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Gedämpfte Glocken

Die Katholiken von Dietlikon wollen endlich einen eigenen Kirchturm mit Glockengeläut. Ein Gerichtsurteil hält nun fest: Das gibt es nur mit Einschränkungen.

Kaum als solche zu erkennen: Die Kirche St. Michael in Dietlikon. Bild: Charly Bernasconi/Wikipedia
Kaum als solche zu erkennen: Die Kirche St. Michael in Dietlikon. Bild: Charly Bernasconi/Wikipedia

Ein Kirchglockenstreit der ungewöhnlichen Art gibt in der Gemeinde Dietlikon zu reden: Es geht in diesem Fall um einen Glockenturm, der noch gar nicht gebaut ist. Der fehlende Turm war lange die Besonderheit der katholischen Kirche St. Michael, eines unscheinbaren Baus aus dem Jahr 1970. Dieses Manko möchte die Gemeinde nun beheben – aber fünf Anwohner wollen das Geläut im geplanten Neubau komplett verbieten. Damit sind sie zwar beim Zürcher Baurekursgericht nicht durchgedrungen, wie der «Zürcher Unterländer» berichtet. Aber sie haben einen Teilerfolg errungen.

Laut dem Gerichtsurteil dürfen die Glocken im Kirchturm, der demnächst gebaut wird, weniger lang und weniger laut schlagen als beabsichtigt. Das betrifft zum Beispiel das sogenannte bürgerliche Geläut: Dabei handelt es sich um ein mehrminütiges Geläut, mit dem die Kirchen vielerorts den Tag strukturieren, was ursprünglich einmal ein Moment zum Innehalten und Beten war, vergleichbar mit dem Gebetsruf des Muezzins im islamischen Raum. Dieses bürgerliche Geläut ist der neuen katholischen Kirche in Dietlikon nun nur noch an den Werktagen erlaubt, nur um 11 und um 19 Uhr und nur während zwei Minuten. Zudem muss die Glockenstube im neuen Kirchturm laut Gericht lärmgedämmt werden, damit das Geläut mindestens 5 Dezibel leiser wird.

Es gibt keinen absoluten Anspruch auf Ruhe

Das Urteil stützt sich auf das Umweltschutzgesetz: «Es gibt keinen absoluten Anspruch auf Ruhe, vielmehr sind geringfügige, nicht erhebliche Störungen hinzunehmen», zitiert das Urteil das Umweltschutzgesetz. Einer der prozessierenden Anwohner bedauert, dass es kein absolutes Glockenverbot gab, da er fürchtet, dass die Wohnungen, die er vermietet, an Wert verlieren könnten. Ob der Rekurs weitergezogen wird, ist noch offen. Es scheint aber wenig wahrscheinlich, da laut den Anwälten der Anwohner nur geringe Chancen auf ein komplettes Läutverbot bestehen.

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