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Evitas Engel

Bei den neuen Aufführungen des Musicals «Evita» stehen drei Mädchen aus dem Kanton Zürich auf der Bühne.

Die Zürcherinnen Sonila Arifi, Paulina Calizaya und Ecrin Celebi spielen im Musical «Evita» mit.

Die neunjährige Sonila aus Wettswil steht am Bühnenrand. Ihre Stimme zieht etwas zittrig über die roten Sessel des Theaters 11: «Bitte, sanfte Eva, wirst du ein kleines Kind segnen?»

Sonila ist eines von drei Mädchen aus dem Kanton Zürich, die sich in einem Casting für eine Rolle im Musical «Evita» durchsetzen konnten. Die einzige Kinderrolle im Stück wird in jeder Stadt neu und jeweils mehrfach besetzt: Denn Kinder dürfen aus arbeitsrechtlichen Gründen nur acht Sunden in der Woche arbeiten. Somit wird jedes der drei Mädchen die Rolle des «Engels Evita» an zwei Vorstellungen übernehmen.

Es ist Dienstag, Tag der Zürcher Premiere und Tag der ersten und einzigen Probe vor dem grossen Auftritt: hinsetzen, wieder aufstehen. Ein Knicks, Schulter nach hinten, eine elegante Handbewegung. Bei der Stellprobe üben die drei ihren Durchgang noch ohne Musik und Kostüm. Die Anweisungen erhalten sie auf Englisch. Kein Problem für die Girls: «Ich hatte letztes Jahr einen Sechser», gibt Ecrin stolz zu Protokoll.

Von der Bühne gehts zu der Kostümprobe. Im Backstage-Labyrinth laufen sie vorbei an wirbelnden Waschmaschinen, dampfenden Bügeleisen, einem Raum mit Kabel und der Einzelkabine der Hauptdarstellerin: «Hier sitzt Evita», sagt Paulina ehrfürchtig zu Ecrin.

Leidenschaft in jeder Note

Die stickige Luft drängt im Schwall aus dem Anproberaum heraus: Zwölf Mädchen und Knaben – alles Statisten – schwirren herum. Ein Wolljäckchen hier, eine Leinenhose da. Wie Argentinier der 1950er sollen sie aussehen. Eine halbe Stunde später erhalten auch die drei Engel ihre Blumenröcklein. Auch die schwarzen Ballerinas dürfen nicht fehlen. Diese sollen nicht zu schön sein, denn der «Engel Evita» komme wie einst auch Eva «Evita» Perón aus einfachen Verhältnissen. Sonila lässt ihr weisses Kleidchen im Kreis drehen. «Nun dürft ihr zu unserer Perücken-Frau», erhalten die drei die Anweisung.

Im Frisierraum vermischt sich der Duft von Haarspray mit jenem von Waschmitteln. Durch einen Lautsprecher hört man eine Frauenstimme rufen: «Alle Statisten auf die Bühne!» Ecrin sitzt ruhig auf dem Frisierstuhl, als Coiffeuse Martine mit dem feinen Kamm durch die dicken Haare fährt. «Ich bin sehr nervös», sagt Ecrin, «alle meine Freundinnen kommen heute zur Show.» Auch Paulina erhält zwei Zöpfchen. Ihre Ohrringe muss sie mit einem fleischfarbigen Klebeband abkleben. Auch ihre Hand wird inspiziert: «Zeig deine Nägel», sagt die Coiffeuse, «der Lack muss weg.»

Zurück im Theatersaal, beginnt die Hauptprobe. An den Kleidchen werden die Mikrofonkästchen montiert. Die Gespräche der Mädchen verstummen. Sitzt der Text? Gelingt die Rhythmik? Und wie ist es, auf solch einer grossen Bühne zu stehen?

Sonila ist die Erste. Das Orchester spielt leise. Alle Augen sind auf sie gerichtet. Dann erklingt ihre Stimme fein und rein – sie besingt den Tod von Eva Perón.

Nach der Hauptprobe sind die drei aufgekratzt. Sind sie jetzt nervös? «Nein. Wenn ich nicht weiterweiss, hilft mir die Frau neben der Bühne», sagt Ecrin.

«Evita», noch bis Sonntag, 30. April, im Theater 11. Englisch, ab 6 Jahren.Tickets unter: www.musical.ch/evita

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