Heimlich das Kondom entfernen ist nicht strafbar

Ein Zürcher Student, der seine Sexpartnerin hintergangen hat, ist auch in zweiter Instanz freigesprochen worden.

Hier wird der Fall neu beurteilt: Zugang zum Zürcher Obergericht: Bild: Urs Jaudas

Hier wird der Fall neu beurteilt: Zugang zum Zürcher Obergericht: Bild: Urs Jaudas

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Das Zürcher Obergericht hat sich heute Donnerstag erstmals mit einem Phänomen befassen müssen, für das es bei uns noch gar keinen Begriff gibt. Im Englischen nennt man es «Stealthing», das heimliche Abziehen eines Kondoms. Dabei sprach das Gericht einen 21-jährigen Studenten frei. Sein Verhalten sei zwar moralisch verwerflich gewesen, aber es gebe keine Gesetzesgrundlage, die es verbiete.

Bemerkenswert ist, dass die neuerliche Verhandlung des Falls auch dem ausdrücklichen Wunsch der Vorinstanz entsprach. Der Richter des Bezirksgerichts Bülach, der Anfang Jahr ebenfalls zu einem Freispruch gekommen war, hatte sich gewünscht, dass dieser Fall weitergezogen werde, damit Rechtssicherheit herrsche.

Der Student aus einer Zürichseegemeinde war damals freigesprochen worden, obwohl das Gericht zu hundert Prozent den Aussagen seines mutmasslichen Opfers glaubte, einer beim Vorfall 18-jährigen Frau. Aber was damals bei einem One-Night-Stand zwischen den beiden passiert war, sei keine Tat, die das Gesetz ausdrücklich unter Strafe stelle, sondern nur eine Missachtung der Spielregeln beim Sex. Diese Einschätzung hat das Obergericht nun bestätigt. Der Staatsanwalt hatte ohne Erfolg argumentiert, es habe sich um eine Schändung gehandelt.

Für sie folgte eine schlimme Zeit

Der am fraglichen Abend 19-jährige Student hatte sich mit der Frau im September 2017 über die Dating-Plattform Tinder verabredet, worauf die beiden zusammen im Bett landeten. Bis hierhin verlief alles einvernehmlich. Während dem Sex entfernte der Mann dann aber das Kondom, das er sich nur widerwillig auf ihr Insistieren hin übergestreift hatte.

Er selbst behauptete später, die Frau habe dies mitbekommen und stillschweigend eingewilligt. Sie hielt dagegen, dass sie es nicht gesehen und erst mit Verspätung bemerkt habe. Sie habe danach eine äusserst belastende Zeit gehabt, aus Angst vor einer HIV-Infektion.

(hub/sda)

Erstellt: 28.11.2019, 08:39 Uhr

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