Forscher finden am Greifensee 5000 Jahre alten Schuh

Archäologen haben am Greifensee einen sensationellen Fund gemacht: Einen fast vollständig erhaltenen Schuh aus der Steinzeit.

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Bei Grabungen im Greifensee bei Maur ZH sind Taucher auf ein sehr seltenes Fundstück gestossen: Sie haben einen rund 5000 Jahre alten Schuh gefunden. Das Schuhwerk aus Bast ist fast vollständig erhalten. Bis heute gibt es davon in Europa weniger als zehn Stück.

Von einem «absolut einmaligen Fund» sprach der Zürcher Kantonsarchäologe Beat Eberschweiler vor den Medien in Dübendorf ZH. Es fuchse ihn, dass er als ehemaliger Archäologietaucher nicht selber dabei gewesen sei, als der Schuh in einer Tiefe von rund 3,5 Metern beim Schiffssteg in Maur entdeckt wurde.

Wie ein Schlamm-Fladen

«Das Exemplar ist in einem ausserordentlich guten Zustand.» Wer nichts vom Fach versteht, hätte beim Gebilde, welches die Zürcher Baudirektion am Dienstag vorstellte, kaum zuerst an einen Schuh gedacht. Das Fundstück erscheint auf den ersten Blick wie ein Fladen schlammiger Erde.

Beim genaueren Hinsehen erkennt man aber die filigrane Struktur, die klar erkennbare Form und die geflochtenen Ränder. «Der Schuh ist ein Paradebeispiel für die raffinierte Herstellung jungsteinzeitlicher Bekleidung», sagte Projektleiter Adrian Huber. Diese basiert auf dem heute ungebräuchlichen Bast, der Unterrinde bestimmter Baumarten.

Geflochtene Sandale aus Bast

«Für das Schuhwerk wurden etwa 0,5 Zentimeter breite Bahnen geschnitten, die dann zu einer Sohle mit halb offenem Oberschuh geflochten wurden», erklärte der Archäologe. Aufgrund der Länge muss der Schuh einem Erwachsenen gehört haben. «Es grenzt an ein Wunder, dass ein Objekt in dieser Beschaffenheit geborgen werden kann.»

Die Pfahlbaufundstelle an der Schifflände in Maur ist für die Zürcher Archäologen denn auch eine Art Schatzkammer. Neben weiteren Fragmenten von Schuhen wurden seit Grabungsbeginn im vergangenen November auch Reusen, Holzgefässe, geflochtene Matten, Fischernetze oder Mantelfragmente gefunden.

Ein ganzer Block wird abgebaut

Es sei unglaublich, dass Textilien aus dieser Zeit der natürlichen Zersetzung widerstehen würden und konserviert werden könnten. «Solche Funde sind extrem selten», sagte Huber. Und damit sie überhaupt der Öffentlichkeit präsentiert werden können, braucht es eine Menge Fachleute und vor allem viel Fingerspitzengefühl.

Um die fragilen Geflechte zu bergen, graben die Archäologietaucher jeweils einen grossen Block mit dem umliegenden Sediment aus. Restauratoren legen dann im Labor mit feinstem Werkzeug Schicht für Schicht der wertvollen Funde frei. Die eigentliche Präparation erfolgt schliesslich im Konservierungslabor des Schweizerischen Nationalmuseums.

Über 90 Seeufersiedlungen

Die steinzeitlichen Pfahlbausiedlungen an den Zürcher Seen gehören zu den wichtigsten Fundstellen Europas. Der am Greifensee gefundene Schuh stammt aus der sogenannten Horgenerkultur (3300-2800 v.Chr.). Die Seeuferarchäologie sei eine Besonderheit des Kantons Zürich, sagte Kantonsarchäologe Eberschweiler.

Insgesamt gibt es im Kanton über 90 solcher Seeufersiedlungen. Jene in Maur wurde 1890 entdeckt, als der Spiegel des Greifensees um einen Meter abgesenkt wurde. Aber erst hundert Jahre später erfolgten genauere Untersuchungen. Die momentanen Grabungen werden nun aufgrund der spektakulären Funde bis im Juni verlängert. (chi/sda)

Erstellt: 27.03.2018, 17:32 Uhr

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