Dieses Verhalten der Zürcher Parteien erstaunt

Frauen auf den Listen bringen Wahlerfolge. Wer das realisiert hat und wer nicht.

Tamy Glauser ist die wohl prominenteste Kandidatin der Zürcher Grünen für den Nationalrat – aber bei weitem nicht die einzige. Bei den Grünen kandidieren mehr Frauen als Männer.

Tamy Glauser ist die wohl prominenteste Kandidatin der Zürcher Grünen für den Nationalrat – aber bei weitem nicht die einzige. Bei den Grünen kandidieren mehr Frauen als Männer. Bild: Reto Oeschger

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50 Prozent Frauen auf den Nationalratslisten: Dies fordern die Grünen im Nachgang des Frauenstreiks. Im Kanton Zürich ist die Forderung nicht genau umsetzbar, da er 35 Politikerinnen und Politiker nach Bern entsenden darf und diese Zahl nicht durch zwei teilbar ist. Davon ausgehend, dass bei einer Umsetzung der grünen Forderung 18 Männer und 17 Frauen auf den Listen toleriert würden, erfüllen heute drei von neun grösseren Parteien die Anforderung.

Grüne und AL führend

Den grössten Frauenanteil auf der Liste für die Nationalratswahl 2019 stellen mit 51 Prozent oder 18 Frauen die Grünen und die AL. Bemerkenswert ist, dass die Grünen zwei Frauen an die Spitze gesetzt haben, obwohl die Bisherigen zwei Männer sind. Gar fünf Frauen an die Listenspitze will die AL setzen – sofern die Vollversammlung am 25. Juni das Vorhaben gutheisst. Die Grünliberalen sind mit 17 Frauen und 2 in den Top 3 ebenfalls frauenfördernd unterwegs.

Die 50-Prozent-Quote relativ knapp verpassen die SP und die EVP, die den 19 Männern immerhin 16 Frauen gegenüberstellen. Erwähnenswert ist aber, dass die EVP zur Hauptliste noch eine Frauenliste lanciert hat – mit natürlich 100 Prozent Frauen. Auch die CVP hat eine reine Frauenliste in petto, diese ist aber noch nicht definitiv. Die CVP-Hauptliste bringt es voraussichtlich auf einen Frauenanteil von 40 Prozent. Entschieden wird am 22. Juni. Gar etwas frauenfreundlicher ist die BDP mit einem Anteil von 43 Prozent Frauen.

Immer weniger FDP-Frauen

Aus Frauensicht nicht sehr rosig beziehungsweise lila sieht es bei den anderen bürgerlichen Parteien aus. Die FDP hat für die diesjährigen Nationalratswahlen eine Liste mit 23 Männern und 12 Frauen verabschiedet. Quote: 34 Prozent. Vor vier Jahren waren noch 37 Prozent der Kandidierenden weiblich, 2011 waren es sogar noch 41 Prozent.

Einen Riesenschritt in Richtung Frauen hat die SVP gemacht, wenn auch auf sehr tiefem Niveau. Dieses Jahr lautet das Verhältnis 26 zu 9 zugunsten der Männer, was einen Frauenanteil von 26 Prozent bedeutet. 2015 lag dieser Anteil noch bei 17 Prozent. In der aussichtsreicheren ersten Listenhälfte sind dieses Jahr allerdings nur zwei Frauen anzutreffen.

Frauenparteien gewinnen

Dass gewisse Parteien nicht vermehrt auf Frauen setzen, erstaunt. Die Kantonsratswahlen im März haben gezeigt: Ein hoher Frauenanteil auf der Liste führt zum Erfolg. Grüne, AL, SP, EVP und GLP hatten die höchsten Frauenquoten, und diese Parteien haben entweder einen riesigen Wählerinnenzuwachs erlebt oder zumindest nicht stark verloren. Ganz anders die fünf Parteien mit der tiefsten Frauenquote: SVP, EDU, BDP, FDP und CVP haben teils hohe Verluste eingefahren. Das liegt wohl nicht nur am Frauenanteil, könnte aber ein Teil der Erklärung sein.

Erstellt: 18.06.2019, 08:59 Uhr

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