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Zürcher Rosengartentunnel schafft politischen Durchbruch

Hoffnung für Anwohner von Zürichs lautester Strasse: Die SVP sitzt nun mit im Boot für den Bau des Rosengartentunnels. Dank eines Spurausbaus.

Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
PD
Das Rosengartentram soll auf der verkehrsberuhigten Strasse fahren.
Das Rosengartentram soll auf der verkehrsberuhigten Strasse fahren.
Architron
Als die Rosengarten- noch eine Quartierstrasse war: Ein Hitzetag im Jahr 1952.
Als die Rosengarten- noch eine Quartierstrasse war: Ein Hitzetag im Jahr 1952.
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Come
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Das Quartier um die berühmt-berüchtigte und vor allem laute Rosengartenstrasse in Zürich-Wipkingen darf hoffen, dass irgendwann mehr Ruhe einkehrt. Lange war unklar, ob neben der Linken auch die SVP den Rosengartentunnel samt Rosengartentram ablehnt – weil die Strassenkapazität nicht erhöht wird und weil die Kosten zu hoch sind. In der Vernehmlassung hatte sich die Partei deshalb kritisch geäussert. Mit einem Nein der SVP wäre das Prestigeobjekt von Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) bereits im Parlament gescheitert, das Quartier Wipkingen wie seit fast fünf Jahrzehnten zerschnitten geblieben.

Jetzt, nach den Beratungen der vorberatenden Kommissionen des Kantonsparlaments, ist klar: Die SVP hat eine weitere Spur in einem Teil des Tunnels durchgesetzt und sagt nun Ja. Mit einer Mittelspur im Teil zwischen Bucheggplatz und Hirschwiesenstrasse steigen die Kosten für Tunnel und Tram um 70 Millionen auf 1,1 Milliarden Franken.

Im Kantonsrat wird das Mega-Projekt eine Mehrheit erhalten. SP, GLP, Grüne und vermutlich auch die AL, welche nicht in den Kommissionen Einsitz hat, lehnen den Tunnel ab und werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Referendum ergreifen, womit das Volk das letzte Wort hat.

Befürworter: Für Quartier, Autoverkehr und ÖV

Mit jeweils 10:5-Mehrheiten haben die kantonsrätlichen Kommissionen für Planung und Bau (KPB) sowie für Energie, Verkehr und Umwelt (Kevu) dem Projekt und der zugehörigen Richtplanänderung zugestimmt. «Die unhaltbare Situation des immissionsgeplagten, geteilten Stadtquartiers an der Rosengartenstrasse soll nachhaltig verbessert werden», haben die Kommissionen heute Freitag mitgeteilt.

Die vorliegende Lösung berücksichtigt gemäss der aus SVP, FDP, CVP, EVP, BDP und EDU bestehenden Mehrheit die Bedürfnisse von öffentlichem Verkehr und Strassenverkehr gleichermassen und sichere «dieser wichtigen überregionalen Verbindung eine immissionsarme Zukunft».

Infografik: Tunnelschleife entlastet Rosengartenstrasse:

Die beantragte Mittelspur (wie heute im Milchbucktunnel) erhöhe die Kapazität des Tunnels nicht, dafür die Sicherheit, sagt die Mehrheit. Die Zusatzspur biete bei Unfällen oder Unterhaltsarbeiten Gewähr, dass sich der Verkehr in diesen Fällen nicht über das Quartier ergiesse. Die Kommissionen räumen ein, dass noch nicht alle Fragen geklärt sind. Beispiel ist die Gestaltung der Tunnelportale. Für diese soll ein Wettbewerb für eine möglichst quartierverträgliche Lösung stattfinden.

Gegner: Mehrverkehr vorprogrammiert

Die Minderheiten von KPB und Kevu kritisieren, dass das Grossprojekt trotz Klimawandel weiterhin auf die Strasse als massgeblichen Verkehrsweg der Zukunft setze. Das sei nicht zukunftsorientiert. Die «neue Strassenverbindung von West nach Ost» werde zudem Mehrverkehr anziehen und das Durchfahren der Stadt attraktiver machen.

Zudem sei das Kosten-Nutzenverhältnis des Projekts «sehr schlecht»: Der 600 Meter lange beruhigte Strassenabschnitt koste mit 1,1 Milliarden schlicht zu viel und beeinträchtige die Quartierentwicklung.

Quartierverein ist zufrieden

Der Quartierverein Wipkingen bat die kantonsrätlichen Kommissionen im Rahmen seiner Anhörung Mitte September 2017, dass das Zürcher Volk über dieses Generationenprojekt abstimmen darf, berichtet Präsident Beni Weder. «Mit dem heute kommunizierten Entscheid gehen die Kommissionen einen Schritt in diese Richtung», hält er fest. Hätten sie Nein gesagt, wäre eine Abstimmung nicht möglich gewesen.

Dem Anliegen des Quartiervereins, dass bei der Gestaltung der Tunnelportale ein Wettbewerb unter Einbezug von externen Fachleuten durchgeführt werden soll, entsprachen die Kommissionen ebenfalls. Was noch fehle, sei die Erfüllung der Forderung nach Mitwirkung der Bevölkerung gemäss Artikel 4 des Raumplanungsgesetzes. «Wir meinen: Die Bevölkerung weiss am besten, was sie braucht», so Weder. Beim Vorhaben gehe es vor allem um Stadt- und Regionalentwicklung und um gesellschaftliche Prozesse, findet er. Nicht nur um Verkehrsplanung oder Verkehrspolitik.

Badran ist kritisch

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, die im Quartier wohnt, ist skeptisch: «Dumm ist nur, dass im Richtplan nicht festgehalten wird, wohin die Autos dann gehen, wenn sie mitten im Quartier aus dem Tunnel herausfahren», sagt sie. Die Stadt Zürich brauche weniger Verkehr und nicht mehr Tunnels, die das Problem nicht lösten.

Der Kantonsrat wird voraussichtlich im Herbst entscheiden, die Volksabstimmung würde im Falle eines Referendums 2019 folgen. Gemäss Planung könnte der Tunnel ca. 2030 gebaut sein, das Tram 2032 fahren.

Bilder: 100 Jahre Rosengartenstrasse:

Der alte Dorfkern Wipkingens mit der Rosengartenstrasse von oben herab fotografiert (vor 1910). Hinten die Schlote des Industriequartiers hinter dem Escher-Wyss-Platz.
Der alte Dorfkern Wipkingens mit der Rosengartenstrasse von oben herab fotografiert (vor 1910). Hinten die Schlote des Industriequartiers hinter dem Escher-Wyss-Platz.
PD
Das 1872 eingeweihte Schulhaus Rosengarten. (Foto ca. 1910)
Das 1872 eingeweihte Schulhaus Rosengarten. (Foto ca. 1910)
PD
Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
Überblick über das Gesamtprojekt mit Tunnelschlaufe und zwei Tramlinien.
PD
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