Frühstarter bleiben öfter sitzen
Eine Studie über die Schulkarrieren von Zürcher Kindern zeigt: Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder ein Jahr früher in den Kindergarten – doch viele büssen später dafür.

Das Standortgespräch Mitte des zweiten Kindergartenjahres war für Maëls* Eltern Schock und Erlösung zugleich. Statt eines Übertritts in die erste Klasse empfahl die Lehrperson ihrem Sohn ein drittes Kindergartenjahr. «Er ist emotional noch nicht bereit für die Schule», sagte die Kindergärtnerin. «Man merkt ihm an, dass er mit fünfeinhalb jünger ist als alle anderen.» Die Eltern waren überrascht über das klare Verdikt. Ihr Sohn konnte schon vor dem Kindergarten schreiben, deshalb hatten sie ihn vorzeitig eingeschult. Gleichzeitig waren die Eltern froh über die Empfehlung. «Unser Sohn weinte oft, als wir von der Schule sprachen», sagt die Mutter. Erst nach dem Gespräch war ihr klar, warum.
Wenn Zürcher Kinder am kantonalen Stichtag vierjährig sind, müssen sie gemäss Gesetz zur Schule. Eltern können ihre Kinder aber auch schon früher in den Kindergarten schicken, sofern sie dies als sinnvoll erachten. 2007 hat der Kanton die Verordnung für die vorzeitige Einschulung vereinfacht, seither wird von dieser Möglichkeit rege Gebrauch gemacht. Zuvor haben Schulbehörden solche Gesuche nur ausnahmsweise bewilligt; rund 1 Prozent aller Kinder wurde früher eingeschult. 2010 waren es über 6 Prozent.

