, die Bus und Trams bevorzugen, diskriminieren die Autofahrer», findet er. Hans Huber sagt seinerseits Zürich nun den Kampf an: «Wieder ein Grund mehr, die Stadt Zürich zu verlassen! Der Autofahrer ist nur gut zum Zahlen!» Sein Fazit: «Es wird wieder Zeit für eine Autopartei!»

Mehrere Autofahrer sagen, dass sie nicht auf das Auto verzichten wollen, weil der ÖV nicht genügend ausgebaut sei: «Für eine zufällige Strecke quer durch die Stadt braucht man mit dem ÖV 45 Minuten, mit dem Auto bei wenig Verkehr 15 Minuten», sagt Hans Etter. Er fordert deshalb, «endlich die nötigen Kapazitäten auf der Strasse zu schaffen».

Auch Marc Raggenbass will die Stadt künftig meiden: «Niemand muss unbedingt nach Zürich. (…) Die Agglomeration wird boomen. Wer abends ausgehen will, findet sicher bald eine neue Ausgehmeile ausserhalb der Stadt.» Ähnlicher Meinung ist Andreas Müller: «Ich für meinen Teil werde nicht mehr nach Zürich gehen.» Was er in der Agglomeration nicht bekomme, werde er künftig im Internet bestellen.

Viele Stadtbewohner haben die Nase voll

Bei den Befürworter kommen diese Voten gut an: «Wir in den Zürchern Wohngebieten sind sehr dankbar, wenn Sie im Internet einkaufen und unsere Wohnstrassen nicht als Schleichwege benutzen!», meint Wilhelm Occam. Und Patrick Meier bedient sich denselben Argumenten wie die Autofraktion, nur eben aus Sicht des Velofahrers: «Es gibt zahlungskräftige Konsumenten, die würden liebend gern mal in der Zürcher Innenstadt was kaufen gehen, wenn man sicher mit dem Fahrrad dahin kommen könnte.»

Auch Oliver Liechti findet, dass «viele Stadtbewohner langsam aber sicher die Nase voll haben von Verkehrslärm, Gestank und Blechlawinen.» Die Emissionen des motorisierten Verkehrs figurierten seit Jahren ganz oben auf dem Sorgenbarometer der Stadtbevölkerung. Hans Escher ruft schliesslich in Erinnerung, dass die Initiative sich nicht nur um Pendler, Geschäfte und Arbeitsplätze drehe. «Der Freizeitverkehr macht bereits 50 bis 60 Prozent des Gesamtverkehraufkommens aus. Dies gilt sowohl in der Stadt als auch ausserhalb der City. Auch da wird das Verkehrsaufkommen zusehends zum Problem.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch