Zürcher Pensionskasse setzt weiterhin auf Erdöl und Erdgas

Die BVK hat Investitionen in Kohleförderer schon vor Jahren abgeschworen und bekommt gute Klima-Noten. Ganz aufgeben will sie die fossilen Energieträger aber nicht.

Pensionskassen heizen den Klimawandel mit Investitionen in fossile Energieträger an: Erdölförderung im US-Bundesstaat North Dakota.

Pensionskassen heizen den Klimawandel mit Investitionen in fossile Energieträger an: Erdölförderung im US-Bundesstaat North Dakota. Bild: Eric Gay/Keystone

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Pensionskassen befeuern mit ihren Investitionen in Kohle-, Erdgas- oder Erdölindustrie den Klimawandel. Das gilt auch für die BVK, die Pensionskasse des Kantons Zürich, mit 121'300 Versicherten und einer Bilanzsumme von 32 Milliarden Franken die grösste der Schweiz.

Immerhin: Die BVK steht vergleichsweise gut da. In einem im Februar veröffentlichten Pensionskassenrating des WWF zum verantwortungsvollen Investieren ist sie unter der Gruppe der «Verfolger», das heisst: zweitbeste Kategorie.

Keine konkreten Ziele

Neu sogar in der Spitzengruppe der «Vorreiter» ist ihr städtisches Pendant, die Pensionskasse der Stadt Zürich (PKZH). Auch deshalb, weil sie kürzlich beschlossen hat, ihre Investitionen aus 62 Unternehmen aus dem fossilen Bereich zurückzuziehen. Das Ausschlusskriterium: Kohleförderung oder ein Anteil von Kohlestrom über zwei Drittel.

Und die BVK? Hat Kohleförderer sogar schon 2016 ausgeschlossen. Nicht in erster Linie, um den Klimawandel auszubremsen, sondern um Anlagerisiken zu minimieren. Denn fossile Investitionen könnten in Zukunft zur Hypothek werden, wenn aufgrund neuer Regulierungen weniger fossile Energieträger gefördert werden können.

Was die PKZH laut WWF-Studie besser macht als die BVK, sind die konkreten Reduktionsziele: Bis 2024 will die städtische Pensionskasse, die das Vorsorgevermögen von 33'500 Mitarbeitern und 18'500 Pensionierten verwaltet, ihren CO2-Fussabdruck im Vergleich zum Jahr 2016 halbieren.

«Die BVK hat mit ihrem riesigen Anlagevolumen einen wichtigen Hebel, um den Klimaschutz entscheidend voranzubringen.»Sonja Gehrig, GLP-Kantonsrätin

Solche konkreten Ziele und Transparenz über ihre Erfüllung wären auch für die kantonale Pensionskasse wünschenswert, sagt Sonja Gehrig, GLP-Kantonsrätin aus Urdorf. «Die BVK hat mit ihrem riesigen Anlagevolumen einen wichtigen Hebel, um den Klimaschutz entscheidend voranzubringen», sagt sie. Sie fände es deshalb angebracht, dass die BVK nicht nur aus der Kohleförderung, sondern auch aus weiteren Industriezweigen wie Erdöl- und der Erdgasförderung ausstiege.

Gehrig hat mit dem gewählten Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) und Jonas Erni (SP) im Kantonsrat eine Anfrage an den Regierungsrat gestellt, wie das BVK seine Klimarisiken weiter zu minimieren gedenke. Der Regierungsrat schob den Ball an die BVK weiter, weil die Einflussmöglichkeit von Regierung und Kanton gering seien.

Was wirkt wirklich?

In seiner Antwort erteilt die BVK nun dem Ausschluss weiterer fossiler Branchen eine Absage. Sie betont die Wirkungslosigkeit solcher Massnahmen, was das Klima betrifft – die Aktien würden dann einfach von anderen Investoren gekauft.

Das lässt Gehrig nicht gelten. «Damit schiebt die BVK die Verantwortung von sich», sagt sie. Wenn nämlich viele Pensionskassen aufhörten, in einen Bereich zu investieren, könne damit durchaus der Aktienpreis von Firmen und damit auch das Handeln des Managements beeinflusst werden.

«Mit einer Strategie, die bewusst gewisse Sektoren ausschliesst, würden wir uns aus der Verantwortung stehlen.»Antwort der Pensionskasse BVK

Letzteres will auch die BVK, allerdings mit der gegenteiligen Strategie. «Mit einer Nachhaltigkeitsstrategie, die bewusst gewisse Sektoren ausschliesst, würde sich die BVK aus der Verantwortung stehlen», schreibt die Pensionskasse. Denn mit Desinvestitionen bei den fossilen Energieträgern würde man sich der Möglichkeit berauben, aktiv Einfluss zu nehmen.

«Zu reaktive Strategie»

Damit meint die BVK die Strategie, mit ihrem Stimmrecht als Aktionärin die Unternehmen in eine klimafreundlichere Richtung zu lenken. «Auch dieser Engagement-Ansatz hat eine gewisse Berechtigung», sagt Sonja Gehrig. Allerdings habe er klare Grenzen. Denn oft warte man zu lange mit dem Ausstieg, obwohl klar wird, dass das eigene Stimmrecht keine Veränderung herbeiführen konnte.

«Die BVK fährt allgemein eine zu reaktive Strategie», findet Gehrig. Die Pensionskasse warte neue Regulierungen ab und passe dann ihr Verhalten an, anstatt als gutes Beispiel voranzugehen. «Jetzt wäre es an der Zeit, Mut zu beweisen, langfristig zu denken – und deutlich schneller aus CO2-intensiven Unternehmen auszusteigen.»

Erstellt: 03.05.2019, 16:30 Uhr

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