Zum Hauptinhalt springen

Happy End für Bauer Locher – dank Ortstafel-Trick der Kapo

Mit Tempo 80 brausen die Autos mitten durch den Locherhof in Bonstetten – noch. Warum Bauer Locher nun endlich seine Temporeduktion bekommt.

Werner Locher vor seinem Hof: Wohnhaus und Garage, in der der Traktor steht, sind durch eine Strasse getrennt. Foto: Samuel Schalch
Werner Locher vor seinem Hof: Wohnhaus und Garage, in der der Traktor steht, sind durch eine Strasse getrennt. Foto: Samuel Schalch

Es ist wohl die längste Diskussion um eine Geschwindigkeitsreduktion im Kanton Zürich. Im Dezember 1974 wandte sich Fritz Locher an den Gemeinderat von Bonstetten – mit der Bitte, dafür zu sorgen, dass auf der Islisbergstrasse nicht zu schnell gefahren werde. Denn diese führt mitten durch seinen Hof. Der Gemeinderat sprach von einer «berechtigten Sorge» – und liess es dabei bewenden.

45 Jahre und viele weitere Gesuche, Einsprachen und Unfälle später bewegt sich nun doch etwas, wenigstens halbbatzig. In dem gestern aufgeschalteten Protokoll der Gemeinderatssitzung von Bonstetten steht der etwas kryptisch anmutende Satz, der Gemeinderat habe dem «geänderten Antrag an die Kantonspolizei hinsichtlich der Strassenplanung Islisbergstrasse» zugestimmt.

Gemeindepräsident Erwin Leuenberger (SP) deutscht das auf Anfrage aus: «Wir beantragen der Kantonspolizei, dass wir auf dieser Strasse im Bereich des Locherhofes Tempo 40 einführen können. Und zwar schnell.» Dann schiebt er nach: «Wir sehen das als Zwischenschritt.» Was kompliziert tönt, ist kompliziert.

Verletzter Motorradfahrer

Rückblende: Vor zwei Jahren wurde der Locherhof im «Tages-Anzeiger» als gefährlichster Bauernhof des Kantons bezeichnet. Mit gutem Grund: Werner Locher, Sohn des oben erwähnten Fritz, und seine Frau Carole erzählten, wie insbesondere seit der Eröffnung der A4 durchs Säuliamt die Islisbergstrasse von vielen Fahrzeuglenkern als Autobahnzubringer missverstanden wird. Täglich brausten mehr als 1400 Autos durch ihren Hof. Es gilt Tempo 80. «Unterdessen hat der Verkehr noch zugenommen», sagt Werner Locher. Er erzählt von Blechschäden, Kollisionen mit Kühen, unzähligen toten Katzen. Doch all ihre Klagen und Gesuche liefen ins Leere.

Und was damals Fachleute von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft vorhersagten, traf im Sommer 2018 ein. Ein Mensch kam zu Schaden. Als Lochers Sohn mit dem Traktor rückwärts die Strasse überquerte, kollidierte er mit einem Motorradfahrer, der sich dabei verletzte. Seither kam es zudem zu einem Zusammenstoss zwischen einem Auto und einem Güllenfass und zu einem weiteren Carosserieschaden an einem Auto.

Gleichzeitig blühte Locher ein kafkaesker Gang durch die Ämter. Er hatte 2017 Rekurs gegen den Entscheid des Gemeinderates eingereicht, keine Temporeduktion bei der Kantonspolizei zu beantragen. Und zwar beim Baurekursgericht, wie es in der Rechtsmittelbelehrung stand. Dieses erklärte sich als nicht zuständig und gab den Stab an den Bezirksrat weiter. Dieser wiederum wies den Rekurs ab mit dem Hinweis, er sei nicht zuständig. Ohnehin bestehe kein Rekursrecht gegen solche Entscheide des Gemeinderats.

Werner Locher posiert auf seinem Hof in Bonstetten. Foto: Samuel Schalch
Werner Locher posiert auf seinem Hof in Bonstetten. Foto: Samuel Schalch

Dann gab es Neuwahlen. Turbulente Neuwahlen. Und schliesslich einen neuen Gemeindepräsidenten, der den Fall Locher wieder aufrollte. Der Gemeinderat gab im Mai 2019 bei einem Planungsbüro ein Gutachten über die Auswirkungen einer Geschwindigkeitsreduktion in Auftrag. Dessen Ergebnis lautete: Tempo 30 im Bereich der Hofdurchfahrt sei sinnvoll, da die Anhaltswege und die Sichtverhältnisse dadurch verbessert würden. «Also haben wir das bei der Kantonspolizei beantragt», sagt Leuenberger. Und staunte, als die Antwort Nein lautete.

Der Trick mit der Ortstafel

Die Begründung? Man könne nicht «auf einen Chlapf» von Tempo 80 auf 30 runter. Doch liess die Kantonspolizei ein Türchen offen. Man könne vor und nach dem Hof eine Ortstafel platzieren, damit sei dieser Strassenabschnitt nicht mehr ausserorts. Und dann könne man Tempo 40 signalisieren.

Und so soll es kommen. Der Gemeinderat beantragt bei der Kantonspolizei Tempo 40 innerorts für diesen Streckenbereich und schreibt danach die Ortstafeln aus: Darauf wird der Flurname Lätten und in Klammern (Bonstetten) stehen. «Wir hoffen, dass wir sie noch diesen Winter aufstellen können», sagt Leuenberger. «Dann sehen wir weiter.» – «Dann sehen wir weiter», sagt auch Werner Locher.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch