Versteckte Kamera auf dem Schul-WC: Das rät die Zürcher Polizei

Auf dem Frauen-WC der Maturitätsschule für Erwachsene im Zürcher Seefeld hat jemand eine Kamera installiert. Die Ermittlungen laufen.

Hier ist es passiert: Zugang zur Frauentoilette an der KME.

Hier ist es passiert: Zugang zur Frauentoilette an der KME. Bild: Screenshot Tele Züri

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Ein beängstigender Fund erschüttert die Maturitätsschule für Erwachsene in Zürich. Am späten Dienstagnachmittag hat eine Studentin auf dem Frauen-WC eine Kamera entdeckt und den Vorfall dem Rektor gemeldet. Wie TeleZüri berichtet, wertet die Stadtpolizei Zürich inzwischen den Inhalt des Geräts aus. Bisher ist unbekannt, wer die Kamera dort installiert hat. Die Polizei ermittelt gegen unbekannt.

Auch zwei Tage nach dem Fund tönt Rektor Martin Klee besorgt. Als er von der geheimen Kamera erfahren habe, habe er als Erstes an die Betroffenen gedacht, sagt er. «Für sie muss das unglaublich unangenehm sein.» So was wolle man nicht an einer Schule.

Es ist das erste Mal, dass die Maturitätsschule von so einem Vorfall betroffen ist. Und Klee will verhindern, dass dies ein weiteres Mal geschieht. Als erste Massnahme sucht der Hausdienst alle Toiletten ab. Gleichzeitig will Klee ein Konzept erarbeiten, was in solchen Fällen zu tun ist. Noch sei offen, wie sich dieses gestalten werde, sagt er.

Epidemische Züge in Südkorea

Was das im Extremfall bedeutet, weiss man aus Südkorea. Dort hat die Spannerei auf Frauentoiletten epidemische Züge angenommen. Bekämpft wird sie mit Kamerajägerinnen, die Toiletten absuchen. Das Sicherheitsteam fährt dabei mit Kameradetektoren über Türknäufe, Toilettensitze, Papierrollenhalter und sogar über Lüftungsgitter. Überall könnten sich die kleinen Kameras verstecken. Im fernöstlichen Land ist der Toiletten-Voyeurismus derart verbreitet, dass es dafür sogar Streamingplattformen gibt.

Video: Südkorea kämpft gegen Mini-Kameras

Im fernöstlichen Land ist das heimliche Filmen sehr verbreitet. Archiv-Video: TA

In der Schweiz gibt es weniger Fälle von unerwünschten Kameras auf WCs als in Südkorea. Bei der Stadtpolizei Zürich, die die Kamera aus der Maturitätsschule nun untersucht, heisst es, sie seien zum Glück eher selten. Aber: «Jeder Fall ist einer zu viel», sagt Stadtpolizeisprecher Marco Cortesi.

Wertvolle Spuren sichern

Für den Fall, dass man selbst eine unerwünschte Kamera entdeckt, hat Cortesi einen Ratschlag: Das Gerät nicht anfassen, es der Polizei melden und in der Nähe warten, bis diese eintrifft. Montiere man die Kamera selbst ab, riskiere man, wertvolle Spuren zu verwischen – wie Fingerabdrücke oder DNA.

Stefan Oberlin, Sprecher der Zürcher Kantonspolizei, weist darauf hin, dass fix installierte Kameras das kleinere Thema sind als Menschen, die unerwünscht mit einem Handy fotografiert werden – zum Beispiel in der Umkleidekabine eines Fitnessstudios oder eines Kleiderladens. Bemerke man das, sei es am besten, den Täter auf der Stelle anzusprechen, festzuhalten und die Polizei zu rufen. Ansonsten solle man Anzeige gegen unbekannt einreichen.

Versteckte Kamera auf Männertoilette

Obwohl die Entdeckungen selten sind, gibt es sie. Vor drei Jahren stand ein ehemaliger Lehrer vor dem Zürcher Bezirksgericht. Er hatte in der Umkleidekabine eines Hallenbads in Zürich über längere Zeit eine kleine Kamera versteckt – in einer Tasche mit Tigeraufdruck. Damit filmte er Mädchen, die sich umzogen. Auch an einer Berufsschule hatte der notorische Täter zuvor heimlich gefilmt. Er bekam eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Er hatte sexuelle Motive angegeben.

Einen ganz anderen Grund nannte die Universität Zürich für die Überwachung der Männertoiletten. Auf dem Irchel-Campus hat der Sicherheitsdienst über ein Jahr lang auf der Männertoilette gefilmt – mit einer Kamera, die im Rauchmelder versteckt war. Die Überwachung sollte aufklären, wer in der Toilette Sachbeschädigung begeht. Die Kamera war aber illegal.

Zu filmen, wenn andere nichts davon wissen oder das nicht erlauben, sei verboten, sagt Kapo-Sprecher Stefan Oberlin. Es brauche immer das Einverständnis der gefilmten Person. Deshalb dürfte klar sein, dass die jüngst gefundene Kamera in der Maturitätsschule im Seefeld illegal ist.

Erstellt: 28.11.2019, 17:18 Uhr

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