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Zürcher Rosengartentunnel schafft politischen Durchbruch

Hoffnung für Anwohner von Zürichs lautester Strasse: Die SVP sitzt nun mit im Boot für den Bau des Rosengartentunnels. Dank eines Spurausbaus.

Pascal Unternährer
Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
PD
1,1 Milliarden Franken soll der Umbau kosten: Die Regierungsratsmitglieder Markus Kägi (SVP) und Carmen Walker Späh (FDP) sowie der Zürcher Stadtrat André Odermatt (SP) referierten an einer Medienkonferenz von Februar 2017 über den Rosengartentunnel und das Rosengartentram.
1,1 Milliarden Franken soll der Umbau kosten: Die Regierungsratsmitglieder Markus Kägi (SVP) und Carmen Walker Späh (FDP) sowie der Zürcher Stadtrat André Odermatt (SP) referierten an einer Medienkonferenz von Februar 2017 über den Rosengartentunnel und das Rosengartentram.
Ruedi Baumann
Visualisierung der Kritiker des Projekts: Der VCS Zürich stellt dar, wie sich der Strassenraum ausdehnen könnte. Visualisierung: VCS Zürich
Visualisierung der Kritiker des Projekts: Der VCS Zürich stellt dar, wie sich der Strassenraum ausdehnen könnte. Visualisierung: VCS Zürich
So sieht es auf der Rosengartenstrasse heute aus: Die alltägliche Blechlawine.
So sieht es auf der Rosengartenstrasse heute aus: Die alltägliche Blechlawine.
Steffen Schmidt, Keystone
Zuletzt kamen auch noch Baustellen dazu (wie auf diesem Bild vom Sommer 2015).
Zuletzt kamen auch noch Baustellen dazu (wie auf diesem Bild vom Sommer 2015).
Patrick B. Krämer, Keystone
Die Rosengartenstrasse (links im Bild) zerschneidet heute das Quartier.
Die Rosengartenstrasse (links im Bild) zerschneidet heute das Quartier.
Sophie Stieger
Der Traum vieler Anwohner: Verkehrsfreie Rosengartenstrasse während einer Sperrung.
Der Traum vieler Anwohner: Verkehrsfreie Rosengartenstrasse während einer Sperrung.
Sophie Stieger
Aufnahme von 1970, als die Hardbrücke erst im Bau war.
Aufnahme von 1970, als die Hardbrücke erst im Bau war.
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Come
Die Blechlawine rollte schon in den Siebzigerjahren.
Die Blechlawine rollte schon in den Siebzigerjahren.
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Com
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Das Quartier um die berühmt-berüchtigte und vor allem laute Rosengartenstrasse in Zürich-Wipkingen darf hoffen, dass irgendwann mehr Ruhe einkehrt. Lange war unklar, ob neben der Linken auch die SVP den Rosengartentunnel samt Rosengartentram ablehnt – weil die Strassenkapazität nicht erhöht wird und weil die Kosten zu hoch sind. In der Vernehmlassung hatte sich die Partei deshalb kritisch geäussert. Mit einem Nein der SVP wäre das Prestigeobjekt von Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) bereits im Parlament gescheitert, das Quartier Wipkingen wie seit fast fünf Jahrzehnten zerschnitten geblieben.

Jetzt, nach den Beratungen der vorberatenden Kommissionen des Kantonsparlaments, ist klar: Die SVP hat eine weitere Spur in einem Teil des Tunnels durchgesetzt und sagt nun Ja. Mit einer Mittelspur im Teil zwischen Bucheggplatz und Hirschwiesenstrasse steigen die Kosten für Tunnel und Tram um 70 Millionen auf 1,1 Milliarden Franken.

Im Kantonsrat wird das Mega-Projekt eine Mehrheit erhalten. SP, GLP, Grüne und vermutlich auch die AL, welche nicht in den Kommissionen Einsitz hat, lehnen den Tunnel ab und werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Referendum ergreifen, womit das Volk das letzte Wort hat.

Befürworter: Für Quartier, Autoverkehr und ÖV

Mit jeweils 10:5-Mehrheiten haben die kantonsrätlichen Kommissionen für Planung und Bau (KPB) sowie für Energie, Verkehr und Umwelt (Kevu) dem Projekt und der zugehörigen Richtplanänderung zugestimmt. «Die unhaltbare Situation des immissionsgeplagten, geteilten Stadtquartiers an der Rosengartenstrasse soll nachhaltig verbessert werden», haben die Kommissionen heute Freitag mitgeteilt.

Die vorliegende Lösung berücksichtigt gemäss der aus SVP, FDP, CVP, EVP, BDP und EDU bestehenden Mehrheit die Bedürfnisse von öffentlichem Verkehr und Strassenverkehr gleichermassen und sichere «dieser wichtigen überregionalen Verbindung eine immissionsarme Zukunft».

Infografik: Tunnelschleife entlastet Rosengartenstrasse:

Die beantragte Mittelspur (wie heute im Milchbucktunnel) erhöhe die Kapazität des Tunnels nicht, dafür die Sicherheit, sagt die Mehrheit. Die Zusatzspur biete bei Unfällen oder Unterhaltsarbeiten Gewähr, dass sich der Verkehr in diesen Fällen nicht über das Quartier ergiesse. Die Kommissionen räumen ein, dass noch nicht alle Fragen geklärt sind. Beispiel ist die Gestaltung der Tunnelportale. Für diese soll ein Wettbewerb für eine möglichst quartierverträgliche Lösung stattfinden.

Gegner: Mehrverkehr vorprogrammiert

Die Minderheiten von KPB und Kevu kritisieren, dass das Grossprojekt trotz Klimawandel weiterhin auf die Strasse als massgeblichen Verkehrsweg der Zukunft setze. Das sei nicht zukunftsorientiert. Die «neue Strassenverbindung von West nach Ost» werde zudem Mehrverkehr anziehen und das Durchfahren der Stadt attraktiver machen.

Zudem sei das Kosten-Nutzenverhältnis des Projekts «sehr schlecht»: Der 600 Meter lange beruhigte Strassenabschnitt koste mit 1,1 Milliarden schlicht zu viel und beeinträchtige die Quartierentwicklung.

Quartierverein ist zufrieden

Der Quartierverein Wipkingen bat die kantonsrätlichen Kommissionen im Rahmen seiner Anhörung Mitte September 2017, dass das Zürcher Volk über dieses Generationenprojekt abstimmen darf, berichtet Präsident Beni Weder. «Mit dem heute kommunizierten Entscheid gehen die Kommissionen einen Schritt in diese Richtung», hält er fest. Hätten sie Nein gesagt, wäre eine Abstimmung nicht möglich gewesen.

Dem Anliegen des Quartiervereins, dass bei der Gestaltung der Tunnelportale ein Wettbewerb unter Einbezug von externen Fachleuten durchgeführt werden soll, entsprachen die Kommissionen ebenfalls. Was noch fehle, sei die Erfüllung der Forderung nach Mitwirkung der Bevölkerung gemäss Artikel 4 des Raumplanungsgesetzes. «Wir meinen: Die Bevölkerung weiss am besten, was sie braucht», so Weder. Beim Vorhaben gehe es vor allem um Stadt- und Regionalentwicklung und um gesellschaftliche Prozesse, findet er. Nicht nur um Verkehrsplanung oder Verkehrspolitik.

Badran ist kritisch

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, die im Quartier wohnt, ist skeptisch: «Dumm ist nur, dass im Richtplan nicht festgehalten wird, wohin die Autos dann gehen, wenn sie mitten im Quartier aus dem Tunnel herausfahren», sagt sie. Die Stadt Zürich brauche weniger Verkehr und nicht mehr Tunnels, die das Problem nicht lösten.

Der Kantonsrat wird voraussichtlich im Herbst entscheiden, die Volksabstimmung würde im Falle eines Referendums 2019 folgen. Gemäss Planung könnte der Tunnel ca. 2030 gebaut sein, das Tram 2032 fahren.

Bilder: 100 Jahre Rosengartenstrasse:

Der alte Dorfkern Wipkingens mit der Rosengartenstrasse von oben herab fotografiert (vor 1910). Hinten die Schlote des Industriequartiers hinter dem Escher-Wyss-Platz.
Der alte Dorfkern Wipkingens mit der Rosengartenstrasse von oben herab fotografiert (vor 1910). Hinten die Schlote des Industriequartiers hinter dem Escher-Wyss-Platz.
PD
Idylle anno 1910: Die Rosengartenstrasse schlängelte sich zum Käferberg hoch. In der Bildmitte die Abzweigung zum Weihersteig Richtung Kirche. Das Haus zum Rosengarten rechts im Bild hat der Strasse den Namen gegeben.
Idylle anno 1910: Die Rosengartenstrasse schlängelte sich zum Käferberg hoch. In der Bildmitte die Abzweigung zum Weihersteig Richtung Kirche. Das Haus zum Rosengarten rechts im Bild hat der Strasse den Namen gegeben.
Sammlung Ernst Sutter
Die Situation auf der Flugaufnahme 1921, links die Rosengartenstrasse. Rechts auf dem Bild ist die Bahnlinie mit Tunneleingang zu sehen, unten die Nordstrasse.
Die Situation auf der Flugaufnahme 1921, links die Rosengartenstrasse. Rechts auf dem Bild ist die Bahnlinie mit Tunneleingang zu sehen, unten die Nordstrasse.
Sammlung Ernst Sutter
Auch weiter unten immer noch kurvig durch den alten Dorfkern Wipkingens: Die Rosengartenstrasse anno 1931.
Auch weiter unten immer noch kurvig durch den alten Dorfkern Wipkingens: Die Rosengartenstrasse anno 1931.
Sammlung Ernst Sutter
1934 musste der Dorfkern weichen, die Rosengartenstrasse wurde begradigt. Gut zu erkennen ist die Bresche, die fortan Wipkingen teilen sollte.
1934 musste der Dorfkern weichen, die Rosengartenstrasse wurde begradigt. Gut zu erkennen ist die Bresche, die fortan Wipkingen teilen sollte.
Sammlung Ernst Sutter
Trotzdem war sie noch eine Quartierstrasse: Hitzetag im Jahr 1952.
Trotzdem war sie noch eine Quartierstrasse: Hitzetag im Jahr 1952.
ETH-Bibliothek/Comet Photos
1970 war die Hardbrücke noch im Bau, 1972 wurde die Westtangente eröffnet.
1970 war die Hardbrücke noch im Bau, 1972 wurde die Westtangente eröffnet.
ETH-Bibliothek/Comet Photos
Stau bereits in den späten 1970er-Jahren.
Stau bereits in den späten 1970er-Jahren.
ETH-Bibliothek/Comet Photos
Die Blechlawine rollte schon in den Siebzigerjahren.
Die Blechlawine rollte schon in den Siebzigerjahren.
ETH-Bibliothek/Comet Photos
Der Verkehr über die Hardbrücke beim Wipkingerplatz (1985).
Der Verkehr über die Hardbrücke beim Wipkingerplatz (1985).
Keystone
Luftaufnahme aus dem Jahr 1993.
Luftaufnahme aus dem Jahr 1993.
ETH-Bibliothek/Comet Photos
Auf der Rosengartenstrasse wurde immer wieder gebaut (2015).
Auf der Rosengartenstrasse wurde immer wieder gebaut (2015).
Patrick B. Krämer, Keystone
Der Traum vieler Anwohner: Verkehrsfreie Rosengartenstrasse während einer Sperrung.
Der Traum vieler Anwohner: Verkehrsfreie Rosengartenstrasse während einer Sperrung.
Sophie Stieger
In den 1930er-Jahren fuhr noch ein Tram die Rosengartenstrasse hinauf. Links die Rosengartenstrasse 1 – der Turm des Kirchgemeindehauses, des ersten «Hochhauses» Wipkingens.
In den 1930er-Jahren fuhr noch ein Tram die Rosengartenstrasse hinauf. Links die Rosengartenstrasse 1 – der Turm des Kirchgemeindehauses, des ersten «Hochhauses» Wipkingens.
PD
Das Tram fuhr dann die Röschibachstrasse hinauf.
Das Tram fuhr dann die Röschibachstrasse hinauf.
PD
Dieses Tram fuhr Richtung Höngg.
Dieses Tram fuhr Richtung Höngg.
PD
Die Tramschlaufe und Bushaltestelle Röschibachplatz plus Restaurant Nordbrücke (1927).
Die Tramschlaufe und Bushaltestelle Röschibachplatz plus Restaurant Nordbrücke (1927).
Sammlung Ernst Sutter
Tramschleife Nordbrücke (ab 1914).
Tramschleife Nordbrücke (ab 1914).
Sammlung Ernst Sutter
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