Milliardenbau am Rosengarten: Frauen sind weniger überzeugt

Die Befürworter liegen vor der Zürcher Rosengarten-Abstimmung vorne, wie die Tamedia-Umfrage zeigt. Etwas fällt besonders auf.

Viele sind noch unentschlossen: Am 9. Februar stimmt der Kanton Zürich über die Zukunft am Rosengarten ab. Foto: Sabina Bobst

Viele sind noch unentschlossen: Am 9. Februar stimmt der Kanton Zürich über die Zukunft am Rosengarten ab. Foto: Sabina Bobst

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Für eine Mehrheit reicht es knapp nicht: 49 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger befürworten derzeit gemäss der Tamedia-Umfrage das Rosengartenprojekt, nur 27 Prozent sprechen sich dagegen aus. Was auffällt: Viele Stimmberechtigte sind noch unentschlossen: Ganze 24 Prozent sind knapp einen Monat vor der Abstimmung noch unsicher. Ein «ausserordentlich» hoher Wert, sagen die Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen, welche die Umfrage in Zusammenarbeit mit Tamedia durchgeführt haben.

Besonders die Frauen sind noch wenig überzeugt vom Milliardenbau in Zürich-Wipkingen, der den Verkehr der Rosengartenstrasse in den Untergrund verschwinden lassen und zwei Tramlinien ermöglichen soll. Der Anteil unentschlossener Frauen (33 Prozent) ist um 19 Punkte höher als bei den Männern (14 Prozent). Die Frauen scheinen beim Ja zu zögern. Der Anteil der Befürworterinnen (39 Prozent) ist 20 Punkte tiefer als bei den Männern (59 Prozent), wobei es beim Nein-Lager kaum einen Geschlechterunterschied gibt.

Der spannenden Ausgangslage sind sich die Kampagnenleiter bewusst. Entsprechend intensivieren sie den Abstimmungskampf derzeit. Auffällig sind vor allem die Gegner. An unzähligen Orten in der Stadt hängen Fahnen. Und nun fällt auch Bruno Sauter, ehemaliger Chefbeamter, seiner Ex-Chefin und Mutter der Rosengartenvorlage, Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP), in den Rücken. Er wettert in einem Blogbeitrag auf dem Portal Inside Paradeplatz dagegen und bezeichnet das Tunnelprojekt als «unnütz».

Am häufigsten überzeugt die Gegnerinnen und Gegner das Argument, dass es nicht mehr zeitgemäss ist, eine Strasse durch einen Tunnel zu ersetzen. Das passe nicht zur aktuellen Klimadiskussion. Die Befürworter punkten hingegen mit der Quartieraufwertung Wipkingens analog zu Schwamendingen mit der Einhausung der Autobahn.

Obwohl das Ja-Lager in der Umfrage deutlich grösser ist, ist es offenbar geschrumpft. Der «Tages-Anzeiger» hat im Rahmen der Regierungs- und Ständeratsumfragen im März und im September 2019 bereits die Haltung der Stimmbürger zum Rosengartenprojekt abgefragt. Beide Male ergab die Erhebung des Umfrageinstituts Sotomo eine klar positive Grundhaltung (lesen Sie hier mehr dazu). Im September sprachen sich 69 Prozent für Tunnel und Tram aus. Dieser Anteil ist inzwischen gesunken, der Anteil der Unentschlossenen hingegen gestiegen. Die Resultate sind aber mit Vorsicht zu geniessen, da der Abstimmungstermin noch weit entfernt lag und der Meinungsbildungsprozess jeweils erst später einsetzt.

Gabi Petri vom VCS Zürich lässt sich vom hohen Ja-Anteil nicht beunruhigen. Auf dem Land habe man derzeit noch das Gefühl, es sei eine städtische Vorlage; das ändere sich aber noch, sagt sie. Und sie glaubt: Je mehr Leute sich über die Abstimmung informierten, desto mehr Gegner würden es. Man müsse nichts von Verkehrs- oder Umweltpolitik verstehen. «1,1 Milliarden für 700 Meter Verkehrsberuhigung, das ist eine ungenügende Kosten-Nutzen-Rechnung.»

Ruth Enzler, Präsidentin des ACS Zürich, freut sich zwar, dass es beinahe für eine Mehrheit reicht; der hohe Anteil Unentschlossener zeige aber, sie müssten weiterhin Gas geben und die wichtigsten Fakten und Argumente wiederholen. «Fakten wie die Tunnellänge, die 2,3 Kilometer beträgt, und nicht 700 Meter, wie von den Gegnern immer wieder gesagt wird.» Das vorliegende Projekt berücksichtige Autos und ÖV; Letzterer übernimmt den erhöhten Mobilitätsbedarf, der auch der Agglomeration etwas bringt (lesen Sie hier, welche sechs Knackpunkte es beim Bau gibt). Und: «Mit dem Projekt lösen wir das Versprechen aus den 70er-Jahren ein, dass die Autos dereinst wieder umgeleitet werden.»

Erstellt: 16.01.2020, 06:47 Uhr

Infobox

In Zusammenarbeit mit LeeWas führen «20 Minuten» und Tamedia auf ihren Newsportalen umfassende Abstimmungs- und Wahlumfragen durch. 3'183 Personen aus dem Kanton Zürich haben vom 9. bis 11. Januar online an der Befragung teilgenommen. Die Umfragedaten werden nach demografischen, geografischen und politischen Variablen modelliert. Der Fehlerbereich liegt bei 2,6 Prozentpunkten. Weitere lnformationen: tamedia.ch/umfragen

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