«Wir behandeln Krebspatienten bereits mit Immuntherapie»

Auch nach der Abschaffung der Chefarztstelle sei die Onkologie in Zürich gut aufgestellt, versichert der Direktor des Unispitals.

Medizinprofessor Gregor Zünd ist seit 2016 Direktor des Zürcher Unispitals. Bild: Urs Jaudas

Medizinprofessor Gregor Zünd ist seit 2016 Direktor des Zürcher Unispitals. Bild: Urs Jaudas

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Gregor Zünd, das Unispital verzichtet darauf, die Chefarztstelle Onkologie zu besetzen (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Führende Schweizer Krebsärzte kritisieren, damit werde das Fach landesweit geschwächt.
Das sehe ich anders. Der Lehrstuhl für medizinische Onkologie wird zwar nicht mehr besetzt, dafür wollen wir mehrere neue Professuren für Krebsspezialisten schaffen, die sich mit einem Organ besonders gut auskennen. Zum Beispiel eine Professur für Urogenitale Onkologie oder eine für Lungenonkologie. Wir haben sehr gute dafür prädestinierte junge Ärztinnen und Ärzte.

Die Organisation nach Organen ist aber doch überholt, da die neusten Krebstherapien nicht organspezifisch wirken, ­sondern auf individuelle ­genetische Veränderungen zielen. Wer ist im Unispital Experte für diese Entwicklung? Wer behält da den Überblick?
Dafür haben wir zwei klinikübergreifende Spezialistengruppen. Die eine befasst sich mit der molekularen Onkologie, wo es um Gendefekte geht, die andere mit den Immuntherapien. Die beiden Gruppen treffen sich wöchentlich und diskutieren Fälle. Wir haben also am Unispital Zürich nicht nur die Organspezialisten.

Dennoch haben diese den Lead bei der Behandlung. Was ­bedeutet das für die Patienten und Patientinnen?
Alle Fälle werden zusätzlich in sogenannten Tumorboards diskutiert. Das sind Gruppen, in denen verschiedene Spezialisten vertreten sind, von der Pathologin über den Chirurgen und den Radioonkologen bis zum Palliativmediziner. Sie analysieren gemeinsam die Diagnose und die möglichen Behandlungen.

Was ist, wenn sie sich nicht einig sind über den besten Weg? Wenn der Chirurg sofort operieren will?
Dann muss er mit Studien belegen, dass mit einem Eingriff die Heilungschancen am höchsten sind. Die Zeiten sind vorbei, wo einfach operiert wurde, weil der Chirurg es sagte. Wir bieten am Unispital Zürich übrigens auch komplementärmedizinische Behandlungen an. Ich bin überzeugt, dass wir gut aufgestellt sind. Alle Patientinnen und Patienten mit einem bösartigen ­Tumor werden heute interdisziplinär behandelt.

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an die Forscher, welche die Immuntherapie gegen Krebs entdeckt haben. Setzen Sie am Unispital diese vielversprechende neue ­Therapie schon ein?
Ja, vor allem in der Dermatologie. Ein Grossteil unserer Hautkrebspatienten wird bereits mit Immuntherapie behandelt. Und beim Lungenkrebs beginnen wir nun damit.

Erstellt: 02.10.2018, 08:48 Uhr

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