Grausame Tat an Rentnerin verheimlicht

Einer der brutalsten Sexualstraftäter der letzten Jahre steht morgen Freitag vor Gericht. Der Mann hat in Dietikon eine 80-Jährige zu Hause überfallen und missbraucht.

Das Opfer und ihr Ehemann in Begleitung der Anwältin nach der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft. (Bild: 10 vor 10, SRF)

Das Opfer und ihr Ehemann in Begleitung der Anwältin nach der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft. (Bild: 10 vor 10, SRF)

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Es kommt selten vor, dass die Polizei nach einem Raubüberfall auf eine Privatperson an die Öffentlichkeit gelangt – und das bereits mit einem Fahndungsbild des mutmasslichen Täters. Noch seltener ist, dass dieser als bewaffnet und gewaltbereit beschrieben wird. Doch das war am 30. April 2017 der Fall.

«Die Kantonspolizei Zürich empfiehlt, den Gesuchten nicht anzusprechen und verdächtige Wahrnehmungen sofort der Polizei zu melden», hiess es in der damaligen Meldung, welche die Polizei nach einem Überfall auf eine Rentnerin in Dietikon publizierte.

Inzwischen ist klar: Anders als es die Polizei vermeldete, hat der damals 54-jährige Mann am Nachmittag des 29. April 2017 die Frau in ihrer Wohnung nicht nur gefesselt und ausgeraubt. Laut Anklageschrift hat er sich auch sexuell brutal an ihr vergangen und sie in Todesgefahr versetzt.

«Sex-Unhold Nummer 1»

Der Schweizer aus dem Kanton Bern ist kein unbeschriebenes Blatt. Wie es in der Anklageschrift weiter heisst, soll der Beschuldigte bereits vor der Attacke in Dietikon eine Frau in Bern sexuell genötigt haben. Er soll Anfang April 2017 eine ihm bereits bekannte Prostituierte in ihrer Wohnung aufgesucht und sich gewaltsam an ihr vergangen haben.

Bereits im Juli 1986 berichtete der Blick über den «Sex-Unhold Nummer 1», der im Mai 1984 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, weil er mehrere Frauen überfallen und vergewaltigt hatte. Nach seiner Entlassung im Februar 1986 soll er wieder zwei Frauen überfallen haben, bevor er im Juli des gleichen Jahres nach einer wilden Verfolgungsjagd in der Nähe von Bern festgenommen werden konnte.

Die nächsten Jahre verbrachte der Mann in der bernischen Strafanstalt Thorberg in Verwahrung. Nach seiner Entlassung arbeitete er als Zügelmann. Doch auch damals verlief nicht alles problemfrei. Nach einem Streit schlug er einem Arbeitskollegen die Faust ins Gesicht und verlor den Job, später auch die Freundin und die Wohnung.

Er habe zu jener Zeit in einem Zelt im Wald gelebt und seine Habe mit einem Töffli mitgeführt, berichtete SRF in der Sendung «Die Staatsanwälte» im April 2018. Über den Fall wurde damals aber in anonymisierter Form berichtet. Dass es sich beim Beschuldigten um den polizeilich gesuchten Mann handelte, wurde nicht bekannt gegeben.

Rentnerin war Zufallsopfer

An jenem Nachmittag im April 2017 folgte der Beschuldigte einer 80-jährigen Rentnerin – einem Zufallsopfer – ins Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses in Dietikon und packte sie, als die Frau die Wohnung betrat. Er stiess sie aufs Bett und schnitt ihr die Kleider vom Leib.

Dann missbrauchte er die Rentnerin sexuell aufs Brutalste und befriedigte sich dabei selbst. Nicht genug: Nach der Tortur fesselte er sie mit dem Seil derart um den Hals, dass die Gefahr eines «lagebedingten Erstickungstodes» oder einer ungewollten Autostrangulation bestanden hatte.

Auch Prostituierte missbraucht

Danach floh der Mann mit einer Beute von einigen Tausend Franken sowie zwei Pistolen und Munition, welche der Ehemann der Rentnerin für eine Drittperson aufbewahrt hatte. Die gefesselte Frau überliess er ihrem Schicksal. Sie wurde zwei Stunden später vom zurückgekehrten Ehemann aufgefunden und befreit. Der Räuber wurde am 5. Mai 2017 im Kanton Thurgau verhaftet. Der Polizei war seine Identität dank der hinterlassenen DNA-Spuren rasch bekannt.

Der Staatsanwalt wirft dem heute 56-jährigen Schweizer qualifizierte sexuelle Nötigung, Raub und schwere Freiheitsberaubung vor. Der Strafrahmen beträgt fünf bis zwanzig Jahre, allenfalls zusätzlich auch Verwahrung. Der Beschuldigte muss sich am Freitag vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2019, 12:54 Uhr

Ex-Gefängnispfarrer vom Thorberg hat Amtsgeheimnis verletzt

Ein heute 81-jährige Ex-Seelsorger der Berner Strafanstalt Thorberg und seine gleichaltrige Ehefrau haben im Zusammenhang mit dem gesuchten Sextäter von Dietikon der Kantonspolizei Zürich Aussagen über den ehemaligen Häftling gemacht. Die Kapo hatte einen Tag nach der Öffentlichkeitsfahndung mit dem Seelsorger-Ehepaar im Kanton Bern Kontakt aufgenommen und es über den Gesuchten befragt. Der Pfarrer hatte ihn in früheren Zeiten in der Strafanstalt Thorberg als Seelsorger betreut. Auch später hatte das Ehepaar während vieler Jahre mit dem Mann noch privaten Kontakt. Nach seiner Verhaftung am 5. Mai 2017 im Kanton Thurgau zeigte der Beschuldigte den Ex-Pfarrer und seine Frau wegen Amts- und Berufsgeheimnisverletzung an. In der Folge wurde der Pfarrer im Februar 2018 vom Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich der Amtsgeheimnisverletzung schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 250 Franken verurteilt. Die Ehefrau sprach der Richter frei. Der Pfarrer habe als ehemaliger Beamter in Thorberg mit der Herausgabe der Akten das Amtsgeheimnis verletzt. Er habe dies zwar gut gemeint, doch sei es eine Fehlentscheidung gewesen, sagte der Einzelrichter. (hoh)

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