Gegenbeispiel Zürich

Im wählerstärksten Kanton gibt es eine überraschende Wahlsiegerin: die SP.

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National erlebt die Schweiz einen Rechtsrutsch. Im Kanton Zürich hat die SP die Nase vorn: Daniel Jositsch glänzend in den Ständerat gewählt, zwei Sitzgewinne im Nationalrat. Das überrascht angesichts der Erwartungen. Alle redeten von der FDP, niemand von den Sozialdemokraten.

Der SP-Sieg hat drei Gründe: An erster Stelle steht der Jositsch-Effekt. Der Professor mobilisierte enorm und holte zahlreiche Panaschierstimmen. Zweitens profitierte die SP von der grün(liberal)en Misere. Sie holte linke Wechselwähler zurück und auch ein paar von der GLP. Drittens schliesslich verdankt die Partei ihren Erfolg der Listenverbindung mit der AL, die knapp zu schwach war für einen Sitzgewinn. Als stärkste Partei im grossen linken Verbund konnte die SP die vielen Stimmen für die Alternativen einheimsen.

FDP büsst für Allianzlosigkeit

Einen soliden Zuwachs verzeichnet auch die SVP, sogar einen grossen die FDP. Die Freisinnigen konnten ihren Aufwärtstrend seit den kantonalen Wahlen bestätigen – was nach einem über 30-jährigen Sinkflug bemerkenswert genug ist. Dass sie ihr Plus von stolzen 3,7 Prozent Wähleranteil nicht in mehr als einen Zusatzsitz ummünzen konnten, liegt am selbstgewählten Alleingang. Ohne Listenverbindung sind Sitzgewinne schwerer zu erreichen.

Die SVP ihrerseits holte einen der BDP-Sitze zurück. Die Partei sorgt allerdings mehr mit Personalia für Aufsehen. Tatsächlich sind drei Abgewählte mehr als ausserordentlich – vor allem, wenn neun Bisherige wieder antraten und zwölf Sitze erobert wurden. Ernst Schibli muss seine zweite Abwahl innert vier Jahren verdauen. Die beiden anderen, Christoph Mörgeli und Hans Fehr, sind über ihre Affären gestolpert. Die Stichworte sind verstaubte Knochen und eine serbische Putzfrau. Die eigene Klientel nahm es Mörgeli übel, dass er nur noch in eigener Sache beschäftigt war und mit Prozessen wegen seiner Entlassung von der Uni Schlagzeilen machte.

SVP: jung und laut

Nun schickt die Zürcher SVP eine rundumerneuerte und mit Durchschnittsalter unter 47 Jahren deutlich jüngere Delegation nach Bern. Neu dazu kommen zwei eher Gemässigte, Hans-Ueli Vogt und Bruno Walliser, und vier Scharfzüngige. Zu diesen gehört «Weltwoche»-Chef Roger Köppel als neuer Shootingstar sowie Barbara Steinemann als Mutter der Minarettinitiative. Zu ihnen gesellen sich die lautesten Vertreter aus dem Kantonsrat (Claudio Zanetti) und dem Zürcher Gemeinderat (Mauro Tuena).

Erstellt: 18.10.2015, 20:52 Uhr

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