Handelt es sich um den Calanda-Wolf M60?

Der Wolf, welcher derzeit durch die Albiskette streift, hält sich vermutlich schon seit Monaten im Gebiet auf.

Der mutmassliche Wolf auf den Videoaufnahmen aus Affoltern. Bild: PD

Der mutmassliche Wolf auf den Videoaufnahmen aus Affoltern. Bild: PD

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Am Montag informierte der Kanton Zürich über seinen SMS-Wolf-Warndienst, dass in der vergangenen Woche im Raum Albiskette zwei Personen in Affoltern am Albis und in Schönenberg ZH je ein wolfsähnliches Tier gesichtet haben. Zudem wurden zwei gerissene Rehe gefunden. Die DNA-Proben werden nun untersucht.

Die Gruppe Wolf Schweiz hatte bereits am Sonntag einen kurzen Videofilm vom Wolf von Affoltern am Albis erhalten und den Film der Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung weitergeleitet. Nach der Sichtung des Films ist es laut David Gerke, Präsident des Vereins Gruppe Wolf Schweiz, gut möglich, dass es sich um einen jungen Wolf handelt.

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Bereits im Mai hatte eine Privatperson einen männlichen Wolf in Horgen fotografieren können. Ebenfalls im Mai konnte ein Biologe in Menzingen den ersten Wolf im Kanton Zug fotografieren.

Wie Gerke sagt, handelt es sich beim Zuger Wolf um das Tier M60, welches aus dem Calanda-Rudel stammt. Dies hatte die DNA-Analyse der Kotprobe des Zuger Wolfs ergeben. Das Männchen war 2015 zur Welt gekommen und im Dezember des gleichen Jahres zum letzten Mal im Kanton Graubünden nachgewiesen worden. Gerke vermutet, dass es sich bei den jüngsten Beobachtungen im Kanton Zürich ebenfalls um das Tier M60 handelt. Einen definitiven Beweis ergebe aber erst die Auswertung der DNA-Proben, welche nun untersucht würden.

Schon seit Jahren unterwegs

Schäden und Übergriffe an Nutztieren sind bisher keine entstanden. Der Wolf M60 ist, sofern es sich immer um das gleiche Tier handelt, also kein Problemtier. Es ist nun während knapp zwei Jahren unterwegs und sucht ein Weibchen. Ob er längerfristig in der Albiskette bleibt, ist ungewiss. Gemäss Gerke ist das Nahrungsangebot mit Rehen und Hirschen gross, es habe viel Wald und es sei hügelig. «Das Gebiet hat eine gewisse Attraktivität für einen Wolf», sagt Gerke. Für ein Rudel sei es aber wohl zu stark besiedelt.

Das potenziell beste Gebiet für ein Wolfsrudel im Kanton Zürich wäre in den Voralpen des Zürcher Oberlands: Im Gebiet um Tössstock und Schnebelhorn an der Grenze zu St. Gallen und im Gebiet nördlich des Hörnli an der Grenze zum Thurgau haben Forscher die idealen Lebensräume ermittelt. Die Überwindung der Autobahn A 3 zwischen Zürich und Chur ist für den Wolf kein Problem: In Russikon im Zürcher Oberland wurde im Oktober 2016 ein Wolf gesichtet. Und auch der Wolf, der im Juni 2014 in Näfels GL und in Wangen SZ Schafe riss, hatte die A 3 überquert und wurde später in Schlieren von einer S-Bahn überfahren.

Schwester von M60 hat Junge

Interessant ist, dass die Schwester von M60 das Weibchen ist, welches zusammen mit einem Männchen in Graubünden in der Nähe von Flims möglicherweise ein zweites Wolfsrudel mit mehreren Jungen gebildet hat. Ein gesicherter Nachweis fehlt aber noch. Dies sagte der Leiter des kantonalen Amtes für Jagd und Fischerei in einem Artikel in der «Südostschweiz». Laut der Zeitung weisen von der Gruppe Wolf Schweiz zusammengetragene Indizien auf die Existenz dieses Rudels hin. Das Weibchen ist aber keine Jahrgangsschwester von M60, sondern kam 2016, ein Jahr später zur Welt.

Erstellt: 16.10.2018, 15:31 Uhr

Zürcher SMS-Warndienst

Weil im Kanton Zürich vermehrt mit dem Auftreten von einzelnen, umherziehenden Wölfen zu rechnen ist, hat der Kanton Zürich einen kostenlosen SMS-Warndienst installiert. Damit sollen alle betroffenen Tierhalter und Jäger zeitnah über das Auftreten des Wolfes im Kantonsgebiet informiert werden, damit sie die notwendigen Schutzmassnahmen (Zaunkontrolle, häufigere Tierkontrolle) treffen können. (hoh)

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