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Hauris Gespür fürs Altern

Zürichs Gesundheitsvorsteher bringt frische Ideen in die Alterspolitik. Aber jetzt kommt der schwierige Part: das Umsetzen.

Selbstbestimmt unterwegs statt im Altersheim. Zürich muss sich auf die Bedürfnisse der neuen Alten einstellen. Foto: Urs Jaudas
Selbstbestimmt unterwegs statt im Altersheim. Zürich muss sich auf die Bedürfnisse der neuen Alten einstellen. Foto: Urs Jaudas

Es war eine der Überraschungen bei der Departementsverteilung nach der Stadtratswahl letzten Frühling: Andreas Hauri, der erste Stadtrat der Grünliberalen, erhielt das Gesundheitsdepartement. Der Neuling im Gremium musste also ausgerechnet jenes Departement übernehmen, das SP-Vertreterin Claudia Nielsen unter Druck verlassen hatte. Die Erbmasse war nicht übertrieben attraktiv: Zu hohe Kosten gaben nicht nur bei den Stadtspitälern zu reden. Die Alterspolitik setzte auf teures Renovieren statt innovatives Reformieren. Nur selten hatte das Departement bisher in dieser Sache mit einem revolutionären Lösungsansatz auf sich aufmerksam gemacht.

Andreas Hauri trat an, um in dieser Stadt etwas zu bewirken. Gerade weil seine Partei keine Stadtratsvergangenheit hatte, baute er auf seinen frischen Blick, die Fähigkeit, Dinge anders anzugehen als seine Vorgängerinnen. Damit weckte er Erwartungen.

Zum Teil hat er das bereits erfüllt. Er traut sich, überraschende Entscheide zu fällen. Im Herbst verkündete er, dass die Leitung der beiden Stadtspitäler Triemli und Waid zusammengelegt werden. Zwei Häuser mit zwei verschiedenen Kulturen von einer Person leiten zu lassen, scheint jetzt plötzlich möglich.

Seniorenwohnungen statt Millionen für Altersheime

Mit der Sistierung der bisherigen Altersstrategie und einer abendfüllenden Debatte im Gemeinderat hat Hauri nochmals ein deutliches Zeichen gesetzt. Statt für 600 Millionen Franken Altersheime zu renovieren und neu zu bauen, will er das Geld für Wohnformen einsetzen, die den Bedürfnissen künftiger Senioren entsprechen. Sie wollen selbstständig in ihrem Quartier leben, den Alltag mit Personen anderen Alters teilen und nur bei Bedarf Pflege in Anspruch nehmen.

Die Parteien haben Hauris Marschhalt durchwegs wohlwollend aufgenommen und darauf aufbauend viele Forderungen eingebracht: Von generationendurchmischten Siedlungen, einem Mix von Alters- und Studentenwohnungen und Wohngemeinschaften war die Rede, von mehr Alterswohnungen, Dezentralisierung und Ausbau der Dienstleistungen Dritter, beispielsweise der Spitex. Zudem soll das Potenzial der technischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Nun müssen Taten folgen

Konkrete Ideen aber fehlten. Und ganz so neu sind viele Gedanken auch nicht. Die Dezentralisierung der Heime beispielsweise trieben bereits mehrere von Hauris Vorgängern voran. Claudia Nielsen hat die Nachtspitex eingeführt und das Angebot an Palliativ Care ausgebaut. Nichtsdestotrotz hat Hauri sich am Mittwoch im Rathaus bis kurz vor Mitternacht die Voten angehört und mit seinen Reaktionen den Eindruck vermittelt, er nehme sie ernst und werde daraus ableiten, in welche Richtung sich die Alterspolitik bewegen muss.

Doch das genügt nicht. Will sich Andreas Hauri als Macher bei den Wählerinnen und Wählern profilieren, muss er seinem wohlwollenden Zuhören und seinen schönen Worten nun Taten folgen lassen. Konkrete Ideen sind gefragt, vor allem aber: deren kluge Umsetzung. Der 52-Jährige muss aufzeigen, wie die Wohngemeinschaft, in der er alt werden möchte, genau aussehen soll. Wie gemischtes Wohnen von Senioren und Studenten funktionieren soll. Und wie sich das alles bezahlen lässt. Ende Jahr will Andreas Hauri seine Altersstrategie vorlegen. Gelingt ihm der versprochene Innovationsschub, kann er die Stadtzürcher Alterspolitik prägen.

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