Grossanleger investieren in Studentenzimmer

In Zürich ist Wohnen für Studenten vergleichsweise günstig. Das könnte sich nun ändern.

Auf dem Hönggerberg ist mit der grossen Kelle angerichtet worden: Das neue Studentenwohnheim der Swiss Life mit 500 Betten.

Auf dem Hönggerberg ist mit der grossen Kelle angerichtet worden: Das neue Studentenwohnheim der Swiss Life mit 500 Betten. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Geht es ums Wohnen, gilt Zürich als Hochpreisinsel, aber für Studenten ist es ein vergleichsweise günstiges Pflaster. Das geht aus einem Bericht des Immobiliendienstleisters JLL hervor, der den Markt der Studentenwohnheime untersucht hat. In Lausanne, wie Zürich ein ETH-Standort, kostet ein Einzelzimmer im Wohnheim durchschnittlich fast 650 Franken. In Zürich sind es fast 100 Franken weniger. Hier werden im Durchschnitt für ein Studentenzimmer inklusive Nebenkosten knapp 550 Franken verlangt.

Damit liegt Zürich zwar leicht über dem landesweiten Mittel, aber das Preisniveau liegt nur in Freiburg substanziell tiefer. St. Gallen und Bern sind wie Lausanne ein ganzes Stück teurer.

Allerdings könnten sich die Durchschnittsmieten in Zürich künftig nach oben bewegen. Denn laut dem Bericht drängen zunehmend institutionelle Investoren in den Markt, der bisher von gemeinnützigen Stiftungen beherrscht wurde – und diese neuen Anbieter verlangen tendenziell mehr Geld. Bei ihnen kostet ein Zimmer im Schnitt etwa 100 Franken mehr als im Wohnheim eines gemeinnützigen Anbieters.

In Zürich haben die Institutionellen einen grossen Sprung nach vorne gemacht, als sie letztes Jahr auf dem ETH-Campus Hönggerberg ein Wohnheim für über 900 Studierende eröffneten. Dadurch steigerten sie die Bettenzahl im Kanton um über 20 Prozent, zugleich verdoppelten sie ihren Anteil am gesamten Kuchen auf 29 Prozent.

400 der dortigen Zimmer gehören der Luzerner Pensionskasse, die bei der Erstvermietung im Durchschnitt 530 Franken verlangte, zuzüglich Nebenkosten. Gleich nebenan vermietet die Swiss Life weitere 500 Zimmer, zu einem Nettomietzins von durchschnittlich 670 Franken pro Monat.

Zum Vergleich: Bei der gemeinnützigen Stiftung für Studentisches Wohnen (SSWZ) zahlt man für ein Zimmer ohne Nebenkosten im Schnitt rund 370 Franken. Dieser Stiftung gehört im Kanton Zürich fast ein Drittel der insgesamt 5100 Betten. Betrieben werden diese von der Studentischen Wohngenossenschaft Woko.

Diese wird ab nächstem Jahr auch 240 neue Zimmer auf dem ehemals besetzten Binz-Areal betreiben, die die Pensionskasse Stiftung Abendrot dort baut. Im Jahr 2019 kommen dann weitere 130 Betten für die SSWZ, die an der Rosengartenstrasse baut. Die Zimmerzahl in den Zürcher Studentenwohnheimen nimmt also weiter zu.

Nachfrage durch ausländische Studenten

Das ist laut dem Bericht von JLL auch notwendig, denn der Bedarf nimmt zu. Speziell unter ausländischen Studierenden, die nicht bei den Eltern wohnen können, wie 40 Prozent ihrer Schweizer Kommilitonen. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, unter anderem aufgrund der zunehmenden Mobilität nach der Bologna-Reform.

An der ETH Zürich stieg ihr Anteil seit 1990 von 14 auf 38 Prozent, an der Universität von 11 auf über 16 Prozent. Studentenzimmer gibt es hier aber nur für gut 8 Prozent aller Studenten. In Anbetracht dessen beurteilt es JLL als «positive Entwicklung», dass sich kommerzielle Investoren von den «betrieblichen Komponenten» eines Studentenwohnheims nicht mehr abschrecken lassen und vermehrt in diesem Markt mitmischen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2017, 12:06 Uhr

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