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Heftige Kritik am Stadtrat von Affoltern

Die Zukunft des Regionalspitals Affoltern bewegt die Menschen im Säuliamt. An einer Infoveranstaltung im vollen Kasinosaal waren die Spitalbefürworter klar in der Mehrheit.

Grosses Interesse: Der Kasinosaal in Affoltern war bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: Urs Jaudas
Grosses Interesse: Der Kasinosaal in Affoltern war bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: Urs Jaudas

In den Leserbriefspalten des «Anzeigers von Affoltern» gibt es derzeit nur ein Thema: das Spital Affoltern. Denn am 19. Mai stimmen die 14 Säuliämtler Gemeinden darüber ab, wie es im beliebten Landspital weitergehen soll. Der Zweckverband des Spitals soll aufgelöst und eine Spital AG und eine Interkommunale Anstalt für ein Pflegezentrum Sonnenberg gegründet werden. Geplant ist die Sanierung und Erweiterung des Spitals für über 100 Millionen Franken.

Die einen finden, das finanzielle Risiko sei für die Gemeinden zu gross, die anderen wollen nicht auf das Spital verzichten, pochen auf Tradition und auf Säuliämtler Kampfgeist und kritisieren speziell den Stadtrat von Affoltern, der für das Spital keine Perspektiven mehr sieht. «Lichtjahre» habe sich der Stadtrat von der Bevölkerung entfernt, schreibt EVP-Kantonsrat Daniel Sommer.

Sieg für die Spitalfreunde

Gestern Abend hat der Stadtrat die Bevölkerung nun in den Kasinosaal eingeladen zur Infoveranstaltung. In der Regel findet sich an solchen Abenden eine Handvoll Zuhörer auf den Stühlen ein. Gestern war der Saal schon zehn Minuten vor Beginn fast bis auf den letzten Platz besetzt, und draussen standen die Spitalbefürworter mit Knöpfen am Revers. Am Eingang stand der Präsident des Vereins «Ja zum Spital Bezirk Affoltern», David Koller, mit seinen Flyern.

Der parteilose Stadtpräsident von Affoltern, Clemens Grötsch, zeichnete ein düsteres Bild: sinkende Erträge, immer rötere Zahlen sowohl im Spital als auch in der Langzeitpflege. «Viele fahren heute an unserem Spital vorbei, das ist tragisch, aber die Realität.» Darum werde sich der Stadtrat vehement gegen einen Beitritt zur Spital AG wehren, er werde sich im Entscheid Herz gegen Kopf für den Kopf entscheiden. Bereits bei seinem Referat wurde im Saal lautstark geraunt, Applaus gab es gar keinen für Grötsch.

Sinkende Erträge, tiefrote Zahlen: Der Stadtpräsident zeichnete ein düsteres Bild.

Anders war es bei Stefan Gyseler, dem Präsidenten der Betriebskommission des Spitals. Er wurde von den über 500 Zuhörerinnen und Zuhörern schon mit Applaus empfangen. Gyseler pries das Spital als grösste Arbeitgeberin im Bezirk Affoltern, als wichtige Auftraggeberin für das Gewerbe und als einzigartige Institution, welche Akutspital und Langzeitpflege praktisch am gleichen Ort anbiete: «Ein solches Spital ist ein Magnet.» Er bestritt auch, dass das Spital durch die Abstimmung vom 19. Mai auch nur einen zusätzlich Steuerfranken brauchen werde, und beteuerte, dass nichts gebaut werde, bevor nicht klar sei, welche Leistungsaufträge das Spital 2022 vom Kanton bekommt. Zudem werde das Volk über eine Kapitalerhöhung nochmals abstimmen können.

Gyseler erinnerte den Stadtrat daran, dass Affoltern als Bezirkshauptort eine Verantwortung für den ganzen Bezirk habe, der bereits als potenzieller Standort einer Mittelschule leer ausgegangen sei. Ein Votum, das mit viel Applaus quittiert wurde.

Auch das direkte Rededuell ging gemessen am Applaus an Gyseler. Bis zum Schluss wurde aber nicht klar, wie die Zukunft des Spitals genau finanziert werden soll. Trotzdem gab es sehr viele emotionale Appelle an die Stimmberechtigten, Rückgrat fürs Spital zu zeigen. Und als letzter Redner trat auch noch Ex-SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi ans Mikrofon und setzte sich für «unser» Spital ein.

Entscheid in Stallikon

Ob die Säuliämtler ihr Spital am 19. Mai retten können, ist trotz des Massenaufmarschs der Spitalfreunde gestern ungewiss. Denn die Spital AG kann nur gegründet werden, wenn mindestens 75 Prozent der Säuliämtlerinnen und Säuliämtler in der AG vertreten sind. Von den Exekutiven der 14 Trägergemeinden empfehlen aber nur sieben ein Ja zur Spital AG. Das Pflegezentrum Sonnenberg befürworten immerhin zehn Exekutiven.

Bereits morgen Mittwoch kommt es zu einem weiteren Spital-Showdown: Die Stallikerinnen und Stalliker beschliessen an einer vorberatenden Gemeindeverammlung eine Abstimmungsempfehlung für den Urnengang vom 19. Mai.

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