ETH muss Kritikerin Anwaltskosten bezahlen

Die Professorin Ursula Keller, die die Zustände an der ETH scharf kritisierte, hat mit der Hochschule vor Gericht um Anwaltskosten gestritten – mit Erfolg.

Ursula Keller an der ETH Hönggerberg.

Ursula Keller an der ETH Hönggerberg. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Die Entlassung der Astronomie-Professorin Marcella Carollo sorgte für Schlagzeilen. Die ETH warf ihr schwerwiegendes und pflichtwidriges Fehlverhalten bei der Betreuung von Doktorandinnen und Doktoranden vor. Um die Vorgänge im ehemaligen Institut für Astronomie zu klären, leitete die ETH eine Administrativ-Untersuchung ein. An dieser Untersuchung nahm auch Carollos Kollegin, die Physikprofessorin Ursula Keller teil, die im Zusammenhang mit dem Fall Carollo die Zustände an der ETH in einem Interview scharf kritisierte.

Keller nahm allerdings an dieser Untersuchung teil, ohne dazu explizit aufgefordert worden zu sein. Sie habe mit ihren Aussagen den Blickwinkel erweitern und darauf aufmerksam machen wollen, dass es an der ETH strukturelle Probleme gebe, begründete sie ihre freiwillige Teilnahme. Um rechtlich abgesichert zu sein, nahm sich Keller in dieser Zeit einen Anwalt.

«Keine Whistleblowerin»

Die Kosten dafür, rund 9300 Franken, stellte Keller daraufhin der ETH in Rechnung. Doch die weigerte sich, die Rechnung vollständig zu bezahlen. Statt 9300 Franken wollte sie nur 2000 Franken übernehmen. Schliesslich sei Keller nicht zur Teilnahme aufgefordert worden, sondern habe freiwillig an der Untersuchung teilgenommen. Keller ist nach Ansicht der ETH zudem «keine Whistleblowerin, sondern hat ihre Vorwürfe in den Medien ausgebreitet». Keller rekurrierte bei der ETH-Beschwerdekommission, erhielt dort aber ebenfalls eine Absage.

Daraufhin zog Keller vor das Bundesverwaltungsgericht. Aus dem am Donnerstag publizierten Urteil geht hervor, dass Keller nun doch mehr als 2000 Franken erhält. Allerdings nicht wie von ihr gefordert 9300 Franken sondern nur 3500 Franken - aber immerhin gleich viel wie die Befragten, die zu einer Aussage aufgefordert worden waren.

Für das Bundesverwaltungsgericht spielt es keine Rolle, ob Keller zu einer Befragung aufgeboten wurde oder nicht. Sie habe einen wesentlichen Teil zur Wahrheitsfindung beigetragen. Die Ungleichbehandlung lasse sich nicht rechtfertigen. Dass Kellers Hinweise im Bericht dann keine Beachtung fanden, ändert daran nichts, wie das Bundesverwaltungsgericht weiter schreibt. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Beide Seiten können ihn noch ans Bundesgericht weiterziehen.


In einer früheren Version dieses Artikel stand fälschlicherweise, dass es bei der fraglichen Untersuchung um die Vorwürfe ging, welche Keller im erwähnten Interview erhoben hatte.

(SDA)

Erstellt: 19.12.2019, 17:49 Uhr

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