Fall Flaach: 2200 Franken im Monat mit Betrügereien

Das Bezirksgericht Weinfelden hat den Vater der getöteten Kinder zu 42 Monaten Haft verurteilt. Die Anklageschrift umfasst insgesamt 80 Betrugstatbestände.

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Die Anklageschrift gegen den heute 30-jährigen Mike K. umfasst 53 Seiten, fein säuberlich sind alle Straftaten auf­gelistet, vor allem Internetbetrügereien. Im Zeitraum von nur gerade 17 Monaten hat Mike K. 80 Betrugstatbestände verübt. Allein die erwirtschafteten Bargeldeinkünfte betragen 120'000 Franken, die totale Deliktsumme wird auf eine Viertelmillion Franken beziffert. Die Richterin des Bezirksgerichts Weinfelden sprach dann in der Urteilsbegründung auch von einer hohen kriminellen Energie, die Mike K. in eine Abwärts­spirale führte.

Die Betrugsserie begann Mitte Juni 2013 und endete mit der Verhaftung von Mike K. durch die Zürcher Kantonspolizei an seinem letzten Wohnort in Flaach im Zürcher Unterland im November 2014. Er habe aus finanziellen Gründen zuerst persönliche Gegenstände über Internetplattformen verkauft. Weil sich jeweils mehrere Interessenten meldeten, begann er, die Gegenstände mehrmals zu verkaufen, verlangte er doch ­Vorauszahlung.

Bald waren es aber nicht mehr persönliche Gegenstände, sondern Mike K. pries im Internet Handys und Laptops an, obwohl er die Geräte gar nicht hatte. Zudem schaltete er Fotos der Gegenstände und Gebrauchsanweisungen. Potenziellen Kunden gab er grosszügig Auskunft und liess ihnen auch Kopien seiner Identität zukommen. Diese mussten den Kaufpreis jeweils per Vorauskasse auf ein von ihm angegebenes Konto bezahlen. Allein mit dieser Art von Kriminalität erwirtschaftete er laut Anklageschrift im erwähnten Zeitraum ein durchschnittliches Monatseinkommen von 2200 Franken.

Gratisferien mit der Familie

Daneben schloss der Beschuldigte mit Autohändlern Kaufverträge ab, welche ihm die Wagen herausgaben, weil er die entsprechenden Zahlungsaufträge für E Banking jeweils mit einem speziellen Computerprogramm fälschte. Die Wagen verkaufte er dann weiter. Daneben entfernte Mike K. mithilfe des Computers die Einträge in seinem Betreibungsregisterauszug, um an Mietwohnungen und in einem Fall auch an ein Einfamilienhaus zu gelangen.

Unter der Vielzahl von Delikten sind in der Anklageschrift auch zwei Zechprellereien aufgelistet. So übernachtete die Familie im Sommer 2014 in der Suite eines Luxushotels in Bad Zurzach, ohne zu bezahlen, und machte kurz darauf eine Woche Gratisferien in einem anderen Hotel in der Lenzerheide.

Aus der Anklageschrift wird deutlich, dass Mike K. die meisten Delikte zusammen mit seiner damaligen Frau verübte, wurden doch die Zahlungen in vielen Fällen auf ihr Konto überwiesen.

Der Prozess wurde im abgekürzten Verfahren durchgeführt. Das Gericht folgte dem Urteilsvorschlag, welchen der Staatsanwalt dem Verteidiger unterbreitet hatte und der von Mike K. akzeptiert wurde. Es verurteilte den geständigen Beschuldigten zu einer Strafe von 42 Monaten. Da er bereits seit knapp zwei Jahren im Gefängnis sitzt, muss er nur noch wenige Monate in Haft bleiben.

Erstellt: 14.09.2016, 00:19 Uhr

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