Wolff: «Die Gewalt kommt von links aussen»

Richard Wolff (AL) sagt, Zürich habe ein Problem mit linker und mit Fan-Gewalt. Er will trotz Kritik Sicherheitsvorsteher bleiben. «Ich mache es richtig», findet er.

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Der alternative Sicherheitsvorsteher Richard Wolff muss sich Kritik aus der eigenen Partei anhören: Die AL reagiert entsetzt auf einzelne Polizeieinsätze, etwa die Einkesselung von über 800 FCZ-Fans oder eine Massen-Leibesvisitation nach der Gegendemonstration zum «Marsch fürs Läbe». Die Bürgerlichen hingegen werfen ihm vor, linke Gewalttäter gewähren zu lassen und nicht wirklich hinter dem Korps zu stehen.

Von der NZZ mit den Vorwürfen konfrontiert, sagt Wolff, man habe in Zürich ganz klar ein Problem mit Gewalt gegen Polizisten. «Diese Gewalt kommt in Zürich mehrheitlich von links aussen, und es gibt auch viel Gewalt rund um den Fussball.» Es gehöre zwar zur Meinungsfreiheit, gegen soziale Ungerechtigkeit zu demonstrieren. «Aber bei Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten und überhaupt gegen Menschen hört es auf.» Deshalb unbewilligte Demonstrationen mit Gewalt zu unterbinden, hält Wolff nicht für den richtigen Weg. Im Gegenteil: «Grundsätzlich ist die Meinungsfreiheit für mich das oberste Prinzip. Ich bewillige alle Kundgebungen.»

«Die Kritik ist daneben»

Allgemein stellt sich Wolff ein gutes Zeugnis aus: «Kritik gibt es immer.» Insgesamt höre er wenig, selbst von bürgerlicher Seite. «Ich würde eher das Gegenteil sagen: Ich mache es richtig. Die Situation in der Stadt Zürich ist gut, die Kriminalitätsrate ist gesunken, die Zufriedenheit mit der Polizei so hoch wie noch nie.» Die Polizistinnen und Polizisten würden sehr gute Arbeit leisten, manchmal unter schwierigen Verhältnissen, «Ich bin jedenfalls zufrieden mit ihnen.» In den 60'000 Einsätze im vergangenen Jahr hätten nur ein paar wenige zu reden gegeben.

«Die Kritik von rechts, ich würde Gewalt gegen Polizisten zu wenig ernst nehmen, ist daneben.» Zusammen mit dem Kommandanten der Stadtpolizei habe er das Projekt Pius gestartet, was für «Polizeiarbeit in urbanen Spannungsfeldern» steht und die Gewalt gegen Polizisten untersuchen soll und was dagegen getan werden kann. «Wir nehmen das Thema sehr ernst.» Als mögliche Gründe nennt Wolff einen zunehmenden Mangel an Respekt gegenüber Behörden und Institutionen. Dass sich politische Gewalt von Linksaussen auch explizit gegen seine Person richtet, begründet Wolff mit seiner Position als oberster Vertreter der Staatsgewalt. Und: «Vielleicht gibt es Leute, die erwartet haben, ich würde Gesetz und Verfassung ausser Kraft setzen.»

Ein Imagegewinn für die Alternativen

Insgesamt sieht er sich als Imagegewinn für die AL: «Weil wir zeigen, dass die Partei fähig ist, sich an der Regierung zu beteiligen.» Dass dies interne Diskussionen auslöse, sei klar.«Es ist ja auch das erste Mal, dass die AL in dieser Situation ist. Bei der SP und der FDP ist das Courant normal.» Dort wisse man, dass es in der Regierung nicht möglich ist, zu hundert Prozent die Parteilinie zu vertreten.»

Auch dass die SVP versuchen wird, ihn bei den Stadtratswahlen 2018 aus dem Amt zu drängen, macht ihm wenig Sorgen. Im Gemeinderat sei der Goodwill ihm gegenüber gross, Wolff fühlt sich akzeptiert. Und seine Rolle als linksalternativer Polizeivorsteher möchte er nicht mehr abgeben: «Das Amt gefällt mir.»

(lop)

Erstellt: 18.04.2016, 09:23 Uhr

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