Hartnäckig für die politische Mitte

Rosmarie Quadranti politisiert am linken Rand der BDP und will mit ihrer Kandidatur für den Regierungsrat ihrer schwächelnden Partei das Überleben sichern.

«Populismus zerstört die Demokratie», sagt BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti.

«Populismus zerstört die Demokratie», sagt BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti. Bild: Thomas Egli

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«Schade, hat Chantal Galladé nicht zu uns gewechselt», sagt Nationalrätin Rosmarie Quadranti, die für die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) einen Sitz im Zürcher Regierungsrat erobern will. Die Ex-SP-Politikerin habe sich zwar der politischen Mitte zugewandt, aber eben der GLP und nicht der BDP.

Quadranti, 61, versucht sich im Wahlkampf dezidiert als Mitte-Politikern zu profilieren – als Kämpferin gegen Populismus an den politischen Polen. «Populismus zerstört die Demokratie», ist sie überzeugt. Die Schweiz sei nicht mit Extremen stark geworden, sondern mit lösungsorientierter Politik. Darum das BDP-Wahlkampfmotto: «Nicht links, nicht rechts – vorwärts».

Allerdings tendiert Quadrantis Mittepolitik eher nach links. Sie befürwortet eine liberale Gesellschaft, eine offene Aussenpolitik und ausgebauten Umweltschutz. Sie kämpft für mehr Gleichberechtigung, gegen Ungerechtigkeiten aller Art und gegen den Business-Flugplatz Dübendorf, mit dem das Glatttal «mit einem Lärmteppich zugemüllt» werde. Ja sagt sie hingegen zum Rosengartentunnel («Eine Aufwertung für Anwohner») und zum Rahmenabkommen («Das gibt Rechtssicherheit»). Sie selbst verortet sich innerhalb der BDP am linken Rand.

Gegen Polarisierung

Für SVP-Nationalrat Mauro Tuena, der mit Quadranti in derselben Nationalratskommission sitzt, stimmt diese «in zu vielen Themen mit den Linken». Er frage sich, ob Quadranti in einer bürgerlichen Partei am richtigen Ort ist. «Eigentlich gehört sie eher in die SP.» Allerdings attestiert er ihr gute Dossierkenntnisse. «Ich bin in der genau richtigen Partei», widerspricht Quadranti. Immerhin sei die BDP die erste bürgerliche Partei gewesen, die den Atomausstieg befürwortete. Jetzt unterstütze sie die Gletscherinitiative und stehe für Nachhaltigkeit. Dass sie 2009 von der SVP zur BDP übergetreten ist, bezeichnet sie heute als «sehr guten Entscheid in meinem Leben». Die SVP sei so stark nach rechts abgedriftet, dass sie sich in praktisch keiner Sachfrage mehr mit ihr habe identifizieren können. «Alles, was polarisiert, ist nicht mein Ding.»

BDP-Nationalrat Martin Landolt erlebt Rosmarie Quadranti als «Überzeugungstäterin». Sie vertrete ihre Werte konsequent und authentisch, ohne sich die Frage nach dem persönlichen Nutzen je gestellt zu haben. Sie verfüge über Mut, Hartnäckigkeit und Ausdauer. «Und natürlich neigt sie zwischendurch zu Ungeduld, wie die meisten engagierten Menschen», sagt Landolt.

«Alles, was polarisiert, ist nicht mein Ding.»Rosmarie Quadranti

Bisher ist Quadranti, die in Illnau wohnt, vor allem auf die nationale Politik fokussiert. Dennoch ist sie überzeugt, das nötige Rüstzeug für die kantonale Politik und genug Führungserfahrung für das Regierungsamt mitzubringen. Immerhin habe sie 18 Jahre lang erfolgreich die Schule Volketswil geführt und alle Geschäfte an der Gemeindeversammlung durchgebracht. «Ich weiss, was auf Gemeindeebene läuft», sagt sie. Und man nimmt es der Kauffrau und Mutter dreier erwachsener Kinder ab, dass sie dort mit ihrer offenen, direkten Art ankommt.

Als Regierungsrätin würde sie etwa die Digitalisierung vorantreiben, wobei die Vollbeschäftigung beibehalten werden müsse, und für neue Impulse im Alters- und Pflegebereich sorgen. Eine ihrer Ideen: Wieso nicht bestehende Quartierkindergärten in Schulhäusern integrieren und die dadurch frei werdenden Gebäude zu Betreuungscentern für Ältere umfunktionieren?

Die BDP vor Schicksalswahl

Quadranti, die auch Präsidentin des Verbands Kinderbetreuung Schweiz (Kibesuisse) ist, gilt als Hoffnungsträgerin der BDP. Ob die Kleinpartei am 24. März erneut die 5-Prozent-Hürde schafft, ist offen. Als Wahlkampflokomotive soll sie Wählerinnen und Wähler an die Urne bringen.

Sie selber wehrt sich gegen das Untergangs-Gerede. Das Potenzial der BDP sei klar vorhanden. «Sie wird überleben», ist sie überzeugt. Doch warum keine Fusion mit der GLP, wie es jüngst ihr Parteikollege Hans Grunder vorgeschlagen hat? Bisher sei das von der Basis nicht goutiert worden, sagt Quadranti. Eine gute Zusammenarbeit könne genauso gut sein wie eine Fusion.

Und dann bleibt der BDP ja noch eine Hoffnung: Vielleicht landet auch sie bald einen Coup wie die GLP mit Chantal Galladé.

Erstellt: 04.03.2019, 11:37 Uhr

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