Gratisbad im Holzzuber neben Mario Bottas teurem Thermalbad

Parallel zum neuen Thermalbad in Baden sollen auch «Heisse Brunnen» gebaut werden.

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Es ist schon bitter: Ausgerechnet Baden, einer der ältesten Thermalkurorte der Schweiz, liegt fast ganz auf dem Trockenen. Da das alte Thermalbad 2012 geschlossen wurde und der von Stararchitekt Mario Botta entworfene Neubau (allein das Bad kostet 50 Millionen Franken) erst 2020 eröfffnet wird, gibt es kein öffentliches Baden mehr für die Bevölkerung.

Dieses Vakuum hat sich die Gruppierung «Bagni Popolari Baden» kreativ zu Nutze gemacht. Seit vergangenem Dezember betreiben die Initianten auf dem Kurplatz ein temporäreres, aus Holz gezimmertes Gratis-Badebecken. Dieses wird rege benutzt und passt bestens zur Stadt. In Baden fliessen aus 18 Quellen täglich rund eine Million Liter 47 Grad warmes Thermalwasser.

«Die Bewilligung für unser temporäres Bad läuft bis im Sommer», sagt Andriu Deflorin, einer der Initianten von Bagni Populari. Die Reaktionen seien bis jetzt äusserst positiv. Es reisen Badegäste aus der ganzen Schweiz an, sogar aus dem Ausland. Nun nimmt der Verein ein weiteres Ziel ins Visier. Auf die Eröffnung des Botta-Bades hin soll das Projekt eines öffentlichen Beckens einen definitiven Standort erhalten. «Wir planen einen ‹Heissen Brunnen› in der Nähe der heutigen Limmatquelle», sagt Deflorin. «Unser Traum ist ein kostenlos zugänglicher Thermalwasserbrunnen unter freiem Himmel, der ohne Technik auskommt, damit ein Badeerlebnis wie vor 2000 Jahren möglich ist.»

Finanzierung noch ungeklärt

Um einen grösseren Kreis für die Idee anzusprechen, macht die Gruppe an einem Ideenwettbewerb des Bundesamtes für Kultur mit. Ein weiteres Anliegen, so Deflorin, sei es, mit dem «Heissen Brunnen» das Thermalwasser öffentlich sichtbar zu machen, so wie dies auf dem Kurplatz mit den beiden unentgeltlichen Freibädern jahrhundertelang der Fall gewesen sei.

Einige wichtige Fragen wie die Finanzierung, die Sicherheit, der exakte Standort des Brunnens und welche Quelle ihn speisen wird, werden derzeit mit Fachleuten diskutiert.

Zweieinhalb Jahre Bauzeit

Wie beurteilt die Verenahof AG, die Bauherrin des neuen Thermalbads, das geplante Gratisbecken «Heisser Brunnen»? Die Idee habe Charme und trage zur Attraktivität des Badeorts bei, sagt deren Sprecher Marc Bertschinger. «Wir sind diesbezüglich offen und sehen das Projekt von Bagni Popolari nicht als Konkurrenz.» Aus seiner Sicht seien aber einige Punkte noch offen. «Solche Fragen betreffen beispielsweise die Einhaltung von Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen sowie die Haftung.»

Mit dem Projekt Thermalbad sei man auf Kurs. Die Bauarbeiten haben diese Woche begonnen. «Der Spatenstich für das neue Thermalbad und das Ärzte- und Wohnhaus erfolgt am 17. April», sagt Bertschinger. Für das gesamte Bauvorhaben, inklusive der Klinik für Prävention und Rehabilitation, rechnet die Bauherrin mit einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren.

500'000 Gäste soll das Botta-Bad jährlich anlocken. Für Botta ist es nicht das erste solche Projekt. Er hat auch das Thermalbad auf der Rigi gebaut.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.03.2018, 16:05 Uhr

Badegeschichte

Auf dem heutigen Kurplatz betrieb die Stadt Baden bis 1840 die beiden offenen 1.80 Meter tief im Platz eingelassenen Thermalbecken, das Frei- und St. Verenabad. Eingerichtet waren sie vermutlich in ursprünglich römischen Bassins, davon geht die Aargauer Kantonsarcheologie aus. Als öffentliche Gemeinschaftsbäder waren das Verena- und Freibad der einfachen Bevölkerung und Laufkundschaft vorbehalten, denen der Zugang zu den feinen Bäderhotels und Badehöfen verwehrt blieb. Während für das einfache Volk und die Armen zumeist körperliche Leiden Anlass zu einer Badenfahrt waren, schwelgte die Oberschicht aus aller Welt stets in den privaten Bäderhöfen der frivolen Heiterkeit. Eine Modernisierungswelle Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Badens Bäderviertel noch einmal zum international beachteten Kurort, liess aber die öffentlichen Bäder unter freiem Himmel endgültig verschwinden. Nur Otto Glaus‘ 1964 eröffnetes und 2012 verlottert wieder geschlossenes Thermalhallenbad vermochte dem Wunsch nach einem öffentlichen Thermalbad noch einmal zu entsprechen. (pd)

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