Filippo Leuteneggers Wunderwaffe

Die Jungbankerin Tamara Konatar wirbt mit dem Zürcher Schulvorstand für die Berufslehre.

Frisch, fröhlich, sympathisch: Jungbankerin Tamara Konatar. Foto: zvg

Frisch, fröhlich, sympathisch: Jungbankerin Tamara Konatar. Foto: zvg

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In der zweiten Sek bestand sie glatt die Gymiprüfung. Die Tore zu den Tempeln der Zürcher Mittelschulen standen ihr offen. Aber Tamara Konatar entschied sich anders. In der gymiverrückten Stadt Zürich, wo fast jedes dritte Kind den höheren Bildungsweg wählt, begann sie eine Banklehre.

Das war vor drei Jahren. Jetzt, kurz vor Lehrabschluss, bestreitet sie zusammen mit dem Zürcher Schulvorstand Filippo Leutengger Auftritte. Sie begründet dort ihren Entscheid, frisch, fröhlich, sympathisch. Für Tamara Konatar war die Lehre ein Schritt weg von der Schulbank, mitten ins Leben, an einen Ort, wo man sie ernst nahm. Schon mit 15 Jahren durfte sie Kunden empfangen und beraten. «Und dass ich auch schon einen richtigen Lohn erhielt, fiel ehrlich gesagt auch ins Gewicht», sagt sie.

Bei den Informationsabenden in der Bank war ihr auch klar geworden, dass mit dem Lehrabschluss der Bildungsweg nicht zu Ende ist. Sie besucht die Berufsmittelschule, im Sommer wird sie zusammen mit dem Lehrabschluss die Berufsmaturität machen. Damit stehen ihr die ­Fachhochschulen offen, mit einer Zusatzausbildung – der sogenannten Passerelle – auch Uni oder ETH. «Das Schöne ist: Ich kann das machen, was ich als Gymiabsolventin auch machen könnte, aber ich habe eine abgeschlossene Lehre im Sack.»

«Prekären Berufssituationen»

Dass eine 17-jährige Lernende ihre Perspektive auf ihre Ausbildung so unbeschwert und selbstbewusst vor Hunderten von Eltern vorträgt, ist ein Glücksfall für Filippo Leutenegger. Es ist ihm ein «Herzensanliegen», auf­zuzeigen, dass es für den Nachwuchs eben nicht nur den einen Königsweg zum Bildungsglück gibt. Mit dieser Botschaft zieht er durch die Quartiere.

Leutenegger streicht vor dem Publikum seine Erfahrung als fünffacher Vater heraus. Und er zeigt die Statistik, wonach bei den 30-Jährigen mit Lehrabschluss die Quote derjenigen in «prekären Berufssituationen» nur bei 7 Prozent liegt, bei den ehemaligen Gymischülern aber bei 18 Prozent. Damit malt er das Bild der «Generation Praktikum», die noch mit 30 den Eltern auf der Tasche liegt.

«Ich weiss mindestens, was ich nicht will»

Tamara Konatar hat zum Thema auch etwas beizusteuern: «Wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen diskutiere, die ans Gymi gehen oder schon Matura gemacht haben, fällt mir auf, dass viele nicht recht wissen, was sie nun wollen», sagt sie. «Ich weiss mindestens, was ich nicht will.» Klar ist für ­Konatar, dass sie im Banking bleiben will, eher aber eine berufsbegleitende Weiter­bildung an einer Fachhochschule wählen wird als ein Unistudium. Bis Ende Januar muss sie sich entscheiden. Das will der Arbeitgeber so.

Konatar hat eine Zwillingsschwester, die denselben Weg (und denselben Lehrbetrieb) gewählt hat. Und sie hat eine 10-jährige Schwester, die jetzt in der fünften Primarklasse auf die Frage zusteuert, ob sie die Prüfung fürs Langgymnasium machen will. Die Eltern – der Vater ist Unternehmer, die Mutter ist Akademikerin – hätten gewiss nichts gegen das Gymi. Sie haben die Entscheide der Töchter aber immer unterstützt. Und so hält es auch Tamara mit der kleinen Schwester: «Ich habe schon meine Meinung, aber entscheiden soll sie selber.»

Erstellt: 17.01.2020, 21:51 Uhr

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