Gericht begründet Entscheid mit Kinderbuch «Jim Knopf»

Warum das Zürcher Obergericht eine Besuchsregelung mit dem Scheinriesen «Herr Tur Tur» veranschaulicht.

Die Marionetten «Herr Tur Tur», «Jim Knopf» und «Lukas» (v.l.n.r.) stehen im Augsburger Puppentheatermuseum. Bild: Stefan Puchner (DPA, Keystone)

Die Marionetten «Herr Tur Tur», «Jim Knopf» und «Lukas» (v.l.n.r.) stehen im Augsburger Puppentheatermuseum. Bild: Stefan Puchner (DPA, Keystone)

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Dass Juristen auf Kinderbücher verweisen, kommt selten vor. Bei einem Kindesschutz-Fall im Kanton Zürich kam das Obergericht aber zum Schluss, dass der Scheinriese «Herr Tur Tur» aus «Jim Knopf und der Lokomotivführer» von Michael Ende eine hervorragende Veranschaulichung sei.

Denn «Herr Tur Tur» sieht nur von Weitem furchteinflössend aus. Beim Näherkommen schrumpft er auf normale Grösse zusammen. So verhalte es sich auch bei einem Vater, der seit zweieinhalb Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem heute 11-jährigen Sohn habe. Um das furchteinflössende – weil mittlerweile unbekannte – Wesen «Vater» auf Normalgrösse schrumpfen zu lassen, verordnete das Obergericht sechs sogenannte «Erinnerungskontakte», wie aus dem kürzlich publizierten Urteil hervorgeht.

Diese «Erinnerungskontakte» finden unter Aufsicht statt und sollen eine komplette Entfremdung zwischen Vater und Sohn verhindern. Im vorliegenden Fall wird die Polizei ermächtigt, den Sohn abzuholen und zu den Treffen zu bringen.

Kritik an den Eltern

Die Entfremdung passierte, weil die Mutter der Überzeugung war, dass der Vater ihrem Sohn schade. Ob dies tatsächlich zutrifft, geht aus dem Urteil nicht hervor. Tatsache ist jedoch, dass der Bub mit der Zeit eine grosse Furcht vor seinem Vater entwickelte. Der Vater wurde quasi zum Scheinriesen «Herr Tur Tur».

Vater und Mutter, die nie ein Paar waren, decken sich seit Jahren mit Vorwürfen ein. Das Gericht sparte in seinem Urteil denn auch nicht mit Kritik. Die Eltern sollten ihre Streitigkeiten «künftig vom Kind fernhalten».

Ihr Verhalten sei für eine Elternschaft äusserst hinderlich und für ein Kind schädlich, da es selbst an minimaler elterlicher Übereinstimmung fehle. Der Entscheid ist rechtskräftig. (hwe/sda)

Erstellt: 31.10.2019, 17:16 Uhr

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