Die Lärmdiskussion ist absurd

Sicherheitsaspekte wurden bei der Ausarbeitung neuer An- und Abflugrouten für den Flughafen Zürich vernachlässigt. Dabei gebührt ihnen oberste Priorität.

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Für den Fall, dass der Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Deutschland ratifiziert wird, muss der Bund das Anflug- und Abflugregime des Flughafens Zürich anpassen. Wie sich nun zeigt, liess sich der Bund dabei von den Fluglärmgegnern unter Druck setzen.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) präsentierte im Oktober sechs verschiedene Flugregimes; drei Kriterien hätten als Leitlinien gedient: die Sicherheit, die Lärmbelastung, die Kapazität des Flughafens. Nun stellt sich heraus, dass die Sicherheit im rund 70-seitigen Bericht nur eine Nebenrolle spielt: Obschon das Bazl immer wieder betonte, dass der Sicherheit bei den Abwägungen höchste Priorität eingeräumt wurde, ging der Entwurf der Flugregimes vor seiner Publikation nicht über den Tisch jener Bazl-Angestellten, die für die Sicherheit zuständig sind.

Die Experten warnten wiederholt vor Sicherheitsmängeln am Flughafen, vor den Risiken, welche die Kreuzungen von Pisten und Flugwegen bergen. Aus einem Bericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust) geht beispielsweise hervor, dass sich in den vergangenen 12 Jahren 13 schwere Vorfälle auf dem Flughafen oder in unmittelbarer Nähe ereignet haben. Jedes Mal entging man nur knapp einer Katastrophe. All diese Ereignisse haben Experten der Sust genauer untersucht. Sie kennen die Gefahren und müssen angehört werden, wenn es um das Flugregime geht.

Das Bazl will nun die Stellungnahmen aus der ersten Vernehmlassung in das Auswahlverfahren einfliessen lassen. Zu Wort gemeldet haben sich die Kantone, der Flughafen und die Flugsicherung Skyguide. Dabei waren es einzig die Fluglotsen, die sich für die Sicherheit einsetzten. Bei allen anderen Rückmeldungen steht der Lärm im Vordergrund.

Im kommenden Frühjahr will das Bazl drei bis vier Anflug- und Abflugvarianten in eine weitere Vernehmlassung zu schicken. Bundesrätin Doris Leuthard täte gut daran, dafür zu sorgen, dass die Sicherheitsexperten des Bazl und der Sust bei der Ausarbeitung beigezogen werden. Sie wird sich damit bei den Fluglärmgegnern und allenfalls auch bei der Flughafenführung unbeliebt machen. Mit Blick auf die Sicherheit aber ist die Diskussion um die Lärmbelastung absurd.

Erstellt: 07.12.2012, 09:07 Uhr

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