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Fall Carlos: Teure Rundumbetreuung ohne Bewilligung

Der jugendliche Straftäter Carlos wurde bereits mit 11 Jahren zum ersten Mal verhaftet. Die Organisation, die den heute 18-Jährigen für 29'000 Franken betreute, tat dies ohne die nötige Lizenz.

Carlos (vorne), ein 18-jähriger Gewaltstraftäter seit früher Jugend, wird mit Sondermassnahmen unterstützt, die ihn resozialisieren sollen. Darunter fallen eine 4,5-Zimmer-Wohnung und eine Rundumbetreuung durch Sozialarbeiter.
Carlos (vorne), ein 18-jähriger Gewaltstraftäter seit früher Jugend, wird mit Sondermassnahmen unterstützt, die ihn resozialisieren sollen. Darunter fallen eine 4,5-Zimmer-Wohnung und eine Rundumbetreuung durch Sozialarbeiter.
Screenshot SRF
Wurde bereits als 11-Jähriger verhaftet: Carlos (r.) mit seinem Thaibox-Trainer.
Wurde bereits als 11-Jähriger verhaftet: Carlos (r.) mit seinem Thaibox-Trainer.
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Wegen der Entrüstung der Bevölkerung wird der Fall Carlos nun auch Sache der Politik. Regierungsrat Martin Graf (Grüne, Bild) hat einen internen Bericht angefordert und will sich Anfang September zum Fall äussern.
Wegen der Entrüstung der Bevölkerung wird der Fall Carlos nun auch Sache der Politik. Regierungsrat Martin Graf (Grüne, Bild) hat einen internen Bericht angefordert und will sich Anfang September zum Fall äussern.
Nicola Pitaro
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Der jugendliche Straftäter Carlos, der seit Freitag gemäss Angaben der Oberjugendanwaltschaft Zürich «zu seinem eigenen Schutz» in einer geschlossenen Anstalt untergebracht ist, wurde bereits als 10-Jähriger wegen «massiver Verhaltensauffälligkeiten» in die Psychiatrie eingewiesen. Dies schreibt die Pendlerzeitung «20 Minuten» in ihrer Ausgabe von heute Mittwoch und bezieht sich dabei auf ein Bundesgerichtsurteil vom September 2011.

Demzufolge sei Carlos als 11-Jähriger wegen Straftaten erstmals polizeilich verhaftet und danach in verschiedenen Institutionen und Pflegeheimen untergebracht worden. Die Platzierungen mussten jedoch immer wieder abgebrochen werden, weil er «unkooperatives und aggressives Verhalten gegenüber Personal und Material» an den Tag legte. Es sei immer schwieriger geworden, Institutionen zu finden, die Carlos aufnehmen wollten.

Bundesgericht hiess Beschwerde des Vaters teilweise gut

Mit 14 sei er wegen Angriffs, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt worden. Mit 15 wurde er wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte vorübergehend inhaftiert. Wenige Monate später – im Juni 2011 – stach er den heute 20-jährigen A. Y. auf dem Schwamendingerplatz in Zürich nieder.

Im Urteil zum Vorfall in Schwamendingen heisst das Bundesgericht die Beschwerde von Carlos' Vater teilweise gut. Dieser wehrte sich damals dagegen, dass sein Sohn wegen der Attacke gegen A. Y. für eine unbefristete Zeit ins Jugendgefängnis soll. Die Zürcher Jugendanwaltschaft musste daher die Verlegung aus dem Jugendgefängnis in eine «geeignete erzieherisch-therapeutische Massnahmeneinrichtung» prüfen.

Riesen Oggenfuss arbeitete ohne Lizenz

Eine solche wurde im Wohnprojekt Riesen Oggenfuss GmbH gefunden. Die Resozialisierungsorganisation hatte Carlos im Auftrag der Jugendanwaltschaft in einer Wohnung in Reinach BL untergebracht. Die Betreuung kostete monatlich 29'000 Franken. Gemäss einem Bericht im «Blick» hatte die Firma jedoch weder eine Heimbewilligung noch eine Bewilligung als Vermittlungsorganisation, die für Unterbringungen von Jugendlichen notwendig wäre.

Wie André Woodtli, Amtschef der Bildungsdirektion Zürich, gegenüber der Zeitung festhielt, habe die Institution zwar 2013 ein Bewilligungsgesuch als Vermittlungsorganisation gestellt. «Sie konnte bisher aber nicht alle geforderten Unterlagen liefern.» Nach geltendem Gesetz sei es Riesen Oggenfuss daher nicht erlaubt, Jugendliche zu vermitteln. Hinzu komme, dass man bei der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde der Gemeinde Reinach eine Pflegeplatzbewilligung hätte einholen müssen. Auch das sei gemäss «Blick» nicht erfolgt.

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