Fall Sarasin: Freundin nicht bevorzugt

Experten widersprechen den «Weltwoche»-Vorwürfen gegen Geschichtsprofessor Philipp Sarasin. Bei der Berufung seiner heutigen Partnerin gab es trotzdem Ungereimtheiten.

Geschichtsprofessor Philipp Sarasin habe bei der Berufung von Svenja Goltermann korrekt gehandelt, so das Fazit eines Expertenberichts.

Geschichtsprofessor Philipp Sarasin habe bei der Berufung von Svenja Goltermann korrekt gehandelt, so das Fazit eines Expertenberichts. Bild: Sophie Stieger

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Kaum eine Neubesetzung eines Lehrstuhls an der Universität Zürich hat so viel zu reden gegeben wie diejenige für Geschichte der Neuzeit. Dabei geriet insbesondere Geschichtsprofessor Philipp Sarasin in die Schlagzeilen. Die «Weltwoche» warf ihm im letzten Herbst wiederholt vor, eine Liebesbeziehung mit Svenja Goltermann, der neuen Professorin am Lehrstuhl, verschwiegen und sie auf den ersten Listenplatz gesetzt zu haben. Nun wird Sarasin in einem Expertenbericht entlastet.

Die Überprüfung aller relevanten Berufungsunterlagen und die Befragung aller Mitglieder der Berufungskommission haben keine Hinweise auf ein allfälliges Fehlverhalten gegeben, schreibt die Universität in einer Mitteilung. «In Bezug auf Prof. Sarasin haben unsere Abklärungen keine Verletzung der Ausstandsvorschriften und kein sonstiges Fehlverhalten an den Tag gebracht», so das Fazit der Experten. Das Berufungsverfahren zur Besetzung des Lehrstuhls für Geschichte der Neuzeit sei deshalb «weitgehend korrekt» verlaufen.

Keine Hinweise auf Liebesbeziehung

Die Experten haben bei ihrer Untersuchung keine Hinweise dafür gefunden, dass es zwischen Sarasin und Goltermann vor oder während des Berufungsverfahrens eine Liebesbeziehung gab. Auch habe Sarasins Verhalten während der Kommissionsarbeiten «keineswegs vermuten lassen, er sei voreingenommen gewesen und habe sich von Anfang an für eine bestimmte Bewerbung eingesetzt oder hinter den Kulissen dafür die Fäden gezogen». Er habe die Kommission aber sehr wohl darüber informiert, dass er Goltermann vor Jahren an einem Kongress kennen gelernt habe und neben anderen Personen im Vorwort ihrer Dissertation dankend erwähnt worden war. Diese Bekanntschaft sei gemäss Experten richtigerweise nicht als eine persönliche Beziehung bewertet worden, heisst es in der Mitteilung. Deshalb habe Sarasin auch die Ausstandsregel nicht verletzt.

Goltermann hat ihre Zürcher Professur 2012 angetreten. Sie und Sarasin sind seit Sommer 2013 ein Paar. Die «Weltwoche» behauptet, das Verhältnis habe schon früher begonnen.

Zur Erstplatzierung im Berufungsverfahren hat Svenja Goltermanns Qualität beigetragen. Da seien alle Befragten sowie alle externen Gutachter einhellig der Ansicht gewesen.

Neue Ausstandsregeln

Ungereimtheiten gab es hingegen bei anderen Kommissionsmitgliedern, so die Experten. Eines soll nicht in den Ausstand getreten sein, als es um einen Bewerber ging, der früher unter dessen Leitung am Historischen Seminar angestellt war. Zudem arbeitete ein externes Mitglied fälschlicherweise in der Berufungskommission mit. Diesen Verfahrensfehler hat die Universität erkannt. 2016 sollen die Ausstandsregeln für alle Fakultäten angepasst werden, schreibt die Universität.

Für den von der Universität in Auftrag gegebenen Bericht zeichnen zwei Experten verantwortlich. Ursula Cassani Bossy ist Professorin für Strafrecht an der Universität Genf und Richterin an der Cour d'appel du pouvoir judiciaire des Kantons Genf. Eric Hilgendorf ist Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik an der Julius-Maximilians-Universität im deutschen Würzburg.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.08.2015, 10:35 Uhr

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