«Für mich ist dieses Tram ein Traum»

Das 2er-Tram fährt ab heute fahrplanmässig nach Schlieren. Wir haben uns bei Pendlerinnen und Pendlern umgehört.

Mit dem Koffer aufs Tram: Das 2er-Tram gehört in Schlieren ab heute zum Alltag. Foto: hwe

Mit dem Koffer aufs Tram: Das 2er-Tram gehört in Schlieren ab heute zum Alltag. Foto: hwe

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Der erste Abschnitt der Limmattalbahn ist im Alltag angekommen. Nach der Eröffnung am Freitag und den moderierten Gratisfahrten am Samstag fährt das 2er-Tram heute Montagmorgen erstmals im Regelfahrplan und an einem Werktag vom Farbhof bis nach Schlieren und transportiert Pendlerinnen zur Arbeit, Schüler in die Schulen und Eltern mit Kindern zu den Kitas.

Doch ganz Alltag ist die Fahrt auf dieser Strecke doch noch nicht. Das zeigt sich schon frühmorgens: Junge Menschen in blauen VBZ-Jacken steigen kurz vor 7 Uhr beim Hauptquartier der städtischen Verkehrsbetriebe an der Grimselstrasse ein. Sie wünschen den Fahrgästen einen guten Morgen und drücken ihnen Fruchtgummis in Form von blauen Trams in die Hand. «Vielen Dank für die Geduld während der Intensivbaustelle», steht auf dem Flyer.

Verteilt mit anderen Mitarbeitern der VBZ Flyer und Gummitrams: Nicolà Gabriel. Foto: hwe

Nach dem Farbhof verändert sich die Kulisse merklich: Rechts dominiert die Industrie, links fallen die Blockbauten der Wohnquartiere ins Auge. Und überall diese Garagen und Tankstellen! Das städtische Tram in ganz neuen Gefilden.

Allzu weit stösst es aber nicht in die Agglo vor – die Fahrt vom Farbhof bis zum Bahnhof Schlieren dauert nur sechs Minuten. Dort wird es dann schon fast wieder städtisch; das gezackte, rote Dach verleiht dem Platz eine gewisse Weltläufigkeit. Als hätte es Zürich und Schlieren schon immer verbunden, warten die Menschen hier auf das neue Tram.

Auf direktem Weg in die Krippe

Doch so unbeeindruckt die Blicke, so gross ist bei manchen die Erleichterung über die neue Verbindung. «Dieses Tram ist für mich ein Traum», sagt etwa die 31-jährige Adriana Francisca. Sie wohnt mit ihrer Familie in Schlieren und bringt ihren einjährigen Sohn Kwamy in die Krippe beim Letzigrund. Auch sonst fahre sie oft in die Stadt. «Bisher musste ich dafür umsteigen, jetzt kann ich sitzen bleiben – das ist sehr praktisch mit dem Kinderwagen.»

Sie freut sich über die direkte Verbindung in die Stadt: Adriana Francisca. Foto: hwe

Die Verlängerung sei eine gute Sache, findet auch Micaela Pires. Die 18-Jährige steigt bei der Haltestelle Mülligen ins Tram und fährt bis zum Paradeplatz, wo sie in die Schule geht. «Das Tram ist besser als der Bus, weil es nicht im Stau stecken bleibt», sagt sie. Das eigene Trassee in der Mitte der Strasse macht's möglich.

Der Bau geht weiter

Für Daniel Walker ist die Station Mülligen das Ziel der morgendlichen Pendlerreise. Der 57-Jährige kommt aus dem Aargau zur Arbeit hierher. An Menschen wie ihn richtet sich die Information auf dem Flyer, dass noch weitere Baustellen bestehen blieben. So etwa auf dem Abschnitt zwischen Bahnhof Altstetten und Farbhof, wo Pendler derzeit umsteigen müssen, wenn sie in Richtung Schlieren wollen. «Eigentlich wäre ich via Altstetten noch schneller», sagt Walker.

Für ihn ändert sich mit der neuen Tramverbindung nicht viel: Daniel Walker. Foto: hwe

Darauf muss er noch bis im Mai 2021 warten, wenn die Bauarbeiten auf dieser Teilstrecke abgeschlossen sind. Ab heute wird auch der Abschnitt von Schlieren via Dietikon, Spreitenbach nach Killwangen gebaut. Die Strecke soll Ende 2022 in Betrieb gehen.

Ob dann wieder Gummitrams verteilt werden? Welche Farbe diese haben müssten, um die neue Limmattalbahn korrekt abzubilden, ist noch offen. Sicher ist: Für viele Pendler wird erst dieser zweite Ausbauschritt eine echte Erleichterung bringen.

So fährt es sich mit der neuen Limmattalbahn:

(Video: Sarah Fluck)

Erstellt: 02.09.2019, 11:02 Uhr

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