Häuser, die tun, als stünden sie in Zürich

Die grossen Neubauquartiere in der Agglomeration Zürich sind fast ununterscheidbar von jenen in der Stadt. Aber es gibt ein paar überraschende Unterschiede.

Eine von 16 untersuchten Neubausiedlungen: Der Glattpark in Opfikon.

Eine von 16 untersuchten Neubausiedlungen: Der Glattpark in Opfikon. Bild: Urs Jaudas

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Von aussen kann man die Neubauquartiere kaum auseinanderhalten, die in den vergangenen Jahren in der Stadt Zürich oder in der angrenzenden Agglomeration gebaut wurden. Oft auf Brachen entstanden, sind die Überbauungen wie UFOs in den Quartieren und Gemeinden gelandet und brachten Tausende neue Bewohner. Sie tragen Namen wie Limmatfeld, Rietpark, Letzibach, Freilager, Binzallee, Zwicky und Mattenhof.

Nun haben Statistik Stadt Zürich und das kantonale statistische Amt zusammengespannt, um nach Eigenheiten und Unterschieden von insgesamt 16 neu entstandenen Quartieren zu suchen. Sechs davon liegen in der Agglomeration, im Limmat- und Glatttal, zehn innerhalb der Zürcher Stadtgrenzen.

Auffällig ist, dass sich die sechs untersuchten Agglo-Quartiere von der restlichen Agglomeration deutlich abheben. Dass sie sich aber zugleich auch von ihren zehn städtischen Pendants unterscheiden.

«Erwerbsorientierte» Bewohner

Die Statistiker haben festgestellt, dass die Mieten in den Agglo-Quartieren deutlich höher sind als in der übrigen Gemeinde. Im Schnitt bezahlt man für eine 100 Quadratmeter grosse Wohnung 2200 Franken (exklusive Nebenkosten), während die gleiche Fläche in einem nah gelegenen Altbau nur 1880 Franken kostet. Mieterinnen und Mieter im Agglo-Quartier zahlen damit fürs Wohnen etwa gleich viel wie jene in Neubauquartieren in der Stadt Zürich. Wer also mit dem Umzug in die Agglomeration Geld sparen will, sollte Neubauquartiere meiden.

Auffällig ist zudem, wie «erwerbsorientiert» die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Quartiere sind, wie sich die Statistiker ausdrücken: Nirgends sonst ist der Anteil der Doppelverdiener mit mindestens einem minderjährigen Kind so hoch wie in diesen sechs Neubauquartieren. Und in mehr als jeder dritten Familie arbeiten die Mutter und der Vater beide Vollzeit. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie beim Rest der Agglomerationsgemeinden, wo das Modell «Mann voll, Frau Teilzeit» überwiegt. Und er ist auch doppelt so hoch wie in der Stadt.

Die Menschen, die die neuen Siedlungen rund um Zürich herum bevölkern, kommen deutlich öfter aus anderen Kantonen, als dies bei neuen Siedlungen in der Stadt der Fall ist. Auffallend viele pendeln zum Arbeiten über die Stadtgrenze. Es scheint, als dienten die städtisch wirkenden Neubauten in der Agglomeration als Zugangstor für Auswärtige, die sich nach Zürich orientieren.

Die meisten Zuzüger sind allerdings Leute, die schon zuvor ganz in der Nähe gewohnt haben – das gilt für die neuen Quartiere in der Stadt genauso wie für jene im Limmat- oder Glatttal. Über die Hälfte der Bewohner zügelte nicht weiter als 2,5 Kilometer. Es findet aber eine Abwanderung aus der Stadt in Richtung Agglo-Quartiere statt, obwohl die Mietpreise dort nicht tiefer sind. So verliert Zürich zum Beispiel Bewohner an den Glattpark. Dort stammen mehr Bewohner aus der Stadt als aus dem Glatttal.

Das Limmatfeld von oben: Viele Doppelverdiener leben in solchen Neubauquartieren wie in Dietikon.

Die Statistiker haben mit ihrer Auswertung eine Art Zahlenporträt der neuen Grossüberbauungen beidseits der Stadtgrenzen erstellt. Es sind alles Quartiere, die vor allem von Menschen im Erwerbsalter bewohnt werden. Quartiere mit einer vergleichsweise internationalen Bewohnerschaft, wobei dies für jene in der Agglomeration noch eine Spur stärker gilt. Quartiere, deren Bewohner ein relativ hohes Ausbildungsniveau aufweisen, in der Stadt noch etwas ausgeprägter. Sie alle wirken von aussen sehr homogen, kämpfen mit leeren Flächen im Erdgeschoss – und machen die Agglo etwas städtischer.


Quiz: Können Sie Stadt von Agglo unterscheiden?


Erstellt: 12.04.2019, 13:04 Uhr

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