Hans im Familienglück

Hans Eglis politisches Profil ist vielfältig: knapp links der Mitte, aber deutlich im konservativen Bereich. Der EDU-Regierungsratskandidat ist eine eierlegende Wollmilchsau.

Er gilt als besonders standhaft: Hans Egli. Foto: Urs Jaudas

Er gilt als besonders standhaft: Hans Egli. Foto: Urs Jaudas

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«Meine Wahl in den Regierungsrat wäre ein Wunder», sagt Hans Egli, «aber ich glaube an Wunder.» Der 53-jährige Egli ist Landwirt mit einem schönen Betrieb und einem weitherum bekannten Hofladen an der Hauptstrasse in Steinmaur. Und Egli ist der Präsident der kantonalen EDU, der Partei, die boshaft «SVP mit Bibel» genannt wird. «Die Bibel ist meine Gebrauchsanleitung zum Leben», sagt er. Und die Bibel ist auch sein politischer Kompass, bis hin zu den biblischen Wundern: Egli ist gegen Abtreibung, gegen Suizidhilfe, und er ist für das Leistungsprinzip, das er aus dem Gleichnis der anvertrauten Talente im Matthäusevangelium ableitet.

Im Haushalt der Eglis frömmelts aber nicht. Sie sind normale Mitglieder der reformierten Landeskirche und nicht Freikirchler wie viele in der EDU. Hans Egli hätte als junger Bauer auch in die EVP oder in die SVP eintreten können. Doch der frühere EDU-Nationalrat Markus Wäfler wohnt auch in Steinmaur, er nahm Egli in die EDU mit. Heute ist Hans Egli froh um seinen Entscheid. Die EVP sei ihm zu links geworden. Und die SVP sei zu fest auf das Wohl der Reichen fokussiert.

Ein linker Konservativer

Egli ist, um in der Landwirtschaft zu bleiben, eine eierlegende Wollmilchsau. Sein politisches Profil ist vielfältig: knapp links der Mitte, aber deutlich im konservativen Bereich. Er ist für linke Anliegen wie mehr Tempo-30-Zonen in Quartieren, Mobility Pricing, höhere Kerosinsteuern, 16 Wochen Elternurlaub, höhere Vermögenssteuern für Reiche und für die Offenlegung von grossen Wahlkampfspenden.

Auf der anderen Seite ist Hans Egli gegen die Freigabe von Cannabis, gegen Sonntagsarbeit und längere Ladenöffnungszeiten, für mehr Sozialdetektive, gegen mehr Gelder für die Integration ausländischer Jugendlicher sowie gegen Auslandeinsätze der Armee.

Mit diesem Profil sind Egli und seine EDU gefragte Partner im Kantonsrat. Der linke wie der rechte Block lobbyieren besonders bei EDU-lern, weil sie das Zünglein an der Waage spielen können. Bei Egli ist das nicht einfach, weil er als besonders standhaft gilt. Die grösste aller Lobbyistinnen im Rat, die Grüne Gabi Petri, sagt: «Hans Egli hält an seinen Überzeugungen fest, auch wenn sie unpopulär sind und er nicht im Trend liegt.» Egli sei «ehrlich und authentisch, so wie man es in der Politik selten sieht».

Ein Beispiel: Egli nahm kürzlich an einem Podiumsgespräch von Secondas Zürich zu Migrationsfragen teil. Trotz mehrheitlich linkem Publikum hielt er tapfer daran fest, dass Polizisten nicht zwei Pässe haben sollten. Kritische Nachfragen und hämische Lacher trieben ihn argumentativ rettungslos ins Abseits. Doch Egli blieb standhaft. Andere Beispiele: Er kämpft immer wieder in Vorstössen gegen die Sexmesse in Oerlikon an, blitzt aber regelmässig ab. Auch die beiden EDU-Volksinitiativen «Gegen den Sterbetourismus» und «Für den Schutz der Ehe» gingen an der Urne haushoch bachab. «Wir kämpfen auch für unsere Überzeugung, wenn es keinen Blumentopf zu gewinnen gilt», sagt Egli.

Der heimliche Youtube-Star

Was die wenigsten wissen: Hans Egli ist ein Youtube-Star. Sein fröhliches Wahlvideo «Hans Egli – ein Familienmensch» wurde schon 18'000-mal angeklickt, auf Facebook gar über 160'000-mal. Auf Eglis Hof gibts im Filmchen herzige Kälbchen, 45 zufriedene Kühe, prallvolle Beerenstauden, viel knuspriges Brot und einen ganzen Haufen glücklicher, lachender Menschen vom Enkel über die drei erwachsenen Kinder bis zu Ehefrau Jolanda, einer Bündnerin aus Disentis. «Wir teilen Beruf und Familie», sagt Hans, und Jolanda ergänzt verschmitzt, «vor allem Haushalt und Bett.»

Aktuellstes Anliegen von Hans Egli und seiner EDU ist die Volksinitiative «Mehr Geld für Familien». Die EDU, unterstützt von der EVP, fordert eine Erhöhung der Kinderzulagen (auf mindestens 300 Franken) und der Ausbildungszulagen (auf 375 Franken pro Monat). Ziel: Durch höhere Familienzulagen können Eltern ihre Kinder vermehrt selber betreuen. Egli will gegen die «einseitige Familienpolitik der Grossparteien ankämpfen, denn diese würde entweder nur die sozial Schwachen oder die Reichsten begünstigen».

Erstellt: 07.03.2019, 11:53 Uhr

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