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Aufruhr im EKZ-Land

Aus Spargründen kaufen Gemeinden Strassenbeleuchtungen direkt bei den Herstellern und lassen die kantonalen Elektrizitätswerke aus. Andere könnten nachziehen.

Lampenstreit: Nicht alle Zürcher Gemeinden sind zufrieden mit dem EKZ-Angebot. Bild: Keystone/Gaetan Bally
Lampenstreit: Nicht alle Zürcher Gemeinden sind zufrieden mit dem EKZ-Angebot. Bild: Keystone/Gaetan Bally

Die Schweizer Strombranche steht unter Druck, weil die Preise im Keller sind und der Strombezug aufgrund der Energiewende sinken soll. Deshalb diversifiziert sie und bietet vermehrt innovative Produkte an, etwa intelligente Strassenbeleuchtungen. So auch die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Doch mit deren Angebot sind nicht alle Kunden zufrieden. Der Stadt Adliswil und der Gemeinde Langnau am Albis sind die EKZ-Angebote zu teuer und zu unflexibel. Sie haben sich deshalb gemeinsam andernorts umgesehen. In Chur wurden sie fündig. Fortan wollen die beiden Sihltalgemeinden die Lampen und deren Steuerung mit Mengenrabatt bei der Firma Esave beziehen.

Gemäss dem Langnauer Infrastrukturvorsteher Rolf Schatz (GLP) ist das Sparpotenzial gross. Aufgrund des gemeinsamen Einkaufs sei der Stückpreis um über 20 Prozent gesunken. Nun koste eine «intelligente» Lampe weniger als eine «dumme». Die intelligente Beleuchtung ist mit einem Bewegungsmelder ausgerüstet. Er kann so eingestellt werden, dass deren Leistung zum Beispiel ab 22 Uhr auf 2 Prozent zurückgeht, wenn niemand in der Nähe ist. Die dumme Lampe ist nicht oder nur beschränkt dimmbar.

Laut Rolf Schatz könnten die Langnauer Steuerzahler nach der Umrüstung aller Lampenköpfe auf LED über 40'000 Franken sparen, was 80 Prozent der heutigen Stromkosten entspricht. Auch der Einkauf der Leuchten und Steuerungen komme wegen der grösseren Menge insgesamt 120'000 Franken günstiger. Weitere Einsparungen in ähnlicher Höhe ergäben sich, weil die Leuchten bereits programmiert geliefert werden und damit die aufwendige Programmierung vor Ort wegfällt.

Weniger Lichtverschmutzung

Auch der Adliswiler Stadtrat Patrick Stutz (SVP) geht von einer Stromeinsparung von bis zu 80 Prozent aus. «Parallel dazu kann die Lichtverschmutzung massiv reduziert werden», sagt er. Das ist ein Argument, das Stutz’ Langnauer Kollegen Schatz freut, der auch Geschäftsleiter von Dark Sky Switzerland ist, einer Organisation, die für dunkle Nächte kämpft. Auf dem Adliswiler Stadtgebiet ist gemäss Stutz ein Drittel der Lampen bereits auf LED umgerüstet. Diese bleiben vorerst ohne intelligente Steuerung. Der Rest – rund 800 Leuchten – wird bis 2020 auf das clevere System umgerüstet. Das Ziel sei nicht, keine Leuchten mehr über die EKZ zu beziehen, versichert der Adliswiler Vorsteher der Werkbetriebe. Es gehe darum, mit einer gemeinsamen Beschaffung einen besseren Einkaufspreis zu erzielen. Deshalb seien weitere Gemeinden eingeladen mitzumachen.

Das stösst bei Urs Keim auf offene Ohren. Der parteilose Werkevorsteher der Gemeinde Rüschlikon sagt: «Wir prüfen diese Möglichkeit ernsthaft, weil Einsparungen möglich sind.» Auch für ihn geht es nicht darum, die EKZ herauszukippen. «Aber wenn es gute, innovative Produkte gibt, welche auch noch günstiger sind, greifen wir zu.» Keim will schrittweise vorgehen. Eine erste Tranche will er im Budget 2018 seiner Gemeinde unterbringen.

Andere Gemeinden aus der Umgebung Adliswils und Langnaus bleiben abwartend oder winken ab. So sei eine Sammelbestellung in Thalwil derzeit kein Thema, sagt Gemeindesprecherin Heidi Egli. Man beobachte aber die Entwicklung. Eine weitere Gemeinde, die nicht namentlich genannt werden will, studiert an neuen Lösungen herum. Sie schliesst nicht aus, sich einer Bestellung bei Esave anzuschliessen. Oberrieden wiederum sieht «keine Veranlassung, von der bewährten Zusammenarbeit mit den EKZ abzuweichen», wie Gemeinderat Hans Peter Kunz, parteiloser Werke­vorstand, sagt.

EKZ reagieren «erstaunt»

Die EKZ geben sich «erstaunt» über das Vorgehen Adliswils und Langnaus. Man habe stets Hand geboten, um eine Lösung zu finden, welche die Bedürfnisse der Gemeinden erfülle, beteuert Mediensprecher Noël Graber. Die EKZ sind der Ansicht, neben einem günstigen und hochwertigen Standardsortiment, bei dem jede Gemeinde gleichermassen von besseren Konditionen bei der Bestellung von grossen Stückzahlen profitieren kann, Dutzende individueller und kundenspezifischer Lösungen anzubieten. Ein Beispiel sei in Urdorf zu sehen, wo ein «verkehrsbeobachtendes Licht» mit smarten Strassenlampen getestet wird.

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