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Fast-Kollision am Flughafen Zürich

Eine falsche Einschätzung im Tower hätte am 22. August 2012 beinahe eine Kollision zwischen einer Linienmaschine und einem Sportflugzeug zur Folge gehabt.

Stieg steiler als geplant, um dem Sportflugzeug auszuweichen: Saab 2000 der Darwin.
Stieg steiler als geplant, um dem Sportflugzeug auszuweichen: Saab 2000 der Darwin.
Keystone

In die Beinahe-Kollision verwickelt waren eine «Sportcruiser» aus Lommis TG und eine Saab 2000 der Darwin Airline SA. Diese startete in Zürich von Piste 28 zu einem Linienflug nach Genua. Gleichzeitig trainierte der ausgebildete Pilot des Sportflugzeugs in Begleitung eines Fluglehrers Sichtanflüge mit Aufsetzen und Durchstarten auf verschiedenen Pisten. Unter anderem flog er Piste 16 an, welche die Piste 28 kreuzt.

Im kritischen Moment waren sich die beiden Flugzeuge bis auf eine Distanz von 205 Metern horizontal und 75 Fuss (rund 23 Meter) vertikal nahe gekommen. Die Verkehrsmaschine wurde von ihrem Warnsystem alarmiert und stieg steiler an. Der Zwischenfall lief glimpflich ab. Die Saab 2000 setzte ihren Flug fort, die Sportmaschine übte weiter und kehrte dann nach Lommis zurück.

«Fehleinschätzung des Flugverkehrsleiters»

Der heute Mittwoch veröffentlichte Schlussbericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust) nennt als «direkt-kausalen Faktor für den schweren Vorfall» die «Fehleinschätzung der Situation durch den Flugverkehrsleiter». Dazu kamen mehrere weitere Faktoren. Die Risikoeinschätzung durch die Flugsicherung sei mangelhaft gewesen, schreibt die Sust. Der «aufwendige Trainingsflug» des Sportflugzeugs fand am frühen Nachmittag statt, also zu einer Zeit, als das «Verkehrsaufkommen zunehmend und von mittlerer Komplexität» war.

Dazu kam laut Sust, dass für Sichtflüge auf die Piste 16 «nur wenige Erfahrungswerte» für die Planung zur Verfügung standen. Und das in der Verkehrsmaschine eingebaute Verkehrswarn- und Kollisionsverhinderungssystem habe der Besatzung am Boden keine Informationen über andere Luftfahrzeuge geliefert. Die Sust gab nach der Untersuchung mehrere Sicherheitsempfehlungen ab. Sie empfiehlt dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), zusammen mit dem Flughafen Zürich und der Flugsicherung Skyguide Rahmenbedingungen zur sicheren Abwicklung von Spezialflügen festzulegen und wo nötig anzupassen.

Übungsflüge nach Dübendorf?

Laut Skyguide-Sprecher Vladi Barrosa werden Anpassungen für Spezial- und Schulungsflüge geprüft. Möglich wäre etwa, die Rahmenbedingungen dahingehend zu ändern, dass Sichtflüge auf Piste 16 verboten oder nur beschränkt zulässig wären, zum Beispiel nicht mehr in Zeiten mit erhöhtem Verkehrsaufkommen. Eine geeignete Alternative wäre im übrigen dereinst der Flugplatz Dübendorf, sagte Barrosa.

Für Bewilligungen sei jeweils der Dienstchef im Tower zuständig. Die Flugverkehrsleiter seien in Bezug auf die Thematik sensibilisiert worden. Den Vorwurf der Sust, der Flugverkehrsleiter habe die Situation mangelhaft eingeschätzt, wies Barrosa als «unglückliche Pauschalisierung» zurück.

SDA/pu

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