Novum bei Zürcher Gymiprüfung: Jetzt zählt auch die Verhaltensnote

Beim Sprung ins Kurzzeitgymnasium wird einiges anders, zum Beispiel das «Arbeits- und Lernverhalten» angerechnet. Aber nicht nur das.

Zeichnung: Felix Schaad

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Jugendliche, die nach der 2. oder der 3. Sekundarschule in ein Kurzzeitgymi wechseln wollen, müssen am Tag der Aufnahmeprüfung gut in Form sein. Denn die Noten aus der Sek werden seit einigen Jahren nicht mehr angerechnet. Dies wurde beschlossen, nachdem Schüler aus der Sek B oder C zugelassen worden waren. Grund: Mit der Streichung der Vornoten wollte man eine Bevorteilung von B- und C-Schülern ausschliessen, da Noten aus der Sek A und B nicht gleichwertig sind. Diese Änderung wurde aber rasch kritisiert. Und 2015 verlangte der Kantonsrat vom Bildungsrat ein neues Modell der Aufnahmeprüfung, bei dem die Vornoten der Sekschülern wieder «angemessen» berücksichtigt werden.

Nun hat der Bildungsrat ein solches Modell verabschiedet. Es betrifft die Kurzzeitgymnasien, die Handels- und Fachmittelschulen (HMS und FMS) sowie die Informatikmittelschule (IMS) und die Berufsmittelschulen (BMS). Die Aufnahmeprüfungen für die Langzeitgymnasien (nach der Primarschule) bleiben unverändert. Bei den Kurzzeitgymnasien sieht das Modell wie vom Kantonsrat verlangt wieder eine Berücksichtigung der Vornoten aus der Sek vor. Allerdings zählen sie nur, wenn ein Schüler die Sekundarschule A und dort alle Fächer in der obersten Anforderungsstufe besucht hat. Für alle anderen Kandidaten werden die Vornoten weiterhin nicht mitgezählt. Zudem werden nur noch Sek-B- und -C-Schüler zur Prüfung zugelassen, die eine Empfehlung ihres Sekundarlehrers vorlegen können.

Arbeitshaltung wichtig

Im Unterschied zu früher zählen nicht nur die Vornoten in Deutsch und Mathematik, sondern auch jene in den Fremdsprachen und Naturwissenschaften mit – und zwar zu je einem Zwölftel. Da im Gymnasium die Arbeitshaltung ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist, hat der Bildungsrat zudem beschlossen, auch die Zeugniseinträge beim «Arbeits- und Lernverhalten» zu einem Zwölftel zu berücksichtigen.

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«Arbeits- und Lernverhalten» zählt bei Gymiaufnahme: Gut so?




«Die Mittelschulen wollen wissen, ob ein Schüler genügend ‹Pfupf› hat, um bei ihnen zu bestehen. Das Arbeits- und Lernverhalten bietet dafür Anhaltspunkte», sagt Hans-Martin Binder. Binder war Projektleiter der Prüfungsreform, die vom Bildungsrat bereits einstimmig gutgeheissen worden ist. Mittelschulen begrüssen den Schritt. «Das Verhalten zeigt die Schulaffinität des Jugendlichen und sagt etwas aus über die Bereitschaft, weitere drei oder vier Jahre zur Schule zu gehen», sagt Martin Zimmermann, Rektor der Kantonsschule Zürcher Oberland.

Lehrmeister und Berufsberater bestätigen, dass sie vermehrt auf das Verhalten der Jugendlichen achten. «Das Arbeits- und Lernverhalten ist so wichtig wie die Schulnoten», meint Katharina Stoll, Interimsdirektorin des Laufbahnzentrums der Stadt Zürich. Und sie ergänzt: «Wenn nicht sogar wichtiger.»

«Franz wird nicht geschwächt»

Die Vornoten und die Noten der Prüfung entscheiden zu gleichen Teilen über die Aufnahme. Geprüft werden die Kandidaten in Deutsch und Mathematik. Die Französisch- und die Englischprüfungen bei der BMS werden abgeschafft, ebenso die mündlichen Prüfungen bei Grenzfällen. Dies begründet der Bildungsrat unter anderem damit, dass die mündlichen Prüfungen nicht einheitlich gemacht werden können. «Mit der Streichung der Franzprüfung und der mündlichen Prüfung sparen wir auch einen grossen Aufwand», räumt Binder ein.

Dass die Romandie aufgrund der Schwächung von Französisch protestieren wird, glaubt er nicht. «Das ist keine Schwächung von Französisch. Wir stärken das Fach in der Sek. Für die Vornote müssen die Schüler über längere Zeit gute Leistungen bringen.» Französisch in der Aufnahmeprüfung habe zudem kaum Erkenntnisse dazu gebracht, ob jemand im Gymi bestehen könne, meint Binder. Von einer Schwächung von Französisch will auch Martin Zimmermann nicht sprechen. Der Rektor der Kantonsschule Zürcher Oberland und Französischlehrer sagt: «Mit Mathematik und Deutsch sowie den Vornoten von Französisch und anderen Fächern haben wir genug Informationen über die Fähigkeit eines Schülers, an einer Mittelschule zu bestehen. Und darum geht es ja.»

Ohne Vornote brauchts eine 4,25

Die Aufnahme geschafft haben alle Kandidaten, die eine 4,75 (Kurzzeitgymi) oder eine 4,5 (HMS, BMS, IMS, FMS) erreicht haben. Für Kandidaten ohne Vornoten liegt die Aufnahmegrenze eine halbe Note tiefer. Aktuell – ohne Vornoten – muss fürs Kurzgymnasium eine 4 erreicht werden.

Neu ist, dass die Aufnahmeprüfungen für alle erwähnten Schulen in der gleichen Märzwoche stattfinden. Allerdings werden sie so gestaffelt, dass ein Kandidat sowohl die Prüfung für ein Gymnasium wie auch für die BMS schreiben kann.

Das neue Modell der Aufnahmeprüfung soll fürs Schuljahr 2019/20 erstmals zur Anwendung kommen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.12.2016, 23:19 Uhr

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